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Der neue Erixx-Fahrplan verärgert Nutzer des "Heide-Sprinters"

Matthias Stötzel ist genervt vom neuen Erixx-Fahrplan, wegen dem er täglich eine Stunde länger unterwegs ist
  bim. Handeloh. Matthias Stötzel, Professor an der Hochschule für Musik und Theater, ist genervt: Seit der neue Fahrplan des sogenannten "Heide-Sprinters" Erixx in Kraft ist, dauert sein Weg von Handeloh zur bzw. von der Arbeit in Hamburg länger, wodurch er täglich eine Stunde Zeit verliere. "Bisher hatte ich eine super Anbindung, als der Erixx zur vollen Stunde fuhr. Durch die Verlegung der Abfahrtszeiten um eine halbe Stunde muss ich am Buchholzer Bahnhof nun länger warten und bekomme nur den langsameren Metronom über Klecken und Maschen", erläutert er.
"Eine Stunde am Tag hört sich nicht viel an, aber es summiert sich", so Matthias Stötzel. Noch fataler findet er aber, dass wegen der Verschlechterung durch den neuen Fahrplan mehr Menschen wieder aufs Auto umsteigen könnten. "Ich bin ein Fan des öffentlichen Personennahverkehrs, aber seitdem es den neuen Fahrplan gibt, fahre ich nur noch halb so oft mit dem Zug, weil ich als Kunde nun nur ein Angebot bekomme, das für mich nicht funktioniert."
Auch mit dem Fahrrad zum Bahnhof in Buchholz zu fahren, scheide aus. "Ich wollte in Buchholz einen sicheren Fahrradstellplatz in einer Box haben. Aber da bin ich der 184. auf der Warteliste."
Matthias Stötzel ist nicht der einzige Heidebahn-Kunde, der sich über die Fahrplanänderung ärgert. Der neue Fahrplan sei bei zahlreichen Fahrgästen des Streckenabschnitts Soltau - Buchholz auf Unmut gestoßen, berichten Klaus Steinfatt und Dierk Lawrenz vom Fahrgastbeirat des Landkreises Harburg, weil es Fahrplan-Verbesserungen nur für die Fahrgäste Richtung Hannover gibt. Dabei habe die Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) im Jahr 2005 selbst klar als Ziel formuliert, für optimale Anschlüsse in Buchholz an den Metronom Richtung Hamburg sorgen zu wollen.
In einem Positionspapier des Fahrgastbeirates schreibt Dierk Lawrenz: "Ein zentrales Ziel des Millionen Euro teuren Ausbaus der Heidebahn hätte also sein müssen, nicht nur die Fahrzeiten nach Hannover zu verkürzen, sondern auch attraktive Reisezeiten nach Hamburg zu schaffen. Das war ursprünglich auch vorgesehen. Die bevorzugte Ausrichtung der LNVG-Planung auf den Südabschnitt und den Raum Hannover durch Direktverbindungen und optimierte Fahrzeiten bis Hannover Hauptbahnhof wird weder den Verkehrsströmen im Nordabschnitt der Heidebahn noch der Verantwortung der LNVG für das gesamte Land Niedersachsen gerecht."
Die Heidebahn drohe zum Verkehrsmittel für Zwangskunden - Alte, Arbeitslose, Auszubildende - degradiert zu werden. Wer die Möglichkeit hat, werde mit dem privaten Pkw aus der Heide zukünftig die P&R-Parkplätze in Tostedt, Sprötze, Buchholz und ggf. Klecken (günstiger HVV-Großbereichstarif) ansteuern, um von dort direkt mit einem Metronom in Richtung Hamburg zu fahren. Etliche Heidebahn-Fahrgäste aus dem Raum Holm-Seppensen und Suerhop würden auf die Stadtbuslinien ausweichen.
Klaus Steinfatt sagt dazu: "Da kaum damit zu rechnen ist, dass die LNVG am neuen Grundmuster des Heidebahn-Fahrplans etwas ändern wird, fordert der Fahrgastbeirat Direktzüge aus der Heide bis Hamburg-Harburg und perspektivisch bis Hamburg Hauptbahnhof. Dies soll die Nachteile des neuen Fahrplans zumindest teilweise ausgleichen. Unsere Forderung wird unterstützt von Pro Bahn e.V., der Stadt Buchholz, dem Kreistag des Heidekreises und aller Voraussicht nach auch vom Kreistag des Landkreises Harburg, der zurzeit eine entsprechende Resolution vorbereitet."

Das sagt die Landesnahverkehrsgesellschaft

Die Landesnahverkehrsgesellschaft nennt als Verbesserungen mit dem neuen Fahrplan nach Beendigung des letzten Bauabschnitts und der dann durchgehenden Erneuerung der Schieneninfrastruktur der Heidebahn:
• Verkürzung der Reisezeit Buchholz – Hannover
• Verbesserung der Anschlüsse in Soltau
• einheitliche Taktlagen/Taktzeiten von montags bis freitags sowie samstags und sonntags
• einheitlicher Stundentakt an allen Wochentagen
Mit dem Ausbau des Mittelabschnittes zwischen Soltau und Walsrode auf 120 km/h wird die Reisezeit zwischen Buchholz und Hannover Hauptbahnhof um etwa 30 Minuten verkürzt.
"Leider verschieben sich dadurch die - gewohnten - Taktzeiten im Nordabschnitt zwischen Buchholz und Soltau", so LNVG-Pressesprecher Rainer Peters.
Der Fahrplan im Nordabschnitt in der morgendlichen Hauptverkehrszeit (HVZ) in Richtung Hamburg bleibe nahezu unverändert. Es gebe nur geringfügige Abweichungen im Minutenbereich. Am Nachmittag sei im Gegensatz zur morgendlichen HVZ kein individueller Fahrplan vorgesehen. "Für die Pendler bedeutet dies am Nachmittag eine Verschiebung der Abfahrtszeit in Hamburg von Minute 15 auf künftig Minute 38 und eine Verlängerung der Fahrzeit von 71 auf 79 Minuten für die Verbindung Hamburg – Soltau", so Peters. Und weiter: "Uns ist bewusst, dass mit dem neuen Angebotskonzept Fahrgäste ihre gewohnten und individuell, z.B. mit dem persönlichen Arbeitszeitende passenden Fahrzeiten verändern müssen."
Er wirbt jedoch um Verständnis, dass es bei den individuell unterschiedlichen Anfangs- und Endzeiten am Arbeitsplatz oder in den Schulen sowie der sehr unterschiedlichen Wegezeiten zwischen Arbeitsplatz/Schule und Bahnhof nicht möglich sei, den vielen tausend Pendlern ein individuell passendes Angebot zu liefern. "Unsere Erfahrungen zeigen auch, dass andere Fahrgäste die Fahrplanveränderungen wiederum positiv beurteilen", so Peters.