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"Kunst ist eine Weltsprache" - Horst Müller malt Bilder zum Anfassen für Sehende und Blinde

Horst Müller malt Bilder für Sehende und Blinde
 
Seine Bilder kann man ertasten
bim. Buxtehude/Hollenstedt. "Wenn Kunst eine Weltsprache ist, warum sind dann Blinde und andere Behinderte aufgrund ihrer Handicaps ausgeschlossen?", fragt Horst Müller (73). Der in Buxtehude und Florida lebende, pensionierte Wirtschaftsingenieur malt seit rund vier Jahren für Sehende und Blinde. Seine Philosophie: "Even hands can see" (auch Hände können sehen). "Mir ist niemand bekannt, der sich solch einen Stil angeeignet hat", sagt der Autodidakt.
Als Wirtschaftsingenieur führte er ein turbulentes Leben, war in der ganzen Welt unterwegs. Von 1980 bis 1990 fertigte er Rolläden in den USA an und baute vor 13 Jahren in Florida eine Werkzeugschleiferei auf. Die leitet inzwischen sein Sohn Eike (36), der in Nigeria geboren wurde. Damals war Horst Müller mit seiner Frau Roswitha ein Jahr lang mit dem VW-Bus in Afrika unterwegs, wo er als General Manager eines großen Konzerns tätig war. Tochter Eva (32) erblickte in Florida das Licht der Welt.
"Ich habe in meinem Leben vier, fünf Berufe ausgeübt. Seitdem ich pensioniert bin, möchte ich Menschen für Inklusion - die gleichberechtigte Einbeziehung von Behinderten ins gesellschaftliche Leben - sensibilisieren", sagt Horst Müller.
"Mit der Kunst habe ich im März 2010 angefangen und meine Werke in Florida ausgestellt. Weil meine Kunst anfassbar ist, können auch Blinde sie ertasten", erzählt Horst Müller. Daher lud er den örtlichen Blindenverein in seine Ausstellung ein.
"Laut der Weltgesundheitsorganisation sind 10 bis 15 Prozent der Menschheit blind oder sehbehindert. Fachleute sagen, dass Mathematik und Kunst das Gehirn am besten trainieren", so der Künstler, der u.a. mit der Christoffel-Blindenmission, dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband und dem Hamburger Blindenverein zusammenarbeitet.
Obwohl er bei manchen Zeitgenossen auf Unverständnis stößt, wenn er Blinde in seine Kunstausstellungen einlädt, sprach sich diese Praxis schnell herum. Es folgten bald Einladungen nach Berlin und Moskau.
Seine Ausstellungen verbindet Horst Müller gerne mit Workshops für Blinde, Sehbehinderte, spastisch Gelähmte und Menschen mit Down-Syndrom, insbesondere für Kinder. "Es ist beeindruckend zu sehen, wie diese Menschen sich öffnen und etwas tun, was sie angeblich nicht können. Sie beginnen regelrecht zu leuchten", freut sich der Maler über die Reaktionen.
Er arbeitet auf Sperrholz mit Spezialgips, vermischt mit Polymer, koloriert mit Acrylfarbe und versilbert oder vergoldet mit Metall. Namen tragen seine Werke nicht, nur Nummern. Der Betrachter soll selbst herausfinden, was er darin sieht.
Wegen seiner außergewöhnlichen Werke und seinem Inklusionsgedanken wurde Horst Müller auch schon fürs russische und amerikanische Fernsehen interviewt - nur noch nicht in Deutschland. "Der Prophet gilt halt nichts im eigenen Land", sagt Müller mit einem Lächeln.
Denn gefragt sind seine Tastbilder auch in der Region. 40 seiner Werke sind auf Initiative des neuen Buxtehuder Vereins "Gemeinsam inklusiv aktiv" bis zum 3. September im Foyer der Hochschule 21 in Buxtehude ausgestellt (Vernissage am 28. August um 16 Uhr). 16 Bilder können in der Physiotherapiepraxis von Siegrun Winter in Hollenstedt, Am Stinnberg 2, bewundert und ertastet werden (Vernissage am 22. August um 15 Uhr).
Ein Highlight ist der Workshop, den Horst Müller am 13. September von 10 bis 17 Uhr am Hase-und-Igel-Brunnen in Buxtehude.
• Weitere Infos unter www.evenhandscansee.com