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Fleischermeister aus Bützfleth: "Die Baustelle gab mir den Rest"

Stellte schweren Herzens den Insolvenzantrag: Fleischermeister Alfred Gallant

Alfred Gallant stellt Insolvenzantrag / Betrieb geht vorerst weiter

tp. Bützfleth. Die Dauerbaustelle am Obstmarschenweg habe ihm "den Rest gegeben": Fleischermeister Alfred Gallant (61) aus Bützfleth hat beim Amtsgericht in Stade einen Insolvenzantrag gestellt. Nun liegen die Finanzen in den Händen eines Hamburger Insolvenzverwalters.

Wie berichtet, klagte Anrainer Gallant im Dezember über einen "massiven Kundenrückgang", der ihn in eine existenzbedrohende Situation gebracht habe. Bürgermeister Sönke Hartef appellierte an alle Bürger "ihren Betrieben die Treue zu halten". Im Fall der Fleischerei Gallant half der Aufruf nicht viel. Seit Beginn der Baumaßnahmen im vergangenen Frühjahr sei "immer mehr Laufkundschaft ausgeblieben", so der Vollblut-Fleischermeister. Irgendwann seien Kunden von außerhalb wegen der vielen Staus gar nicht mehr gekommen.

Gallant räumt ein, dass weitere Faktoren zur Insolvenz geführt hätten, u.a. die finanzielle Belastung durch die Abträge für das Geschäftshaus. Zudem berichtet seine Tochter Astrid Wichern (45), die als Industriekauffrau in dem Familienbetrieb arbeitet, von einem Rückgang der Gästezahl um 50 Prozent in der von Gallant betriebenen Caféteria bei Dow Chemical, seitdem das Chemie-Unternehmen weniger Vertragspartner auf dem Industriegelände in Bützfleth beschäftige.

Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse soll der Fleischereibetrieb unter Absprache mit dem Insolvenzverwalter fortgeführt werden. Kunden haben nur kleinere Einschränkungen zu erwarten: Einzelne Artikel könnten abends nicht mehr vorrätig sein, weil etwas weniger produziert werde, so Alfred Gallant. Beliebte Angebote wie der Mittagstisch, Party- und Lieferservice bleiben erhalten. Auch die 14 Mitarbeiter bleiben in Lohn und Brot.

Ziel sei es, nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens am 1. April "mit allen Beteiligten eine Lösung zu finden" und den Familienbetrieb im Ortszentrum zu retten. "Wir wollen unseren Kunden in Zukunft noch mehr beweisen, dass wir besser sind als Discounter", so Astrid Wichern. Sie verweist auf frische Qualitätsprodukte aus der Region mit besonderem Geschmack und gute fachliche Beratung. Vater und Tochter hegen gemeinsam die große Hoffnung, dass nach Abschluss der Bauarbeiten wieder mehr Kunden den Weg in Fleischerei finden.

Der erste Bauabschnitt steht kurz vor dem Abschluss: Am kommenden Wochenende wird die Asphaltdecke aufgetragen. Im April geht es mit dem zweiten Bauabschnitt weiter. Für die Gallants kommt erneut eine schwere Zeit: Diesmal zieht die Baustelle direkt an ihrer Ladentür vorbei. Zur angepeilten Fertigstellung Dezember heißt es nach fast zweijähriger Sanierungsdauer "freie Fahrt" über eine glatte Fahrbahn und zwei neue Kreisel.