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Kinderschänder kommt mit Freiheitsstrafe auf Bewährung davon

bim. Tostedt. Glimpflich ging jetzt der Prozess gegen einen 59-jährigen Schweden vor dem Schöffengericht Tostedt aus, der wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern angeklagt war. Er wurde zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten - für drei Jahre ausgesetzt zur Bewährung - verurteilt. Als Schadensersatz soll er seinem Opfer 2.500 Euro in Raten zahlen und darf nie wieder Kontakt zu der inzwischen 29-Jährigen aufnehmen.
Dem 59-Jährigen wurde zur Last gelegt, seine damals in Neu Wulmstorf lebende Nichte zwischen Januar 1995 und Juni 2000 in mindestens drei Fällen sexuell missbraucht zu haben. Beim ersten Übergriff war das Mädchen gerade mal neun Jahre alt.
Der Angeklagte, selbst Vater zweier Kinder, war mit seiner Familie zwischen 1992 und 2007 regelmäßig bei den Verwandten in Deutschland zu Besuch. Einmal habe er sich auf die Schlafcouch neben das Mädchen gelegt, sie u.a. am ganzen Körper berührt und geküsst und sei auch mit dem Finger in ihre Scheide eingedrungen. Zwei weitere Male habe er die damals unter 14-Jährige im Intimbereich berührt.
Über seinen Anwalt ließ der 59-Jährige erklären, dass er die Vorwürfe einräumt bis auf die Penetration, die aus seiner Erinnerung heraus so nicht stattgefunden habe. Die geschilderten Vorwürfe täten ihm leid. Die Situationen seien nicht - wie zuvor behauptet - aufgrund von Provokationen oder Mitwirken der Nebenklägerin entstanden. Sie sei eindeutig das Opfer.
Der als Zeuge gehörte Psychiater Lars Benecke, bei dem die Geschädigte in Behandlung war, bescheinigte ihr eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung mit Suizidgefährdung, Selbstwertzweifeln und einer ausgeprägten Ess-Störung sowie Selbstverletzungstendenzen, um sich von den schlimmen Gefühlen und dem Wiedererleben abzulenken.
Er gab auf Nachfragen von Richter Christoph Haak auch Einblicke in die Psyche von Opfern sexuellen Missbrauchs. Das Trauma sei jeweils umso schwerer, wenn die Übergriffe von Schutz- oder Bezugspersonen ausgingen und noch vor der Pubertät stattfinden würden. Das Sicherheitsgefühl der Opfer werde tief und wiederholt verletzt, was Auswirkungen auf die Stabilitätsentwicklung habe. Sie würden Schuldgefühle entwickeln als Versuch, dem Ohnmachtsgefühl zu entkommen. Lebensbeeinflussende Störungen wie bei der 29-jährigen Nebenklägerin würden die Opfer das ganze Leben begleiten. Sie könnten über eine Traumatherapie nur lernen, besser damit umzugehen.
Über das Strafmaß hatten sich der Staatsanwalt, der Verteidiger und die Nebenklage-Vertreterin in einem Gespräch verständigt und dem Opfer so die Aussage erspart.
Normalerweise hätte der 59-Jährige keine Bewährung erwarten dürfen. Doch er zeigte sich geständig, war weder zuvor noch danach strafrechtlich in Erscheinung getreten. Auch gebe es hier den Sonderfall, dass die Taten so lange zurückliegen, so Richter Christoph Haak.
Eine straf- und zivilrechtliche Verfolgung so weit zurückliegender Taten ist erst durch Gesetzesänderungen aus dem Jahr 2013 möglich, nach denen die Verjährungsfrist erhöht wurde, weil Opfer mit posttraumatischen Störungen solche Übergriffe häufig verdrängen. Und das Ruhen von Verjährungsfristen geschieht vor dem Hintergrund, dass die Täter meist aus der Familie oder dem sozialen Umfeld des Opfers kommen.