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"Heimat bedeutet, nicht zu vergessen, was es früher gegeben hat"

Vorstandsmitglied Elke Müller am Webstuhl
bim. Tostedt. Alte Traditionen und altes Wissen bewahren und jungen Menschen näher bringen - darin sieht der Heimatverein Tostedt seine Bestimmung. Regelmäßig treffen sich dort eine Plattdeutsch- und eine Tanzgruppe, ein Singkreis und eine Geschichtswerkstatt. Großer Wert wird auch auf altes Handwerk gelegt. Im Heimathaus gibt es u.a. eine alte Schusterwerkstatt, einen Webstuhl und Spinnräder und seit neuestem eine Bleisetzerei.
Sein Domizil hat der Heimatverein seit 2006 in der 1828 erbauten Pfarrscheune der Johannes-Kirchengemeinde im Himmelsweg. Auf dem Gelände, dem alten Pastorengarten, steht auch ein historisches Backhaus aus Dohren, das einige Jahre lang als Garage genutzt wurde. Der Heimatverein rettete es 2006 vor dem Abriss und baute es mit finanzieller Unterstützung der Gemeinde Tostedt, der Vorwerk-Stiftung sowie der niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung wieder auf. Seither heizt Heinz Börker (79) den Ofen darin zu besonderen Anlässen an und backt frischen Butterkuchen.
Für das Tostedter Urgestein Wilhelm Matthies (77), der den Buch- und Schreibwarenladen im Himmelsweg schräg gegenüber des Heimathauses führt, ist der Pfarrgarten, in dem er als Kind Birnen pflückte, ein Stück Heimat. Sein Geschäft wurde 1899 von seinem Großvater gegründet. Die alte Bleisetzerei, mit der bis Anfang der 1980er Jahre bei Matthies Glückwunsch-, Visiten- und Einladungskarten bis hin zu Rechnungen gedruckt wurden, wollte Wilhelm Matthies für die Nachwelt erhalten. Daher stellte er die Bleisetzerei dem Heimatverein zur Verfügung. "Wir möchten, dass damit wieder gedruckt wird. Was noch fehlt, ist eine alte Druckmaschine", sagt Heimatvereins-Vorstandsmitglied Elke Müller (56).
Die Geschichtslehrerin stammt gebürtig aus dem Erzgebirge. Die Samtgemeinde Tostedt ist für sie vor 13 Jahren zur Heimat geworden, in der sie sich gerne ehrenamtlich engagiert. Sie hat sich beim Heimatverein auf den Bereich Textilien spezilisiert. "Schon mein Vater hielt Schafe und hat gesponnen. Hier habe ich mir das Weben angeeignet", berichtet Elke Müller. Ihr nächstes Ziel ist es, auch Leinstoffe zu weben.
Demnächst soll die alte Scheune auf dem Heimatvereinsgelände fürs Drechseln umgebaut werden. Auch liege noch vieles auf dem Lagerboden des Heimathauses, das darauf warte, erweckt zu werden. "Wir brauchen interessierte Leute, die sich handwerklich beschäftigen wollen. Die die alten Dinge pflegen und das alte Wissen am Leben erhalten. Das liegt mir am Herzen", sagt Elke Müller. "Denn Heimat ist für mich, dass man nicht vergisst, was es früher gegeben hat."
Nähere Infos zum Verein unter www.heimatverein-tostedt.de.