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Dreimal wurden über 80-Jährige bei Straßenüberquerungen getötet / Polizei stellte Verkehrsunfallstatistik 2015 vor

Stellten die Statistik und Präventionsarbeit vor (v. li.): Dirk Poppinga, Wilfried Reinke, Frank Waldhaus und Lothar Reinhard
(bim). Im vergangenen Jahr nahmen die Polizeibeamten im Landkreis Harburg im Schnitt alle 90 Minuten einen Verkehrsunfall auf - 6.287 waren es insgesamt und damit 354 mehr als 2014, so Wilfried Reinke, Einsatzleiter der Polizeiinspektion Harburg. Dabei starben zwölf Menschen im Straßenverkehr. Reinke stellte die Verkehrsunfallstatistik 2015 jetzt gemeinsam mit Lothar Reinhard, dem scheidenden Sachbearbeiter Verkehr, dessen Nachfolger Frank Waldhaus und Verkehrssicherheitsberater Dirk Poppinga vor.
Den wesentlichen Anteil machen mit 78 Prozent die Bagatellunfälle - also Unfälle mit Blechschäden - aus. Sorgen bereiten den Beamten natürlich die Unfälle, bei denen Menschen zu Schaden kamen. Bei den Unfällen mit Leicht- und Schwerverletzten gab es im Vergleich zum Vorjahr einen leichten Anstieg. Es ereigneten sich 780 Unfälle mit 1.085 Leichtverletzten (197 auf Autobahnen, 308 außerhalb und 580 innerhalb geschlossener Ortschaften) und 136 Unfälle mit 157 Schwerverletzten (27 auf Autobahnen, 60 außerhalb und 70 innerhalb von Ortschaften). Als schwerverletzt gilt, wer 24 Stunden oder länger im Krankenhaus behandelt wird.
Zwölf Menschen wurden im Straßenverkehr getötet. Während diese Zahlen auf den Landstraßen 2015 mit drei Personen (2013 und 2014 jeweils sieben) rückläufig war, starben fünf Menschen nach Unfällen auf Autobahnen (2013: 2, 2014: 1) und vier innerorts (2013: 0, 2014: 1). „Es gab noch nie so viele tödliche Verkehrsunfälle mit Fußgängern innerorts“, so Lothar Reinhard. Dreimal - zweimal in Winsen und einmal in Buchholz - habe es sich um über 80-jährige Fußgänger gehandelt, die die Straße nicht mal 50 Meter von Ampeln entfernt überquert hätten.
Ein Fußgänger wurde auf der A7 von einem Pkw erfasst und starb.
Von den fünf auf Autobahnen Getöteten seien drei Lkw-Fahrer gewesen, die nahezu ungebremst auf Stau-Enden auffuhren, davon zwei im Baustellenbereich.
Als Hauptursache folgenschwerer Unfälle nannte Lothar Reinhard überhöhte Geschwindigkeit. Statistisch gesehen führe zwar häufiger mangelnder Abstand zu Unfällen, doch seien dabei z.B. auch leichte Auffahrunfälle erfasst, so Reinhard. Weitere Ursachen seien u.a. Vorfahrtsmissachtungen, Abbiegefehler, Alkohol und zu einem geringen Anteil Betäubungsmittelbeeinflussung. Wobei Letztere schwer festzustellen sei, da auch manche Unfallbeteiligte fahrig wirkten oder Wechselwirkungen von Medikamenten unterschätzt würden. Nicht berücksichtigt, weil meist nicht zu klären, sind die Unfälle, in denen die Fahrer durch Handy- oder Smartphone-Nutzung abgelenkt wurden.

Maßnahmen der Präventionsarbeit

Als Risikogruppen gelten junge Fahrer zwischen 18 und 24 Jahren sowie Senioren. Insbesondere hier setzt die Präventionsarbeit von Polizei und Verkehrswacht an. Dazu gehören u.a. das Fahrschulprojekt, bei dem Streifenpolizisten oder Angehörige von Unfallopfern in Fahrschulen gehen und aus eigenen Erfahrungen berichten, oder das Schutzengelprojekt, bei dem junge Frauen für verantwortungsbewusstes Fahrverhalten eintreten, wenn Altersgenossen ihr fahrerisches Können überschätzen oder sich alkoholisiert hinter das Lenkrad setzen wollen. Für Senioren gibt es „Sicher im Auto“. Dabei gibt es eine theoretische Einweisung und eine Beobachtungsfahrt mit Fahrschullehrer und drei weiteren Senioren, die gegenseitig das Fahrverhalten kritisch hinterfragen.