Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

K-9-Suchhunde: Vierbeinige "Schnüffler" auf Spurensuche

Suchen vermisste Haustiere (v. li.): Jennifer Stegmann mit Sally, Kirsten Cadow mit Robin (vorn) und Kasper sowie Martina Pfalz mit Nala
 
Sally hat die Witterung aufgenommen. Je frischer die Spur, desto höher die Nase
(bim). Wenn ein Haustier ausbüxt oder nicht nach Hause kommt, fühlt sich das für die Halter an, als hätten sie ein Familienmitglied verloren. Groß sind Trauer und Verzweiflung. Für sie gibt es Hoffnung in Form der K-9-Suchhunde. Die vierbeinigen "Schnüffler" begeben sich - wie die Mantrailer bei der Suche nach Menschen - auf Spurensuche und helfen Herrchen und Frauchen, das verschwundene Haustier zurückzubringen oder ihnen zumindest Gewissheit über dessen Verbleib zu verschaffen.
Drei Frauen, die sich mit ihren Hunden ehrenamtlich bei den K-9-Suchhunden zwischen Elbe und Weser engagieren, sind Kirsten Cadow mit Schweißhund Kasper, Jennifer Stegmann mit Springer-Spaniel Sally und Martina Pfalz mit Malinois Nala.
"Unsere Hunde haben gelernt, einen Referenzgeruch zu verfolgen. Alle Menschen und Tiere haben einen Individualgeruch, der einzigartig ist wie ein Fingerabdruck. Der Suchhund zeigt dann die Richtung an, in der sich ein vermisstes Tier befindet", erläutert Kirsten Cadow. Teilweise ist auch kriminalistische Kombinationsgabe der Hundeführer gefordert, um anhand des Hundeverhaltens zu deuten, wo sich ein gesuchtes Tier befindet.
Wichtig sei immer auch die Mitarbeit der Halter, die mögliche Sichtungsmeldungen weitergeben und regelmäßig Polizei und Tierärzte abtelefonieren sollten, betont Jennifer Stegmeier.
Ein bewährtes Mittel, entlaufene Hunde zu lotsen, sei die Heimwegschleppe. Dabei schleift der Besitzer am späten Abend vom Ort des Verschwindens aus ein von sich frisch getragenes Kleidungstück hinter sich her bis nach Hause. Der eigene Vierbeiner könne dann nachts der Geruchsspur stressfrei folgen.
Die "Nasenarbeit" des Hundes sei eine artgerechte Auslastung, sagt Martina Pfalz. Im Rahmen einer Trail-Ausbildung werde diese Arbeit kultiviert, und der Hund lerne, alte von frischen Spuren zu unterscheiden. Trailgruppen, in denen diese Arbeit trainiert wird, gibt es u.a. in Stade, Buxtehude und Buchholz.
Die Ausbildung zum Tiersucher ist sehr zeitintensiv. Auch seelsorgerische Fähigkeiten sind gefragt, wenn die verzweifelten Tierhalter Trost brauchen.
"Oft fließen Tränen, weil sich die Besitzer die schlimmsten Dinge vorstellen", so Kirsten Cadow. Abseits dessen, was die Suchhunde leisten, gelte es, Hoffnung und Tipps zu geben.
Kirsten Cadow und ihre Mitstreiterinnen können von vielen spannenden wie tragischen Fällen berichten. Seit Jahresbeginn erhielten sie im Schnitt zwei Anfragen im Monat zu vermissten Tieren. Eine Erfolgsgeschichte ist die des Golden Retrievers Sam. "Er war seinem Frauchen beim Spaziergang in einem Wald entlaufen. Seine Schleppleine hatte sich um mehrere Bäume gewickelt, sodass er sich alleine nicht befreien konnte", so Kirsten Cadow. Die Tiersucher konnten ihn ausfindig machen, die Besitzerin ihren Sam wieder glücklich in die Arme schließen.
Dieses Glück hatte ein Pferd, das mit vier Artgenossen aus einem Paddock ausgebrochen und zunächst nicht auffindbar war, leider nicht. "Da waren wir dreimal im Einsatz, die Hunde nahmen die Spur anhand des Putzzeugs auf und liefen an einem Fluss immer in Richtung des Fließgewässers. Durch den wegfließenden Geruch waren unsere Hunde irregeleitet", berichtet Kirsten Cadow. Dennoch fanden die Pferdebesitzer in dem Bereich, den die Hunde angezeigt hatten, ihren Liebling einige Wochen später tot in einem Gebüsch am Fluss. Kirsten Cadow vermutet, dass das Tier gestrauchelt und ins Wasser gefallen war.
Oft komme es auch vor, dass frisch vermittelte Hunde aus dem Tierheim zu früh von den neuen Besitzern von der Leine gelassen werden oder sie aus dem Halsband schlüpfen und dann weglaufen. "Wenn man diese Tiere mit einem Hund sucht, vertreibt man sie eher", so die Erfahrung der Tiersucher.
Die Suchhunde nehmen auch wahr, wenn ein gesuchtes Tier Stresshormone ausschütte. "Man darf die Hunde nicht dauerhaft zu Einsätzen bringen, muss sie zwischendurch auch beim Training durch Erfolgserlebnisse aufbauen", so Martina Pfalz.
Bei der Tiersuche geht es nicht allein um Hunde und Katzen. Die tierischen "Schnüffler" haben auch schon bei der Suche nach Kaninchen und sogar Schildkröten geholfen.
Das K-9-Suchhundezentrum besteht seit 2008 und ist ein deutschlandweiter Verbund. In den vergangenen zwei, drei Jahren sei nun eine Prüfungsordnung für die Ausbildung der Suchhunde entwickelt worden, erklärt Kirsten Cadow. In den Landkreisen Harburg und Stade sind derzeit fünf Tiersucher im Einsatz.
Die K-9-Tiersucher arbeiten eng mit dem Verein Tasso, dem Haustierregister, zusammen. Ihre Arbeit machen sie ehrenamtlich. Dankbar sind sie, wenn die Fahrtkosten erstattet werden, damit sie bei ihren Einsätzen nicht noch draufzahlen. Auch Spenden für die Hundeausbildung sind willkommen.

Wie sollten sich Halter entlaufener Hunde verhalten?

• Möglichst an dem Ort bleiben, an dem der Hund verschwunden ist, oder dort eine Decke des Hundes zurücklassen
• Ist der Hund nach mehr als 45 Minuten nicht zum Halter, zum Auto oder nach Hause zurückgekehrt, sollten die Halter eine Notfallkette anlaufen lassen:
den Verein Tasso unter 06190-937300 verständigen, die Polizei anrufen, Jäger oder das Forstamt und Tierheime verständigen sowie Tierärzte, Tierkliniken und Autobahnmeistereien informieren.
• Kontakt zur K-9-Tiersuchstaffel kann man unter der bundesweiten Notrufnummer 0173-9796666 aufnehmen.
Weitere Infos zum Suchhundezentrum Elbe-Weser gibt es unter www.suchhundezentrum-nord.de.