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"Für läppische 80 Cent setze ich mich nicht ans Steuer"

Jürgen Wohlberg und seine Ehefrau Rita empfinden die Preispolitik ihrer Krankengasse bei Patienten-Fahrten als ungerecht

Krankenkasse gibt teurem Patienten-Taxi den Vorzug / Kein Anreiz für hilfsbereite Privat-Fahrer

tp. Stade. Über eine aus ihrer Sicht "irrsinnige bürokratische Regelung" ärgert sich Rita Wohlberg (63) aus Stade. Nach ihren Angaben erstattet die Krankenkasse AOK einem Taxiunternehmen jeweils 8,90 Euro für die vier Kilometer langen Fahrten ihres schwerkranken Ehemannes Jürgen Wohlberg (67) zur ambulanten Behandlung in einer Klinik. Als Rita Wohlberg die Touren mit dem Privatwagen übernehmen will, bietet ihr die Kasse für die gleiche Leistung nur 80 Cent. Das Paar fühlt sich "abgespeist".

Ende 2013 erkrankte der ehemalige Salinen-Mitarbeiter Jürgen Wohlberg an Kehlkopf-Krebs. Nach einer OP, bei der ihm ein Großteil des Kehlkopfes sowie ein Stimmband entfernt wurden, verordnete ihm der Arzt rund 30 Bestrahlungen in der Stader Klinik Dr. Hancken. Auf Antrag bewilligte die AOK Stade dem Rentner, der aus gesundheitlichen Gründen bis auf Weiteres nicht Auto fahren kann, die Übernahme der Fahrtkosten nach Taxi-Tarif.

Doch nach Schilderungen der Wohlbergs gab es mit dem Taxiunternehmen Probleme bei Terminabsprachen für die täglichen Touren zur Bestrahlungstherapie. "Einmal kam das Taxi gar nicht", berichtet Rita Wohlberg, die schließlich in Erwägung zog, ihren Mann mit dem Privatwagen in die Klinik zu bringen. Doch als sie sich bei der AOK nach einer Kostenerstattung erkundigte, fiel sie aus allen Wolken: "Man bot mir läppische 20 Cent je Kilometer. Dafür setze ich mich doch nicht selbst ans Steuer", sagt die resolute Seniorin. Sie meint, die Kasse müsste hilfsbereiten Privat-Fahrern einen höheren finanziellen Anreiz setzen.

Zum Vergleich: Für 60 einfache Fahrten à 80 Cent für jeweils vier Kilometer bekäme Rita Wohlberg 48 Euro. Das Taxiunternehmen hingegen erhält von der Kasse 534 Euro, also mehr als das Zehnfache.

Die AOK hält sich laut Pressesprecher Carsten Sievers - wie alle Kassen - an das Bundesreisekosten-Gesetz, nachdem Krankenfahrten mit dem privaten Pkw mit 20 Cent pro Kilometer abgegolten werden. Sievers "kann nachvollziehen", dass die Wohlbergs von der Differenz zu dem Taxi-Tarif "überrascht" sind, verweist aber auf die Lohnkosten und den Verwaltungsaufwand für Taxiunternehmen. Nach Einschätzung des Ehepaares Wohlberg gehen der Solidargemeinschaft der Krankenkassenbeitragszahler durch die aus ihrer Warte ungerechte Preispolitik bundesweit "jährlich wohl ein Millionenbetrag verloren".