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Ein Auge für Filigranes in der Tostedter Johannes-Kirche

Mit Bügeleisen und Spritze bei der Arbeit: die Restauratorinnen Christiane Maier (re.) und Julia Dietzemann

Christiane Maier und Julia Dietzemann restaurieren das Altarbild

bim. Tostedt.
Manch Gottesdienstbesucher der Johannes-Kirche war am Sonntag entsetzt: Ist der Altar etwa nicht mehr standfest? Denn das reich verzierte Schmuckstück ist derzeit eingerahmt von einem Baugerüst. Doch das dient den Restauratorinnen Christiane Maier und Julia Dietzemann aus Hamburg als Aufstiegshilfe, um die dahinterliegende Altarwand in den kommenden Wochen zu restaurieren.
„Für uns steht im Vordergrund, dass das Bild erhalten bleibt“, so Pastor Gerald Meier. Das auf der verputzten Wand und ockerfarbenem Anstrich in mindestens vier Schichten aufgemalte, ursprüngliche Bild - vermutlich ein Strahlenkranz mit einem Portraitbild, umrahmt von gemaltem Brokat - ganz wieder herzurichten, wäre aber sicherlich zu kostspielig. Und ist auch nicht gewollt. Schließlich soll das Bild nicht von dem prächtigen Altar der Johanneskirche ablenken.
Küsterin Martina Beutler hatte immer schon die vom Altarbild heruntergefallenen Teile, die Schollen, wie die Expertinnen sie nennen, aufgesammelt. „Die Malerei-Vorderseite ist wie ein Abziehbild auf der Rückseite der Scholle“, so Christiane Maier. Mit Spritzen und Kanülen trägt sie Klebemittel hinter den Schollen auf. Von vorne drückt ihre Kollegin mit dem Bügeleisen die Schollen an, bis sie kleben und getrocknet sind. „Wir haben diverse Kleber durchprobiert, bis wir den richtigen gefunden hatten“, so Christiane Maier zu der anspruchsvollen wie filigranen Aufgabe.
Mit dem „Ankleben“ bleibt das Originalbild dennoch erhalten. „Es ist immer ein Spagat zwischen dem Wert der Historie, die nicht ganz aufgegeben werden sollte, und einer lebendigen, modernen Gemeinde, die sich nicht wie im Museum fühlen soll“, so Gerald Meier. Abgestimmt ist die Maßnahme mit dem Amt für Bau- und Kulturpflege und natürlich dem Kirchenvorstand.
Die Restaurierung des Altarbildes ist nach der im vergangenen Frühjahr abgeschlossenen Instandsetzung der rund 60 Fenster für insgesamt 200.000 Euro die nächste große Investition, so Gerald Meier. 50 Prozent der Kosten in Höhe von rund 12.000 Euro übernimmt der Kirchenkreis, die andere Hälfte kommt über Spenden zusammen.
Und weitere Baustellen in der 1878 bis 1880 erbauten Kirche werden auch künftig nicht ausbleiben.