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Angeklagter vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs Schutzbefohlener freigesprochen

bim. Tostedt. Tränen bei der Nebenklägerin, Erleichterung beim Angeklagten: Vor dem Schöffengericht Tostedt endete jüngst das Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs Schutzbefohlener gegen einen 37-Jährigen mit einem Freispruch. Trotz einer umfassenden Beweisaufnahme mit mehreren Zeugenvernehmungen konnte letztlich nicht zweifelsfrei geklärt werden, ob die Vorwürfe zutreffen oder nicht. Nachdem Aussage gegen Aussage stand, entschied das Gericht unter Vorsitz von Richter Christoph Haak im Zweifel für den Angeklagten.
Er soll im Sommer 2011 seiner damals 16-jährigen Stieftochter in der gemeinsamen Wohnung in der Samtgemeinde Hollenstedt unter die Dusche gefolgt sein, sie gegen ihren Willen geküsst und den Geschlechtsakt mit ihr vollzogen haben, so die Anklage.
Die inzwischen 21-jährige Stieftochter hatte den von ihr geschilderten Übergriff erst Anfang vergangenen Jahres angezeigt. Nach all den Jahren fiel es den Beteiligten schwer, sich an die exakte Chronologie zu erinnern.
Sie sei an dem Tat-Tag etwas angetrunken morgens von einer Feier nach Hause gekommen und habe sich vor dem Zubettgehen noch frisch machen wollen. Ihr Stiefvater sei ihr nackt und erregt in die Dusche gefolgt, habe sie geküsst, sie umgedreht, ihr rechtes Bein auf die Ablage gestellt und den Geschlechtsakt mit ihr vollzogen. "Ich war schockiert und wie gelähmt", erklärte die Nebenklägerin. Sie habe sich gefragt, warum so etwas passiere, wo sie sich doch gut verstanden hätten. "Ich habe mit so etwas nicht gerechnet, hätte ihm das auch nicht zugetraut", sagte sie.
Zuvor bereits habe der 37-Jährige ihr SMS geschickt mit dem Inhalt: "Lust zu duschen? Mama ist nicht da, kriegt das nicht mit."
Über den Übergriff habe sie aber weder mit ihrer Mutter noch mit Freundinnen gesprochen und sich erst Jahre später ihrer Mutter offenbart, die ihr zur Anzeige riet.
Auf mehrere Detailfragen des Verteidigers des Angeklagten antwortete die 21-Jährige mit: "Weiß ich nicht mehr". Auch warf er ihr widersprüchliche Angaben bei der Polizei und vor Gericht vor.
Der Angeklagte wollte sich im Verfahren nicht äußern. Laut der Aussage einer Polizeikommissarin habe er seiner Frau gegenüber erklärt, dass die Vorwürfe nicht stimmen. Die SMS habe er gestanden, könne sich aber nicht an Hintergründe erinnern.
Für die Schwester der 21-Jährigen und ihre inzwischen von dem 37-Jährigen getrennt lebende Mutter passte nicht zusammen, dass die Nebenklägerin ihren Stiefvater nach der Tat teilweise wieder herzlich umarmt habe.
Das sah auch das Schöffengericht so. "Würde der Vorwurf zutreffen, müsste man erwarten, dass die Nebenklägerin körperlichen Kontakt vermeidet", sagte Richter Haak. Auch würden unterschiedliche Aussagen zu Art und Dauer des Tatgeschehens keine gravierende Verurteilung stützen, so Haak.