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Dritte Asylbewerberunterkunft für Tostedt geplant- Appell: "Gehen Sie auf die Menschen zu"

Damit keine Rechtsextremen die Veranstaltung störten, war die Polizei vor Ort
 
Auf dem Podium (v. li.): der stv. Ordnungsamtsleiter Jürgen Lürtzing, Samtgemeinde-Bürgermeister Peter Dörsam, Sozialdezernent Reiner Kaminski und Kreisprecher Johannes Freudewald
bim. Tostedt. Hoch emotional ging es am Mittwochabend im Christus Centrum Tostedt (CCT) zu. Dort informierten Landkreis und Samtgemeinde über die für Tostedt vorgesehene dritte Asylbewerberunterkunft. Die vier Container für 120 Flüchtlinge sollen hinter der Feuerwehr an der Todtglüsinger Straße errichtet werden auf einer Fläche, die sich im Privatbesitz befindet und vom Landkreis gepachtet wird. Zu der Infoveranstaltung waren rund 400 direkte Anwohner eingeladen worden.
Da insbesondere in Todtglüsingen, dem früheren Standort des vor zwei Jahren geschlossenen rechten Szeneladens "Streetwear Tostedt", mit Störungen von Rechtsextremen gerechnet wurde, war auch die Polizei mit Einsatz- und Streifenwagen vor Ort. Drei junge Männer, von denen einer der neue "Kopf" der rechten Szene sein soll, versuchten vor der Veranstaltung, u.a. Samtgemeinde-Bürgermeister Dr. Peter Dörsam zu provozieren, wurden von der Polizei aber in ihre Schranken gewiesen.
Die Befürchtungen einiger Anlieger glichen denen, wie sie bei fast allen vorangegangenen Infoveranstaltungen zu Asylbewerberunterkünften im Landkreis geäußert wurden: Sorge um Töchter und Frauen, die nachts alleine unterwegs sind, sinkende Grundstücks- und Immobilienpreise, Bedenken wegen mangelnder Sicherheit, zu viele Asylbewerber an einem Standort und die Frage: Warum hier und nicht woanders?
Was die Standortauswahl angeht, seien in den vergangenen vier Monaten 400 Grundstücke und Objekte im Landkreis untersucht worden, die aber allesamt nicht für die Flüchtlingsunterbringung infrage kämen, so Sozialdezernent Reiner Kaminski.
In der Samtgemeinde Tostedt würden derzeit weitere Standorte in Handeloh, Heidenau und Otter geprüft, berichtete Samtgemeinde-Bürgermeister Dr. Peter Dörsam.
Die hohe Flüchtlingsanzahl an einem Standort sei auch für den Landkreis Harburg neu, so Kaminski. Doch wegen der 35 bis 40 Asylbewerber, die dem Landkreis Harburg wöchentlich von den Landesaufnahmestellen zugewiesen werden, sei man dazu gezwungen, das bisherige Limit von 60 Flüchtlingen pro Standort zu überschreiten.
Bei dieser Anzahl soll eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung in der Unterkunft, die durch eine Betreibergesellschaft geführt wird, durch Heimleitung und Sozialarbeiter gewährleistet werden. Ende April/Anfang Mai sollen die Container bezugsfertig sein.
Damit die dort untergebrachten Flüchtlinge auch die Möglichkeit haben, sich draußen aufzuhalten und etwa Fußball zu spielen, wird noch verhandelt, ob eine zusätzliche, rund 2.000 Quadratmeter große Fläche zur Verfügung gestellt wird.
Nicht einlassen wollte sich das Podium auf die Diskussion, dass in Wahrheit keine Flüchtlinge aus Kriegs- und Krisengebieten nach Deutschland kämen, sondern nur religiöse Fanatiker, wie ein Anwohner lauthals behauptete.
Dass es sich bei den Flüchtlingen nicht - wie von manchen befürchtet - um durchweg kriminielle Randalierer handelt, die ihre Hormone nicht im Griff haben, machten der stv. Ordnungsamtsleiter Jürgen Lürtzing und Tostedts Polizeichef Hans-Jürgen Scholz deutlich. Ihren Erfahrungen nach würden die Bedenken binnen kürzester Zeit nach Ankunft der Flüchtlinge zerschlagen. Das sei vor allem auch dem großen Engagement zahlreicher Ehrenamtlicher zu verdanken, die eine tolerante Willkommenskultur leben und versuchen, die Asylbewerber - u.a. durch Sprachkurse und gesellschaftliche Aktivitäten - zu integrieren. Es gebe nur vereinzelt Vorkommnisse, bei denen Asylbewerber einfache Diebstähle begingen oder sich untereinander stritten, so Scholz.
Der Appell der beiden Pastoren Andreas Timm (CCT) und Gerald Meier (Johanneskirche) sowie von Sozialdezernent Reiner Kaminski und Tostedts Bürgermeister Gerhard Netzel: "Gehen Sie auf die Menschen zu, sprechen Sie mit Ihnen."