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Industriekletterer Christian Wehde geht beim Höhenretter-Vergleich "Grimpday" in Belgien an den Start

Christian Wehde führt vor, wie Seile mit Karabinerhaken, Seilklemmen und Rollen für eine Rettung aneinandergeklinkt werden
(bim). Gekonnt knüpft Christian Wehde Seile mit Karabinerhaken, Seilklemmen und Rollen aneinander. Mit dieser Konstruktion könnte er einen 90 Kilogramm schweren Menschen aus einem Baum retten. Der 49-jährige Buxtehuder arbeitet als Industriekletterer und Sicherheitsausbilder für Windenergieanlagen und das Überleben auf See. Auch privat liebt er die Herausforderung: als Höhen- und Strömungsretter. Der DLRG-Taucheinsatzführer- und -Tauchlehrer teilt seine kräftezehrenden Hobbys mit Janine Marquardt (35) aus der Samtgemeinde Tostedt, mit der er kürzlich an der „White Water Rescue Race“ in Österreich teilnahm (das WOCHENBLATT berichtete). An diesem Wochenende messen sie sich mit 20 weiteren Teams aus aller Welt beim "Grimpday", einem Höhenretter-Vergleich in Namur (Belgien).
Beide gehören auch der bundesweiten Interessengemeinschaft "Special Rescue Association" an. Darin sind rund 30 Extremretter aus ganz Deutschland aktiv, die von Beruf z.B. Notarzt, Polizist oder Ausbilder in Absturzsicherung und Seilzugangstechnik sind. "Wir entwickeln und verbessern Rettungstechniken in Material und Durchführung. Davon profitieren u.a. Feuerwehr, DLRG und THW", erklärt Christian Wehde. Für die Wildwasserrettung hat er zum Beispiel im vergangenen Jahr in Zusammenarbeit mit der Buchholzer Firma Barakuda einen Taucheranzug aus sehr weichem Neopren und mit vor Stößen und Kanten schützenden Kevlar-Aufsätzen entwickelt.
Bis zu sieben Mal im Jahr treffen sich die Mitglieder der "Special Rescue Association" zu Großübungen. Die sechs Mitglieder der Wettkampfgruppe kommen noch öfter zum "Stresstraining" zusammen. Das bedeutet, in der kompletten, bis zu 30 Kilogramm schweren Ausrüstung plus gewichtigem Rucksack und Trage mehrere Hundert Meter laufen, Hochstrecksprünge und dann noch eine simulierte Rettung meistern, um so Kraft, Kondition und Konzentration zu trainieren. "Man kann sagen, wir sind ein Zusammenschluss von Verrückten", grinst Christian Wehde.
In dem Sechser-Team gehen Christian Wehde und Janine Marquardt auch in Belgien an den Start. Binnen zwei Tagen müssen sie mehrere Stationen mit unterschiedlichen Anforderungen bewältigen. In der Praxis heißt das "spezielles Retten aus Höhen und Tiefen". Es geht um Szenarien wie die Rettung von Menschen aus Bäumen, Schächten und Schluchten oder das An-Land-ziehen einer 350 Kilogramm schweren Pferdeattrappe. Immer bedacht werden muss dabei, dass nicht nur Zeit und Technik, sondern auch das Patientenwohl und die Eigensicherung zählen.
Das Besondere an dieser "Höhenretter-WM": "Man misst sich mit Mannschaften aus der ganzen Welt, tauscht Erfahrungen aus und kann im Wettkampf auch von den Techniken der Mitstreiter lernen", so der 49-Jährige.
Ihm und Janine Marquardt kann man nur "Seil frei" wünschen, wie es in Höhenretter-Kreisen heißt, und die Daumen für eine gute Platzierung drücken.