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Altes Kötnerhaus in Otter wird zum Museum

Barbara Klages vor dem Kötnerhaus von 1571
 
Blick auf den Treppenspeicher, der ebenfalls zum Reetdach-Ensemble gehört
bim. Otter. Eine Klön-Tür, Moorschuhe für Pferde oder ein Brotbrett - all das und vieles mehr ist in der Hauptstraße 16 in Otter zu bestaunen. Barbara Klages (72) wohnt dort inmitten eines idyllischen Reetdachhaus-Ensembles. Das Haupthaus wurde bereits 1571 erbaut und ist mit all seinen Exponaten ein echtes Museum. Ab Mai will sie es einmal monatlich für Besucher öffnen und ihnen Wissenswertes über frühere Zeiten näherbringen.
Barbara Klages und ihr 2007 verstorbener Ehemann Dr. Ulrich Klages, der in der Interessengemeinschaft Bauernhaus aktiv war und vielfach alte Häuser vor dem Abriss bewahrte, erwarben das geschichtsträchtige Reetdachhaus, ein Zweiständerhaus, 1973 und bauten ein Jahr später dort ihr Wohnhaus samt Zwischentrakt an. Kurios: "Wir wollten auf dem 3.600 Quadratmeter-Grundstück eigentlich ein zweites Reetdachhaus bauen. Doch das damalige Bauamt in Buchholz lehnte das mit der Begründung ab, dass wegen Feuergefahr zwischen zwei reetgedeckten Häusern 13 Meter Abstand einzuhalten seien", erzählt Barbara Klages. Gegen den Anbau habe es hingegen keine Bedenken gegeben.
Das Ehepaar begann in den Folgejahren mit einigen Veränderungen in dem früheren Kötnerhaus. Unter anderen wurden Trennwände zwischen Stallung und Küche entfernt, eine Feuerstelle wie im 15. Jahrhundert eingerichtet und ein Ofen aufgebaut.
Auf der Diele wurde früher gedroschen. Nebenan fanden zwei Kühe oder Ochsen Platz. Dort, wo inzwischen ein Bad ist, war früher der Hühnerstall. Üblich war es, zwischen den Stuben der jungen und alten Bauern die Speisekammer zu haben. "Dafür hatte nur die Frau den Schlüssel", schmunzelt Barbara Klages.
In dem Reetdachhaus gibt es wirklich allerlei zu entdecken: alles, was zum Weben und Spinnen, zum Papiermachen oder Schuhereparieren gebraucht wird. Dazu zwei original eingerichtete Stuben samt Geschirr und Wäsche. "Alles, was drin ist, haben wir vom Sperrmüll, aus Schuttkuhlen und von Bauern zusammengetragen. Die Leute könnten wieder auferstehen und es wäre alles noch da", so Barbara Klages.
Auch interessant: Die Glut von der Feuerstelle wurde in den Öfen der Stuben zum Heizen weiterverwendet. Mit der Glut halfen sich die Nachbarn zur Not auch gegenseitig aus, denn Steichhölzer waren viel zu teuer.
Führungen durch das historische Haus bietet Barbara Klages von Mai bis September jeweils am ersten Sonntag im Monat zwischen 13 und 17 Uhr nach vorheriger Anmeldung an unter Tel. 04182-8718. Zu dem Häuser-Ensemble gehören weiterhin ein Backhaus, ein Schafstall, ein Treppenspeicher und eine Durchfahrtscheune.

Zur Historie des Hauses

Von der Geschichte des Kötnerhauses berichtet Barbara Klages: "Das Kötnerhaus gehörte dem Herzog von Braunschweig als Lehnshaus." Der Herzog habe es jedoch vorgezogen, ein Gartengrundstück der Bötersheimer in Harburg er besiedeln. Der erste Bewohner des Lehnshauses sei ein Martin Dammann gewesen, weshalb das Haus auch "Mattens Huus" genannt wurde. Dessen Familie starb im 30-Jährigen Krieg. Bis zum 19. Jahrhundert lebte eine Familie Wiechern dort. "1884 zog dort ein Heitmann als erster selbstständige Bauer dort ein", so Barbara Klages. 1939 erwarb Dora Horstmann aus Otter das Haus. "Bis 1959 war es das letzte Rauchhaus in Otter. Alle Otteraner brachten dorthin ihre Schinken und Würste zum scharfen Anräuchern und Lufttrocknen", sagt Barbara Klages.