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Fusion in zwei Runden

Die Volksbank Kehdingen ist künftig Niederlassung der Ostfriesischen Volksbank (Foto: MSR)
bc. Drochtersen. Die Würfel sind gefallen. Nach einer mehr als vierstündigen Mammutsitzung haben die Vertreter der Volksbank (VB) Kehdingen am Mittwochabend einer Fusion mit der Ostfriesischen Volksbank (OVB) zugestimmt. „Wir sind erleichtert, dass der Beschluss so getroffen wurde. Mein Dank gilt den Vertretern“, sagt Vorstandssprecher Dietmar Bruß. Zwei geheime Wahlgänge wurden benötigt, um die geforderte Dreiviertelmehrheit zu erreichen. In der ersten Runde triumphierten noch die Gegner der Banken-Hochzeit.

Zukünftig firmieren die Kehdinger unter dem Namen „Volksbank Kehdingen Niederlassung der Ostfriesische Volksbank eG“. „Unsere Kunden behalten alle ihre Ansprechpartner vor Ort. Auch die Kreditentscheidungskompetenz bleibt in Drochtersen“, so Vorstand Dietmar Bruß. Zudem seien die Arbeitsverträge der 53 Mitarbeiter auf zwei Jahre gesichert.

Mit einer Bilanzsumme von 1,5 Milliarden Euro zählt die neue Volksbanken-Kooperation fortan zu den großen genossenschaftlichen Banken Niedersachsens. Wie berichtet, brauchte die durch die Schifffahrtskrise ins Schlingern geratene VB Kehdingen einen starken Partner, der sich ebenfalls in dem schwierigen Geschäftsfeld Schifffahrtsfinanzierung auskennt.

Nach der einstimmigen Zustimmung der OVB-Vertreter am Donnerstagabend ist die Fusion durch. Im August soll die technische Fusion, also die Zusammenlegung der Arbeitsprozesse, mit dem Eintrag ins Register abgeschlossen sein. Bis dahin bleibt die VB Kehdingen selbstständig. Bruß: „Wir bleiben damit ein Wettbewerber am Markt.“

Immerhin 93 von insgesamt 101 Vertretern - also diejenigen, die die ca. 3.000 Genossen der VB Kehdingen (Anteilseigner der Bank) repräsentieren - waren zur entscheidenden Versammlung in die Zentrale nach Drochtersen gekommen. In Wahlgang eins kamen die Fusionsgegner auf 32 Nein- bei 58 Ja-Stimmen: Die 65-prozentige Zustimmung reichte für einen Zusammenschluss nicht aus. „Ein bombastisches Ergebnis für uns“, sagt Horst Wilkens aus Wischhafen, ein erklärter Gegner der Fusion mit der OVB im 200 Kilometer entfernten Leer.

Erst in der zweiten Runde bröckelte die Allianz der Widerständler, nachdem OVB- Aufsichtsratsvorsitzender Folkmar Ukena eine bewegende Rede („Es würde ein Trümmerhaufen zurückbleiben“) gehalten hatte. In einer neuen Abstimmung schafften die Befürworter die 75 Prozent-Hürde: 92 gültige Stimmen wurden abgegeben, 71 Vertreter waren für eine Fusion, 21 dagegen. Macht 77 Prozent. „Wir hätten uns mehr Zustimmung gewünscht, aber letztendlich zählt das Ergebnis“, so Bruß.

Die Fusionsgegner, darunter auch der CDU-Landtagsabgeordnete Kai Seefried, hätten sich einen Zusammenschluss mit der benachbarten Volksbank Stade-Cuxhaven gewünscht. Sie befürchten durch das Bündnis mit Leer, dass das ureigene Regionalitätsprinzip einer Genossenschaftsbank verloren geht.

Horst Wilkens und seine Mitstreiter zeigten sich als faire Verlierer: „Uns fehlten im zweiten Wahldurchgang drei Stimmen, um die Fusion aufzuhalten. Wir haben es leider nicht geschafft und akzeptieren den Beschluss. Das war ein demokratischer Prozess.“

• Die Kehdinger Jörg Oldenburg, Jörg Sabolewski und Marlies Bleicher-von Stemm werden künftig im 16-köpfigen Kontrollgremium der OVB sitzen.