Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Der Traum vom Eigenheim ist zerplatzt

Vor dem vermeintlichen Traumhaus (hinten, v. li.): Tanja Weseloh, Bennet (11), Jennifer (14) und Timo Weseloh mit Tjorven Bo (1) sowie vorne (v. li.): Vanessa (9), Labea (4) und Thore (6)
 
Der Alptraum der Weselohs: Wegen der Feuchtschäden mussten sie die Wände aufstemmen
bim. Kakenstorf. Tanja (33) und Timo Weseloh (35) sind verzweifelt: Anfang des Jahres haben sie sich den Traum vom Eigenheim erfüllt, in dem ihre sechs Kinder behütet, sorgenfrei und in Nähe zu Waldorf-Schule und -Kindergarten in Kakenstorf aufwachsen sollten. Jetzt das böse Erwachen: Weil die Wände feucht sind und das Haus von Schimmel befallen ist, steht die Familie vor dem Nichts und muss dringend eine neue Bleibe finden. Das Paar fühlt sich von der Haus-Verkäuferin über den Tisch gezogen, denn erst nach dem Einzug im April seien die Mängel sichtbar geworden, die das Haus nun unbewohnbar machen.
Das Haus, Baujahr 1960, habe bei den mehrfachen Besuchen und auch laut Exposé des Maklers einen guten Eindruck gemacht. Er habe immer wieder gefragt, ob Rohre und Leitungen richtig verlegt und funktionsfähig seien, sagt Timo Weseloh: „Die Verkäuferin hat uns das Gefühl gegeben, es sei alles in Ordnung.“ Dass die Wohnräume bei ihren Besuchen übermäßig beheizt waren und überall Duftsäckchen hingen, machte die Weselohs nicht stutzig. Nun weiß das Paar, dass es besser einen Baugutachter mitgenommen hätte.
Inzwischen haben die Weselohs einen Anwalt eingeschaltet. Auf entsprechende Briefe habe die Verkäuferin bislang nicht reagiert.
Ein Grund, die 160 Quadratmeter-Immobilie zu kaufen, sei für die Familie der Keller gewesen, der ihnen als Souterrain-Wohnung angepriesen worden sei. „Dort sollte später unser autistischer Sohn Bennet leben“, so Timo Weseloh.
Ein Jahr lang hätten sie für die Finanzierung des rund 250.000-Euro-Objektes gebraucht, berichten die Weselohs. Kurz nach ihrem Einzug sei die erste Toilette verstopft gewesen. Dann sei ein Kind im Keller mit dem Klo in die Wand eingebrochen, da sich dahinter ein Hohlraum befunden habe. „Zwei von drei Toiletten waren nicht mehr nutzbar, und das bei acht Leuten“, so Tanja Weseloh.
Als die Familie im Juli nach einem Kurzurlaub aus Österreich zurückkam, habe Wasser im Keller gestanden. Dort hatten das Paar und zwei der Kinder ihre Schlafzimmer. Die Betten sowie in Kartons gelagerte Winter- und Kinderbekleidung seien nicht mehr zu gebrauchen gewesen. Dann sei auch noch ein Wasserrohr gebrochen. Alles im Keller war hin.
Ein Gutachten bestätigt, dass die Durchfeuchtung, insbesondere im Keller, weit höher als zulässig ist. Der Gutachter geht davon aus, dass die Voreigentümer viele Jahre von dieser Problematik Kenntnis gehabt hätten: „Die Baustoffanalysen weisen eindeutig darauf hin, dass die Bausubstanz-Schädigungen bereits weit vor der jetzigen Nutzung bestanden.“ Nach Ansicht des Gutachters hätte darauf bei Verkauf hingewiesen werden müssen.
Die Vermutung der Weselohs: Bereits vorhandener Schimmel wurde mit Latex- und Bitumenfarbe überstrichen.
„Die Kinder und ich sind seit vier Wochen krank. Unser Immunsystem ist angegriffen. Wir sind völlig am Ende“, sagt Tanja Weseloh. Für ihre sechs Kinder gibt sie sich weiterhin stark. „Ich versuche, sie am Lachen zu halten“, sagt sie. Die Familie hat in der Nachbargemeinde eine vorübergehende Unterkunft gefunden, bis der akute Wasserschaden behoben ist, die für die achtköpfige Familie aber sehr beengt ist.
Die Weselohs suchen jetzt dringend nach einer vorübergehenden Wohnung, bis sie ihr Haus sanieren können. Auch Kleiderspenden sind willkommen. Wer helfen kann, meldet sich unter Tel. 01 76 - 57 04 23 54 oder: 01 76 - 49 43 81 23.
• Die Vorbesitzerin reagiert mit völligem Unverständnis auf die Vorwürfe. „Das Haus ist überhaupt nicht schimmelig. Wir haben dort über 30 Jahre gewohnt“, sagt sie. Den Vorstoß der Weselohs, sich an Anwalt und Presse zu wenden, findet sie unverschämt. Insbesondere Tanja Weseloh habe sich binnen eines Jahres das Haus vier-, fünf Mal angesehen. „Sie wusste und hat es schriftlich, dass es eine ältere Villa ist, die renovierungsbedürftig ist. Natürlich muss man bei einem älteren Haus etwas machen. Sie wollten das unbedingt haben“, sagt sie. Weil sie Malerin sei, habe sie das Haus alle zwei Jahre gestrichen.