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Gerichtsverhandlung nach dem Massen-Drogenrausch beginnt

bim. Stade. Nach dem Massenrausch von Heilpraktikern, Ärzten und Homöopathen in Handeloh (Landkreis Harburg) muss sich am morgigen Donnerstag, 2. November, um 9.15 Uhr vor der 2. Großen Strafkammer des Landgerichts Stade nach über zwei Jahren der 52-jährige Seminarleiter wegen des "Besitzes und Überlassens von Betäubungsmitteln zum unmittelbaren Verbrauch" verantworten. Die Kammer hat zunächst drei Verhandlungstage - am 2. und 22. November und 6. Dezember - jeweils um 9.15 Uhr anberaumt.
Im Zeugenstand muss dann auch Stefka Weiland, Geschäftsführerin des Tagungshauses "Tanzheimat Inzmühlen", aussagen. Sie hatte die 27 u.a. an Krampfanfällen, Atemnot und Halluzinationen leidenden Seminarteilnehmer entdeckt, die Rettungskräfte alarmiert und ihnen so womöglich das Leben gerettet. Und das war großes Glück, denn die Tanztherapeutin war eigentlich auf dem Weg nach Bremen, um dort ein Seminar zu geben, und war kurz nochmal ins Büro in der "Tanzheimat" in Handeloh-Inzmühlen zurückgekehrt.
Dieses "Unglück", wie sie es nennt, habe sie verdrängt. Sie habe noch lange danach Albträume von dem Anblick der schreienden und sich vor Schmerzen auf dem Boden krümmenden Menschen gehabt. Zudem sei das Tagungszentrum von dem Großeinsatz mit mehr als 160 Rettern, u.a. der Schwingboden im Bewegungsraum der früheren Rauchkate und das Gelände durch das Befahren mit schweren Fahrzeugen, in Mitleidenschaft gezogen worden, berichtet Stefka Weiland.
Trotz allem hätten sich der Seminarleiter und seine Frau bis heute mit keinem Wort persönlich bei ihr für den Vorfall entschuldigt, sagt sie auf WOCHENBLATT-Nachfrage. "Sie haben nur einmal nach dem Unglück über ihren Anwalt mitteilen lassen, dass sie die Kosten für die Sachschäden begleichen werden und auch über ihren Anwalt ihr Bedauern ausgedrückt", sagt Stefka Weiland.
Auch von den Seminarteilnehmern habe sie nichts mehr gehört. "Unmittelbar nach dem unglücklichen Vorfall haben sich drei Teilnehmer bei mir bedankt, dass ich ihnen das Leben gerettet habe, als sie aus dem Krankenhaus kamen und ihre Sachen abholten", berichtet die Geschäftsführerin des Tagungszentrums.
Bis auf den seelischen und die teilweise materiellen Schaden verfolgt sie der Massenrausch auch in anderer Hinsicht bis heute. "Wenn man uns über das Internet sucht, werden wir immer damit in Verbindung gebracht. Ich wurde sogar in Brasilien, wo ich oft mit Therapeuten und Psychologen im Tanz zusammenarbeite, darauf angesprochen. Durch die bundesweite und teilweise falsche Berichterstattung, in der unterschiedliche Dinge über die 'Tanzheimat' vermischt wurden, hat man uns einen Stempel aufgedrückt", sagt sie. Sie arbeite mit Menschen, die Spaß am Tanzen haben, und vermiete das Tagungszentrum an Gruppen für Seminare und müsse nun dauernd klarstellen, dass sie und ihre Kolleginnen nichts mit Drogen zu tun haben. 
Morgen nun wird Stefka Weiland dem Seminarleiter des Massenrauschs im Gericht als Zeugin gegenübertreten. Wenn demnächst ein Urteil gefällt wird, hofft sie, mit dem Thema endlich abschließen zu können.