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"Kick für Toleranz" / Tostedts Haupt- und Realschüler widmen sich dem Thema Homophobie

Malten einen Regenbogen (v. li.): Hauptschülerin Tamara (13) mit den Realschülerinnen Lia (12) und Jona (12)
 
Amalia (13, li.) und Leonie (14) hatten sich als Einhörner verkleidet, bunt geschminkt war auch Theresa (12)
bim. Tostedt. Ab Oktober soll es auch in Deutschland für gleichgeschlechtliche Paare im Rahmen der "Ehe für alle" möglich sein, sich das Ja-Wort zu geben. Anlass für die Erich-Kästner-Realschule und die Schule am Düvelshöpen in Tostedt, sich dem Thema zu widmen. Die 2012 eingeführte Veranstaltung "Kick gegen Rechts", die sich gegen Extremismus und Ausländerfeindlichkeit richtete, wurde nun zum "Kick für Toleranz" zum Thema Homophobie. Rund 500 Schüler beteiligten sich daran.
"Wir wollten diesmal nicht 'gegen', sondern 'für' etwas sein", erläuterte Hauptschullehrerin Susanne Löwe, die mit ihrer Realschul-Kollegin Elke Müller das Projekt "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" betreut, im Rahmen dessen der "Kick gegen Rechts" damals initiiert wurde. Pate der "Schule mit Courage" ist der Handeloher Schauspieler Kai Bronisch, der selbst mit einem Mann verpartnert ist und den Schülern beim "Kick für Toleranz" als Ansprechpartner zur Verfügung stand.
Beteiligt waren außerdem das Tostedter Jugendzentrum, die Resofabrik und das Schulaufklärungsprojekt "Schlau" Lüneburg.
Den zehn Lehrern, die die Veranstaltung mit den Schülern vorbereiteten, war bewusst, dass sie mit Homo- und Bi- und Transsexualität sowie Homophobie ein heikles Thema ansprechen. Auch für die Lehrer war es nicht einfach, weil sie sich die Frage stellten: "Wie bringe ich das Thema rüber, damit die Schüler schnell und leicht Zugang dazu finden?", erläuterte Susanne Löwe.
Natürlich versuchte mancher Jugendlicher, die Unsicherheit zunächst mit markigen Sprüchen zu kompensieren. Doch je mehr sie sich informierten, desto aufgeschlossener wurden sie dafür, sich damit auseinander zu setzen.
Die Schüler erarbeiteten im Vorfeld u.a., wie welche Länder mit Homosexualität umgehen. So steht Homosexualität in rund 70 Ländern der Welt unter Strafe, in neun Ländern droht sogar die Todesstrafe. Und selbst in Deutschland werden Schwule und Lesben noch in vielen Bereichen diskriminiert.
Neben den sportlichen Aktivitäten mit Völker- und Fußball informierten die Kinder und Jugendlichen in Ausstellungen u.a. über prominente Homo- und Bisexuelle, wie Model und Schauspielerin Cara Delevingne, "Big Bang Theory"-Kultstar Jim Parsons oder Moderatorin Dunja Hayali, die offen mit ihrer Sexualität umgehen.
Andere Schüler hatten den ernsten Hintergrund der fröhlich-bunten Parade "Christopher Street Day" recherchiert. Diese Veranstaltung erinnert an den ersten bekannt gewordenen Aufstand von Homosexuellen und anderen sexuellen Minderheiten in der New Yorker Christopher Street am 28. Juni 1969 in der Bar "Stonewall Inn", mit dem gegen gewalttätige Polizei-Razzien in Kneipen mit Trans- und Homosexuellen protestiert wurde. Einige Schüler ließen sich bunt schminken oder die Haare färben, um sich solidarisch zu zeigen.
"Das Thema war überfällig. Es fällt auf, dass sich homosexuelle Schüler zunehmend trauen, sich zu outen, oder es Schüler gibt, die sich schminken oder gerne feminin kleiden", berichtet Susanne Löwe. Die Resonanz auf den "Kick für Toleranz" sei sehr positiv. "Die Schüler waren sehr zufrieden und begeistert. Viele sagten, dass es Spaß gemacht hat und sehr informativ war. Alle lobten die friedliche Stimmung und das sehr nette Miteinander", resümiert sie.