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Windrad in Neu Wulmstorf knickt um

Eines der drei Windräder in Neu Wulmstorf ist umgeknickt (Foto: Mineur/Stadtreinigung Hamburg)
 
Die Bolzen der Rohrverschraubung des Windrades sollen gerissen sein (Foto: Mineur/Stadtreinigung Hamburg)
bim. Neu Wulmstorf. Ein fast 100 Meter hohes Windrad ist am Dienstag in Neu Wulmstorf umgeknickt. Verletzt wurde niemand. Es sollen die Bolzen der Rohrverschraubung gerissen sein. Warum das passierte, ist noch unklar. Die Anlage auf dem Gelände einer früheren Hausmülldeponie, die von der Stadtreinigung Hamburg betrieben wird, wurde vom Netz genommen.
„Es bestand und besteht keine Gefahr für Menschen. Die ehemalige Deponie ist für die Öffentlichkeit vor und nach dem Zwischenfall nicht zugänglich. Nach dem Windrad-Sturz haben wir von EWE den Strom abstellen lassen. Die beiden anderen Windkraftanlagen wurden gestoppt“, sagt Unternehmenssprecher Reinhard Fiedler.
Die Anlage mit einer Leistung von 600 KW wurde im Jahr 2001 gebaut. Alle drei Monate fänden im Wechsel Inspektion und Wartung statt - also vier Prüftermine im Jahr-, dazu alle zwei Jahre eine große Inspektion durch einen externen Gutachter, die regulär nur alle vier Jahre vorgeschrieben sei. „Alle Termine haben stattgefunden, ohne dass es Hinweise auf bestehende Bruchgefahren gab“, so Fiedler.
Wie hoch der Schaden ist, lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschätzen. „Zum Schaden am Windrad kommt auch noch der Einnahmeausfall, weil alle drei Windräder zurzeit stehen und kein Strom erzeugt und eingespeist werden kann. Es dürften aber mehrere 100.000 Euro sein“, erklärt Fiedler.
Wann die Anlage wieder aufgebaut werden soll, steht noch nicht fest. „Damit haben wir uns zum jetzigen Zeitpunkt nicht befasst. An der Sinnhaftigkeit der Nutzung einer Alt-Deponie als geeigneter Standort von Windkraftanlagen ändert der Vorfall jedoch nichts“, betont der Stadtreinigungssprecher.
Ob ein Materialfehler für das Umknicken verantwortlich war, darüber will Reinhard Fiedler nicht spekulieren. Allerdings: Hersteller des Neu Wulmstorfer Windrades vom Typ DE4/600 ist die Firma DeWind. Zwei weitere von DeWind hergestellte Anlagen vom Typ DE 48/600 knickten 2014 im brandenburgischen Elbe-Elter-Kreis und Mitte Dezember 2016 in Grischow (Mecklenburg-Vorpommern) um.

• Für die Menschen im Landkreis Harburg werden Erinnerungen wach: Kurz vor Weihnachten 2013 war das Rotorblatt einer Windenergieanlage in Dohren (Samtgemeinde Tostedt) nur ca. 500 Meter von einem gern von Spaziergängern genutzten Weg entfernt abgestürzt. Die Betreiberfirma „Repower Systems“ hüllte sich damals über Ursache und Schadenshöhe in Schweigen - im Gegensatz zur Stadtreinigung Hamburg, die offen mit dem Vorfall umgeht.

Repowering am derzeitigen Standort nicht möglich

tk. Neu Wulmstorf. Das 94 Meter hohe Windrad ist am Dienstag gegen 11 Uhr umgeknickt, wie ein dürres Stäbchen aus Holz. Insgesamt stehen noch zwei Windräder, ein Blockheizkraftwerk sowie eine Photovoltaikanlage auf dem Areal im Neu Wulmstorfer Süden gegenüber dem Sportzentrum Bassental, das sich im Besitz der Stadtreinigung Hamburg befindet. Die hatte dort bis 1986 eine Hausmülldeponie betrieben.
Auch wenn das Gelände der Stadtreinigung gehört, ihre Möglichkeiten, nach dem Unglück neue, leistungsstärkere Anlagen zu errichten, haben kaum eine Chance. Hintergrund: Die 2001 gebauten Windräder sind im Vergleich zu modernen Anlagen klein und wenig leistungsfähig.
Viele Windparkbetreiber planen daher bei alten Anlagen ein sogenanntes Repowering. Das heißt, die alten Spargel werden abgebaut und durch neue - bis zu 200 Meter hohe - Windräder ersetzt. Genau das wird an diesem Standort aber nicht möglich sein.
Die Gemeinde Neu Wulmstorf hatte im Rahmen der Aufstellung des Regionalen Raumordnungsprogramms (RROP) dafür gesorgt, dass das Gelände der Stadtreinigung kein Repowering-Standort wird. Der Landkreis Harburg, der das RROP beschließt, hatte dem Neu Wulmstorfer Wunsch zugestimmt.