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Erdbeerpflänzchen nachts unter Vlies

Schnee auf den Spargelfeldern in Kuhla bei Himmelpforten (Foto: Gut Kuhla)
 
Kreis-Landwirt Johann Knabbe (Foto: tp)

Kalter April beschert Ertragseinbußen und späte Ernte

(tp). Anhaltend niedrige Tagestemperaturen unter 10 Grad, Nachtfrost, Regen, Hagel - und am vergangenen Sonntag Schnee: Das strenge Aprilwetter macht Landwirten in der Region zu schaffen. Bauern klagen über Ertragseinbußen und Ernteverzögerung.

Unter ihnen Felix Löscher (33), der mit seinem Bruder und den Eltern in Hoopte in der Elbmarsch einen Spargel- und Erdbeerbetrieb leitet. "Ich habe heute die erste rote Erdbeere gegessen", sagte Löscher am Mittwoch. Witterungsbedingt starte die Ernte der Erdbeeren wohl erst Mitte kommender Woche - und damit knapp 14 Tage später als in normalen Jahren. Problem: In diesen Tagen rücken die polnischen und rumänischen Erntehelfer an. Viele von ihnen müssen vorerst anderweitig beschäftigt werden.

Zuerst werden die Beeren in den Folientunneln reif, die ein Fünftel der 50 Hektar große Erdbeeranbaufläche ausmachen. Um die blühenden Erdbeerpflanzen vor den schädlichen Nachtfrösten zu schützen, wurden die Beete nachts zehn statt üblich zwei Tage im April mit Vlies abgedeckt. Tagsüber legte man die Pflänzchen frei, um die Bestäubung zu ermöglichen.

Der deutschlandweite Kälteeinbruch verursacht, dass die Erdbeeren im Süden der Republik etwa zeitgleich mit denen im Norden reifen und auf den Markt gebracht werden. Auswirkungen auf den Preis kann Felix Löscher noch nicht abschätzen. Er rechnet mit einem gegenüber dem Vorjahr unverändertem Kilopreis um 4,80 Euro zur Hauptsaison im Juni und Juli.

Unterdessen beklagen die Löschers auf ihren 60 Hektar Spargelfeldern bereits massive Ertragseinbußen. Aufgrund des langsamen Wachstums hätten die Mitarbeiter noch wenig zu tun. Der Kilopreis des Gourmet-Gemüses liege mit 11,90 Euro noch relativ hoch, pendele sich zur Erntehöhepunkt ab Pfingsten aber voraussichtlich auf etwa 8 Euro ein.

Otto von Gruben (64), Eigentümer des "Gut Kuhla" bei Himmelpforten, wo Spargel auf 25 Hektar wächst, berichtet über erschwerte Erntebedingungen. Durch Regenwasser, das sich zwischen den Tunneln sammele, sei das Begehen der Felder mühsam. Schneeschauer während der Spargelernte habe man auf dem Gut bis dato noch nie erlebt.

Wachstumsverzögerungen bei den Ackerfrüchten registriert der Stader Kreis-Landwirt Johann Knabbe (59) aus Fredenbeck. Wegen der Nässe sei der Boden nicht befahrbar. Auf den Feldern ruhe die Arbeit. Für seine Berufskollegen in den Kreisen Stade und Harburg hofft Knabbe, das weitere Frostnächte ausbleiben. U.a. seien in der Region schon gut die Hälfte der Maisfelder und fast die kompletten Flächen mit Wintergetreide bestellt. Frostschäden seien nicht absehbar.

Laut Knabbe stagniert derzeit die begonnene Raps-Blüte. Noch nach Angaben der Landwirtschaftskammer Niedersachsen konnte die Kälte der Kultur bisher wenig anhaben. Allerdings gehe die Bestäubung langsam von statten, da die Insekten bei niedrigen Temperaturen kaum fliegen. Im letzten Jahr wurden 120.000 Hektar Raps geerntet. Damit ist er die wichtigste heimische Ölpflanze, die auf rund sechs Prozent der Ackerfläche in Niedersachsen steht. Wie viel Raps für die diesjährige Ernte angebaut wird, ist noch unklar.