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Mit der Trillerpfeife Gauner vertreiben

Die Protagonisten der nachgestellten Szene (v. li.): Anni Zajkiewicz, Marvin und Kareem
bim. Tostedt. Was können ältere Menschen tun, die Opfer einer Straftat werden, um auf sich aufmerksam zu machen? Und wie können diejenigen reagieren, die Zeugen des Vorfalls sind? - Darüber klärte jetzt die Opferhilfs-Organisation Weisser Ring in Zusammenarbeit mit der Polizei Tostedt mit einer Aktion auf, die im Landkreis Premiere hatte: Eine ältere Dame schaute sich in der Bücher-Ecke im Kaufhaus Bade um, wurde dort von zwei jungen Männern bedrängt, die ihre Geldbörse aus der Handtasche stahlen, die sie auf dem Rollator abgelegt hatte. Doch die jugendlichen "Ganoven" hatten die Rechnung ohne die rüstige Seniorin gemacht, die mit einer Trillerpfeife lautstark auf die Situation aufmerksam machte und so die Täter in die Flucht schlug.
"Wir stellen immer wieder Straftaten zum Nachteil älterer Menschen fest, und die Öffentlichkeit nimmt keine Notiz davon", so Hans-Jürgen Scholz, Leiter der Polizeistation Tostedt.
Nachgestellt wurde die Szene im Kaufhaus, wie sie vielfach in Supermärkten vorkommt, von Anni Zajkiewicz (87) sowie von den Gymnasiasten Marvin und Kareem (beide 14). Da solche Situationen auch eine ungewollte Eigendynamik entwickeln können, waren die Kassiererinnen des Kaufhauses, die Angestellten des Cafés und die Polizeileitstelle zuvor über die Aktion informiert worden.
Wie Opfer und Zeugen reagieren sollten, darüber klärten anschließend Karl-Heinz und Karin Langner sowie Carina von der Werth vom Weissen Ring und Polizeikommissarin Bianca Lange- Raudzis auf.
"Wenn man beraubt wird, ist es wichtig, den Vorfall schnell öffentlich und die Leute im Umfeld darauf aufmerksam machen", so der pensionierte Kriminalhauptkommissar Karl-Heinz Langner. Das könne etwa mit einer Trillerpfeife geschehen. "Laut zu schreien, hilft auch, aber das fällt älteren Menschen oft schwer", weiß Langner. Wer nicht selbst ins Geschehen eingreifen will, könne jederzeit über die 110 die Polizei alarmieren. Gut sei es auch, Zeugen direkt anzusprechen, etwa: "Sie in der hellen Jacke, merken Sie sich das Aussehen des Jungen."
Im Kaufhaus Bade reagierte auf den vermeintlichen Übergriff nur eine ältere Dame, die Anni Zajkiewicz zu Hilfe eilte. Kareem meinte anschließend etwas enttäuscht: "Ich habe mir gedacht, dass die Leute zwar gucken, aber denken: Damit will ich lieber nichts zu tun haben. Ich hätte mir aber gewünscht, dass jemand eingreift."

Karl-Heinz Langner und seine Kollegen vom Weissen Ring informieren in Seniorenheimen und Gruppen ab 20 Personen gerne über das Thema. Interessenten melden sich in der Außenstelle Harburg unter Tel. 0 41 65 - 2 16 04 70.