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Rettungskräfte als Bahn-Handlanger

Allein und hilflos auf dem Bahnsteig: Heike Christie konnte den Buchholzer Bahnhof wegen des defekten Fahrstuhls nicht ohne Hilfe verlassen (Foto: Bernd Wenske)
 
Die an Multipler Sklerose erkrankte Heike Christie ist auf den Rollstuhl und funktionierende Aufzüge angewiesen
bim. Buchholz. Defekte Fahrstühle an den Bahnhöfen in Buchholz und Tostedt entwickeln sich zum Dauer-Ärgernis. Und stellen Menschen wie Heike Christie (54) aus Handeloh, die an Multipler Sklerose erkrankt und auf den Rollstuhl angewiesen ist, vor unlösbare Probleme.
Als sie Mitte Juli nach einem schönen Tag in Hamburg nachts nach Hause wollte, „strandete“ sie auf Gleis 6 am Buchholzer Bahnhof, da der Aufzug mal wieder defekt war. „Es war 0 Uhr. Wen sollte ich anrufen?“, fragt Heike Christie, die schließlich telefonisch die Polizei um Hilfe bat. Zwei Beamte erlösten sie nach eineinhalb Stunden und trugen den schweren Elektro-Rollstuhl die Bahntreppe hoch, während ein Begleiter Heike Christie die Stufen hinauf half.
„Das Problem mit den defekten Fahrstühlen habe nicht nur ich. Ich sehe fast täglich, wie Behinderte, Rollstühle, Kinderwagen und Rollatoren per Hand die steile Treppe hochgeschleppt werden“, berichtet Heike Christie.
Der Fahrstuhl am Gleis 6 des Buchholzer Bahnhofs sei sogar rund acht Wochen kaputt gewesen, sagt Heike Christie. Während zunächst „Ausser Betrieb“ aufleuchtete, hing beim Ortstermin mit dem WOCHENBLATT ein Aufkleber an der Tür, auf dem zu lesen war: „Defekt! Ein Techniker wurde verständigt. Wir bitten um Ihr Verständnis.“ Wann der Fehler behoben wird, stand dort aber nicht. Interessant: Nachdem das WOCHENBLATT diesbezüglich eine Anfrage an die Pressestelle der Bahn gestellt hatte, ging es mit der Reparatur des Fahrstuhls recht zügig.
Wegen des defekten Fahrstuhls hätte Heike Christie allerdings beinahe auf eine lange geplante Reise nach Berlin verzichten müssen. „Wenn ich mit dem Zug fahren möchte, nutze ich häufig den Mobilitätsservice der Bahn. Ehrenamtliche helfen mir dann, von einem Zug zum anderen zu kommen. Als ich in der Vorwoche die Berlin-Fahrt anmeldete, sagte man mir, dass man den Auftrag nicht annehmen könnte wegen des defekten Fahrstuhls“, so Heike Christie. Sie hofft nun, dass der Aufzug „durchhält“ und sie verreisen kann.
Doch kaum ist ein Problem gelöst, taucht aber ein anderes auf: „In dieser Woche war der Fahrstuhl in Höhe des Kabenhofs defekt“, berichtet Heike Christie.

Während ihr die Polizei half, obwohl das nicht in deren Zuständigkeitsbereich gehört, mussten sowohl in Buchholz als auch in Tostedt häufiger die Freiwilligen Feuerwehren ausrücken, um Menschen, die schon über eine Stunde auf Hilfe gewartet hatten, aus steckengebliebenen Aufzügen zu befreien. Denn die Techniker der 3-S-Zentrale in Bremen, die über den Notruf-Knopf alarmiert werden können, haben weite Anfahrtswege.

Die Bahn reagiert auf Nachfragen zu den ständig wiederkehrenden Ausfällen und die lange Anfahrt der Servicetechniker überwiegend mit Standard-Antworten. So würden die Aufzüge in der Regel zuverlässig funktionieren. Und wegen des flächendeckenden Betriebs der Fahrstühle sei eine „Bündelung der Kompetenz“ an zentralen Stellen sinnvoll.

Das sagt die Bahn

Laut Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis sind die Aufzüge in diesem Jahr in Buchholz an Gleis 1/11 vier Mal, an Gleis 3/6 sieben Mal sowie am Bahnhof Tostedt an Gleis 1 vier Mal und an Gleis 3/4 vier Mal ausgefallen. Die Ursachen reichten vom defektem Türantrieb durch Vandalismus über unsachgemäße Bedienung bis zum gestörtem Notruf und technische Störungen.
Beim Fahrstuhl am Gleis 6 am Buchholzer Bahnhof sei die Seilzuganlage defekt. Die Reparatur dauere so lange, da es Lieferschwierigkeiten seitens des Herstellers für die erforderlichen Ersatzteile gebe.
Die Fahrstühle würden durch den Betreiber wöchentlich kontrolliert. Quartalsweise erfolge eine Inspektion und Wartung sowie jährliche eine TÜV-Prüfung. "Die Reparaturen, Wartungen und Inspektionen werden von Fachfirmen ausgeführt. Da wir Aufzüge flächendeckend betreiben, ist hier eine Bündelung der Kompetenz an zentralen Stellen sinnvoll", so Meyer-Lovis.
Dass die häufigen Defekte an minderwertigem Material liegen, will Meyer-Lovis nicht bestätigen. "Die Aufzüge sind per Rahmenvertrag von der Firma Thyssen bestellt und gebaut worden und entsprechen den vereinbarten Qualitätsstandards. Die Aufzüge sind in der gesamten im Einsatz und funktionieren in der Regel zuverlässig", so der Bahnsprecher.
Die Probleme mit den Aufzügen dauerhaft zu beheben, sei schwierig. "Da es sich um technische Einrichtungen handelt, lässt sich ein Ausfall trotz größter Sorgfalt nicht immer verhindern. Gerade auf kleineren Stationen in der Fläche ist der Anteil an Vandalismusschäden sehr groß", sagt Meyer-Lovis.