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Bahnhofsfahrstuhl in Tostedt ist seit zwei Monaten defekt

Tostedts Samtgemeinde-Bürgermeister Dr. Peter Dörsam (li.) und Jürgen Lürtzing vom Ordnungsamt an dem seit Monaten defekten Fahrstuhl
 
"Ein Techniker wurde verständigt" - das auf den Aufkleber geschriebene "Nein!?" beweist, dass die Tostedter Bahnkunden kein Vertrauen in diese Aussage haben
bim. Tostedt. Eine junge Mutter wuchtet ihren schweren Kinderwagen am Tostedter Bahnhof 30 steile Stufen hoch und ebenso viele wieder herunter, um auf den mittleren Bahnsteig zu gelangen. Als man ihr helfen will, sagt sie: „Nicht nötig, ich bin das schon gewohnt.“ Eine erschreckende Aussage, denn die junge Frau meint damit die Tatsache, dass Bahnreisende mit Kinderwagen, Rollator oder Rollstuhl ohne hilfsbereite Menschen auf sich gestellt sind, wenn die Fahrstühle mal wieder defekt sind. Der Fahrstuhl zu Gleis drei und vier am Tostedter Bahnhof ist - so berichten WOCHENBLATT-Leser - seit rund zwei Monaten defekt. „Das ist nicht mehr zu tolerieren“, sind sich Samtgemeinde-Bürgermeister Dr. Peter Dörsam und Jürgen Lürtzing vom Ordnungsamt einig.
„Wenn man nicht in den Aufzug hineinkommt, kann man zumindest nicht steckenbleiben“, sagt Peter Dörsam, der inzwischen einen bitteren, schwarzen Humor entwickelt hat, weil die Bahn sich nicht um eine nachhaltige Lösung bei den Fahrstuhl-Defekten kümmert. Denn bei den häufigen Ausfällen ist es im Sommer auch schon vorgekommen, dass im steckengebliebenen Aufzug Menschen in Lebensgefahr gerieten, weil die Techniker eine mehr als einstündige Anfahrt hatten und die Eingeschlossenen dehydrierten. In diesen Fällen musste jedes Mal die - wohlgemerkt freiwillige - Feuerwehr die Eingeschlossenen retten, wurde also sozusagen unfreiwillig zum Handlanger der Bahn.
„Die Unzuverlässigkeit der Fahrstühle deckt sich mit der beim Winterdienst. Da gibt es auch regelmäßig Beschwerden“, berichtet Jürgen Lürtzing. Ihm klagte gerade eine auf den Rollator angewiesene Frau ihr Leid, weil sie ohne den Fahrstuhl die Bahn nicht nutzen und sich ein Taxi nach Buchholz nicht leisten kann.
Bürgermeister Dörsam berichtete, er habe mit den Zuständigen der Bahn gesprochen. „Seit Oktober soll es deutschlandweit viele Verbesserungen geben, um die Fahrstuhl-Ausfälle zu reduzieren. Das ist an Tostedt leider vorbeigegangen.“ Denn Qualitätsziel der Bahn sei es, in Ballungszentren eine Fahrstuhl-Verfügbarkeit von 97 Prozent und in der Fläche von 95 Prozent zu gewährleisten. Zumindest hatte Peter Dörsam aber auch erfahren, dass noch in diesem Jahr wohl die Technik der Tostedter Fahrstühle nicht mehr nur repariert, sondern ausgetauscht bzw. erneuert werden soll. „Das ist bei der hiesigen Ausfallrate, die es seit Inbetriebnahme im Jahr 2007 gibt, absolut überfällig“, so Dörsam.
Ebenso ärgerlich ist die mangelnde Information der Fahrgäste über Fahrstuhl-Defekte. „Wenn der Aufzug auf dem mittleren Gleis ausfällt, ist es noch dramatischer. Wer mit Gehbehinderung dort festsitzt, kommt ohne Hilfe nicht mehr weg“, so Jürgen Lürtzing.
Die DB Station & Service-AG kündigt nun auf ihrer Homepage an, 1.000 Bahnhöfe mit einer Fernüberwachung auszurüsten und den „Ausbau Digitalisierung im Anlagenmanagement“ (ADAM) voran zu bringen, um künftig Reisende frühzeitig über Ausfälle und Störungen von Aufzügen und Rolltreppen zu informieren. Allerdings fallen 5.400 Personenbahnhöfe in die Verantwortung der Bahn. Da werden Tostedt und Buchholz als eher kleine Bahnhöfe wohl mal wieder buchstäblich auf der Strecke bleiben.
Was den aktuellen Ausfall betrifft, seien die Ersatzteile bestellt, war Dörsam mitgeteilt worden. Seit gestern sollte der Aufzug wieder einsatzbereit sein. „Wir werden bei dem Thema auf alle Fälle am Ball bleiben“, verspricht er.