Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Angst vor Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland

Ein an Schweinepest erkranktes Wildschwein (Foto: Friedrich-Loeffler-Institut)
 
Mit Flyern in sechs Sprachen, auf dem auch dieses "Warnschild" abgedruckt ist, macht das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft darauf aufmerksam, Speisereste nur in verschlossene Müllbehälter zu werfen (Foto: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft)
(bim). Die Afrikanische Schweinepest (ASP), eine Viruserkrankung, die ausschließlich Haus- und Wildschweine betrifft, nähert sich Deutschland. Die Bezeichnung „Pest“ löst dabei - historisch bedingt - bei Verbrauchern Verunsicherung bis Panik aus, obwohl die ASP nicht auf den Menschen übertragbar ist. Dennoch drohen bei einem Ausbruch der ASP in Deutschland nicht nur heimischen Hausschweinehaltern finanzielle Einbußen, sondern es könnte ein volkswirtschaftlicher Schaden in Milliardenhöhe entstehen, weiß Helmut Dammann-Tamke, Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen. Eine Abfuhr erteilt er indes der Forderung des Deutschen Bauernverbandes, der als Präventionsmaßnahme den Abschuss von 70 Prozent aller Wildschweine gefordert hat, weil Wildschweine Träger und Überträger sind und die hohe Wildschweindichte in Deutschland die Ausbreitung des ASP-Virus begünstigt. „„Die gewünschte Abschuss-Quote ist utopisch“, sagt der erfahrene Waidmann.
Ohne Jagd haben Wildschweine eine jährliche Vermehrungsrate von 280 bis 350 Prozent. „Wir tun unser Bestes. Aber angesichts dieses Reproduktionspotentials ist es illusorisch zu glauben, durch tierschutzgerechte Jagd auf diese Grenze zu kommen“, erklärt Dammann-Tamke.
Im Jagdjahr vom 1. April 2016 bis 31. März 2017 wurden niedersachsenweit rund 56.000 Wildschweine erlegt. Im Jahr zuvor waren es 44.936 Tiere, davon 1.209 im Landkreis Harburg und 198 im Landkreis Stade.
Was die Jagd angehe, sei das Land zweigeteilt in den westlichen Bereich, u.a. mit Ostfriesland, der Wesermarsch und dem Emsland, und den östlichen Bereich, u.a. mit der Lüneburger Heide, dem Harz und dem Deister mit hohem Waldanteil und guten Versteckmöglichkeiten. Im Osten sei es illusorisch, die Tiere bis zur „magischen Grenze“ - ein Wildschwein auf 200 Hektar, um ein Fortschreiten der Afrikanischen Schweinepest zu verhindern - zu reduzieren.
„Das Phänomen der europaweit wachsenden Bestände sind die milden Winter und die hochenergiereiche Nahrung in der Agrarkulturlandschaft“, sagt Dammann-Tamke. So sei der „Tisch“ für den Allesfresser Wildschwein in Wald und Feld das ganze Jahr über reich gedeckt - u.a. von der Rapsblüte im April bis zur letzten Maisernte Mitte November. Auch fänden Wildschweine in den Feldern entsprechende Deckung.
Wenn die Landwirtschaft eine solche Forderung wie den Abschuss von 70 Prozent aller Wildschweine stelle, müsse sie auch die Bedingungen schaffen - wie vor rund sieben Jahren bei einem Modellversuch des Deutschen Jagdverbandes mit sogenannten Bejagungsschneisen. In diesen wurde statt Mais z.B. Klee gepflanzt, wodurch die Jäger die Wildschweine besser sehen und schießen konnten.
Ansonsten sei das wichtigste Instrument zur Reduzierung eine großflächig angelegte, revierübergreifende Drückjagd, bei der auf mehreren Tausend Hektar Jäger und Hundeführer zeitgleich und flächendeckend die Tiere „auf die Läufe bringen“, um sie so vor die Büchse zu bekommen und bei optimalem Verlauf eine ganze Rotte zu erlegen.
Die eigentliche Achillesferse bei der Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest sei ohnehin der Mensch, sagt Dammann-Tamke.
Die ASP wird über Körperflüssigkeiten wie Speichel, Blut und Schweiß direkt von Tier zu Tier übertragen. Aber auch über nicht abgekochte Wurstwaren. Schon ein unachtsam entsorgtes Wurstbrötchen kann ausreichen, um die Seuche einzuschleppen.
Seit einigen Jahren nähere sich der ASP-Virus in der Wildschweinpopulation jährlich um 30 bis 50 Kilometer, berichtet Dammann-Tamke. Im letzten Spätsommer sei er plötzlich bis an die tschechisch-österreichische Grenze „gesprungen“ und seit Mitte November von Ost-Polen bis Warschau  - also um 100 bis 300 Kilometer. Dafür seien keine Wildschweine, sondern Transitreisende, insbesondere Lkw-Fahrer, die zwischen Polen und den baltischen Staaten und Deutschland unterwegs sind, verantwortlich.
Zur Prävention müssten somit vielmehr an allen Rastplätzen regelmäßig die Müllbehälter geleert werden und diese so beschaffen sein, dass nach Nahrung suchende Wildschweine sie nicht umstoßen oder an deren Inhalt gelangen können, so Dammann-Tamke.
Auch das Bundeslandwirtschaftsministerium wirbt inzwischen auf Autobahnraststätten mit Flyern in sechs Sprachen bei Reisenden dafür, Speisereste nur in verschlossene Müllbehälter zu werfen.
Sollte es zum ASP-Ausbruch in Deutschland kommen, darf kein Schweinefleisch mehr außerhalb der EU exportiert werden. Der Bauernverband schätzt die Verluste für die Schweinehalter auf zwei bis drei Milliarden Euro pro Jahr und Folgekosten für die vor- und nachgelagerten Bereiche.

Ausbreitung über Lebensmittel

Das Virus der Afrikanischen Schweinepest ist außerordentlich widerstandsfähig. Nicht nur frisches, sondern auch gefrorenes, gepökeltes oder geräuchertes Fleisch sowie Wurstwaren können für Haus- und Wildschweine über lange Zeit infektiös sein. Um ein Einschleppen von Tierseuchen (also nicht nur ASP) zu vermeiden, ist das Mitbringen von Fleisch, Fleischerzeugnissen und Milch aus Nicht-EU-Ländern (Drittländern) untersagt. In jedem Fall sollten Reisende dafür sorgen, dass Essensreste nur in fest verschlossenen Müllbehältern entsorgt werden. (Quelle: Bundeslandwirtschaftsministerium). Weitere Infos unter www.bmel.de.


Lesen Sie auch "Reduzierung der Wildschweinpopulation reicht nicht aus"