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Lebendige Willkommenskultur in Tostedt

 
Trotz Nieselregens kamen zahlreiche Besucher zum Willkommensfest am Christus Centrum
bim. Tostedt. Afrikanische Klänge auf der Krar, einem Zupfinstrument, dargeboten von Flüchtling Machu, und ein bezaubernder Fächertanz vietnamesischer Mädchen - internationales Flair bestimmte das Willkommensfest am Christus Centrum Tostedt (CCT) mit dem Umzug des "House of Tolerance". Dazu hatten das Forum für Zivilcourage und der Flüchtlings-Unterstützerkreis am Sonntag eingeladen. Es bot auch Anlass für einige nachdenkliche Betrachtungen.
Ein Sonntag sei ein merkwürdiger Tag für einen Umzug. Auch sei es üblich, dass die Bewohner und nicht das Haus umziehen. Das "House of Tolerance", das beim Bürgerfest 2013 von vielen Bürgern gebaut wurde, sei ein Symbol, die Mitte Juli ankommenden neuen Flüchtlinge willkommen zu heißen, so Ulrich Graß vom Forum für Zivilcourage. Deshalb zog das kleine Haus jetzt vom Rathaus vor das Feuerwehrhaus, hinter dem die neuen Asylbewerberunterkünfte stehen.
Dass ein englischer Name gewählt wurde, hinge damit zusammen, dass ein Jugendlicher die Idee dazu von einem USA-Aufenthalt mitgebracht habe, erläuterte Ulrich Graß.
So unterschiedlich wie die Wünsche auf den Mauersteinen des "House of Tolerance" seien auch die Beiträge vieler Ehrenamlicher, den Flüchtlingen die Ankunft in ihrer neuen Heimat zu erleichtern. Dazu gehören u.a. Deutschunterricht, Begleitung bei Arztbesuchen oder die Gründung von Fußballmannschaften.
Das "House of Tolerance" symbolosiere auch, wie sich der Ort durch die neuen Mitbürger verändere. "Ich glaube, dass das Lebensgefühl, das Klima hier schöner geworden ist", sagte Graß.
Betroffen gemacht habe der Vorfall vergangene Woche, bei dem tragischer Weise ein Flüchtling nach einer Rangelei mit einem Landsmann am Tostedter Bahnhof zu Tode kam (das WOCHENBLATT berichtete). "Natürlich gibt es auch bei den Flüchtlingen Menschen mit unterschiedlichen Verhaltensweisen. Hinzu kommt, dass sie nach ihrer Flucht häufig traumatisiert sind. Das muss man im Kopf haben, um nicht darin zu verfallen, dass Flüchtlinge eine Bedrohung darstellen und Gewalt und Straftaten in unsere Gesellschaft bringen", so Graß. Schließlich gebe es "Geier", die nur auf solche Vorkommnisse warten, um sie für ihre feindseeligen Ideologien und Volkshetze zu instrumentalisieren.
"Das, was hier passiert, ist mehr als Toleranz, ich möchte von einem Haus der Begrüßung sprechen", so Samtgemeinde-Bürgermeister Dr. Peter Dörsam. Er lobte den Einsatz der vielen ehrenamtlichen Unterstützer. "Es ist großartig, was hier in einem Jahr seit der Ankunft der ersten Flüchtlinge passiert ist", so Dörsam.
Bewegt habe ihn die damalige Veranstaltung im CCT, in der über die Unterbringung von Asylbewerbern hinter dem Feuerwehrhaus informiert wurde und in der die Ängste der Anwohner deutlich wurden. "Es hilft, sich kennenzulernen, um diese Ängste abzubauen." Er wünscht sich, dass de Flüchtlingsaufnahme so positiv weitergeht wie bisher.
Eine tolle Geste: Dörsams Stellvertreter Ernst Müller hat den demnächst ankommenden Flüchtlingen 20 Fahrräder gespendet.
Anschließend hatten alle Beteiligten die Möglichkeit, das internationale Café im CCT kennenzulernen, das fortan sonntags geöffnet ist.