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Deutschunterricht für Asylbewerber auf dem Wochenmarkt

Am Obst- und Gemüsestand von Bernd Lemke erwarb die Gruppe Orangen
bim. Buchholz. Eine Gruppe junger Männer besucht den Buchholzer Wochenmarkt. Alle sind freundlich und aufgeschlossen. Nichts Ungewöhnliches, dennoch zieht die Gruppe die Blicke der Passanten auf sich: Es sind Asylbewerber aus Somalia, Eritrea, Afghanistan und dem Sudan, die an den Ständen von Kreisvolkshochschul-Dozentin Edith Schiele lebensnahen Deutschunterricht erhalten.
Edith Schiele erklärt jede Gemüse- und Obstsorte und deren Herkunftsländer. Geduldig wartet Obsthändler Bernd Lemke, bis die "Bestellung" kommt, eine Tüte Orangen. Am Stand mit den südländischen Spezialitäten dürfen die Asylbewerber Oliven probieren. Nur mit Bratwurst können sie nichts anfangen, Schweinefleisch ist für die meisten tabu.
"Man guckt schon hin, aber irritierend fand ich die Situation nicht", sagt eine Händlerin. "Die Wochenmarktbeschicker waren alle sehr nett", freut sich Edith Schiele.
Der Deutschkursus hat für zwölf Teilnehmer im Alter zwischen 19 und 34 Jahren in der Vorwoche begonnen. "Alle sind sehr motiviert. Sie wollen hier leben und arbeiten und lernen deshalb eifrig Deutsch. Außerdem möchten sie ihre Zeit sinnvoll nutzen", erklärt Edith Schiele. Bis Anfang Mai vermittelt sie den Männern grundlegende Deutschkenntnisse, damit sie sich u.a. vorstellen, ihr Alter sowie ihren jetzigen Wohnort angeben oder Gegenstände ihres Lebensumfeldes benennen können. "Das Niveau klafft weit auseinander. Aber die Teilnehmer helfen sich auch untereinander", sagt Edith Schiele. Einige Teilnehmer könnten sehr gut Englisch sprechen, andere nicht einmal unser Alphabet lesen. "Die Schrift in Somalia ist vergleichbar mit unserer. In Afghanistan wird die persische Schrift, die ähnlich der Arabischen ist, verwendet", weiß die Dozentin. Auf die Frage, ob es auch Fortführungskurse gebe, sagt Edith Schiele: „Ich denke, das ist der Eigeninitiative überlassen. Das ist dann aber eine Frage der Finanzierung.“ Ob sich die Asylbewerber das von den 321 Euro leisten können, die ihnen laut Regelsatz zur Verfügung stehen, ist fraglich.

Der Landkreis Harburg hat für zusätzliche Deutschkurse das Gesamtbudget der Kreisvolkshochschule auf 120.000 Euro erhöht. Angeboten würden 20 Deutschkurse - doppelt so viele wie im Vorjahr - mit denen 300 bis 350 Asylbewerber erreicht würden. "Es wird versucht, die Kurse unterkunftsnah anzubieten. Wir können aber aus organisatorischen und finanziellen Gründen nicht alle Wünsche erfüllen", so Kreissprecher Johannes Freudewald. Daneben würden Deutschkenntnisse auch auf ehrenamtlicher Basis vermittelt, beispielsweise beim internationalen Café in Winsen oder "Bündnis für Flüchtlinge" in Buchholz.