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Flüchtlingshilfe Handeloh zieht Bilanz

An der Unterkunft am Bahnhof in Handeloh (von oben nach unten): Sozialarbeiterin Monika Werner, Heimleiter Holger Kuhrt mit den Flüchtlingsunterstützern Hanns-Peter Grimm, Anne Renken und Claude Varnier
bim. Handeloh. Vor rund zwei Jahren kamen die ersten Flüchtlinge nach Handeloh. Wie in anderen Orten auch waren es zunächst ausschließlich männliche Flüchtlinge. Im November 2015 wurde die Container-Unterkunft am Bahnhof dann vom Landkreis Harburg zu einer der ersten gemacht, in der Flüchtlingsfamilien ein vorübergehendes Zuhause fanden und finden. Ohne das großartige Engagement von ca. 170 Ehrenamtlichen, die sich sofort der Flüchtlinge annahmen, hätte deren weitgehende Integration nicht so reibungslos geklappt. Jetzt zogen einige der Ehrenamtlichen und Heimleiter Holger Kuhrt von „Human Care“ im WOCHENBLATT-Gespräch eine - in Teilen auch ernüchternde - Bilanz.
„Im Dezember 2015 war die Unterkunft voll belegt mit Familien und einigen Männern. Jetzt leben hier 13 Familien aus Syrien und dem Kosovo mit rund 50 Personen“, berichtet Holger Kuhrt. Für sie haben sich aus den Reihen der Flüchtlingsunterstützer Paten gefunden, die die Familien individuell betreuen, ihnen u.a. beim Schriftverkehr mit Behörden helfen und sie bei Behördengängen und Arztbesuchen begleiten. Der Vorteil der Patenschaften: Auch Flüchtlinge, die die Unterkunft verlassen haben, werden weiter von ihren Paten betreut. „Da beginnt die eigentliche Arbeit. Denn in der Unterkunft leben die Flüchtlinge wie unter einer Käseglocke“, vergleicht Holger Kuhrt.
Seit einem Jahr gibt es für die Handeloher Unterkunft mit Monika Werner zudem eine zuverlässige Sozialarbeiterin, die Heimleiter Kuhrt unterstützt. „Wir sind außerordentlich glücklich, dass wir die beiden haben“, sagen die Flüchtlingshelfer Hanns-Peter Grimm und Anne Renken.
Probleme bereite nach wie vor, für anerkannte Flüchtlingsfamilien Wohnraum zu finden. „Der Landkreis Harburg müsste bei der Wohnungssuche mehr machen. Das ist eine sehr zeitaufwendige Geschichte, die wir nicht leisten können“, sagt Hanns-Peter Grimm. „Manche Vermieter wollen generell keine Flüchtlinge aufnehmen. Das ist in den Fällen berechtigt, wo die Flüchtlinge kein Deutsch sprechen. Auch ist eine Familie mit sieben Personen den meisten Vermietern zu groß“, erläutert Heimleiter Holger Kuhrt. Es sei aber zumindest gelungen, seit Jahresbeginn sieben Familien Wohnraum zu besorgen.
Unter den Flüchtlingen gebe es einige, die arbeiten. Das sei aber die Minderheit, so Hanns-Peter Grimm. „Die Schwierigkeit ist, dass die meisten Erwachsenen unheimlich schlecht Deutsch sprechen“, sagt er. „Die Eltern verlassen sich auf die Kinder“, ergänzt Holger Kuhrt. Denn die 26 Kinder besuchen alle Schulen und Kindergärten und wachsen praktisch mit der deutschen Sprache auf. Ihnen werden - wenn möglich - auch schöne Ausfahrten ermöglicht, u.a. zu den Karl May-Festspielen in Bad Segeberg, organisiert vom örtlichen Bürger- und Verkehrsverein, oder zum Planetarium nach Hamburg. Jüngst bauten angehene Erzieher aus dem Kreis Rotenburg Fußballtore mit den Kindern und bemalten den Fahrradcontainer.
Die Kindergruppe, in der Spiele und Hausaufgabenhilfe angeboten werden, ist nach wie vor aktiv. Ebenso u.a. die Fahrradwerkstatt, das Café der Begegnung jeden ersten Sonntag im Monat um 15 Uhr im Kirchengemeindehaus und der Fahrdienst.
Insgesamt habe sich die Flüchtlingsarbeit gut eingespielt, so Anne Renken, die sich im Namen der Flüchtlingshilfe Handeloh für die vielen Spenden aus der Bevölkerung und die Unterstützung durch andere Institutionen bedankt.
• Mit den jungen unbegleiteten Flüchtlingen, die vorübergehed in der Jugendherberge in Inzmühlen untergebracht sind, hat die Flüchtlingshilfe übrigens nichts zu tun. Denn die jungen Leute fallen unter die Jugendhilfe und werden von den „Quäkern“ betreut.