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Schiedsrichter Günter Knaack: Die Pfeiferei ist seine Passion

Seit über 60 Jahren ein eingespieltes Team: Lina und Günter Knaack
 
Günter Knaack ist Schiedsrichter mit Leib und Seele
bim. Welle. Kinder, die im Eifer schon mal versehentlich ins eigene Tor schießen oder Spieler, die nach einer roten Karte schnell die Trikots tauschen, um nicht vom Platz geschickt zu werden - Günter Knaack aus Welle (Samtgemeinde Tostedt) ist der älteste Schiedsrichter im Niedersächsischen Fußballverband, Kreis Harburg, und hat schon einiges erlebt. "Man muss immer versuchen, die richtige Ansprache zu finden", sagt der 82-Jährige, dem das seit fünf Jahrzehnten gelingt. Dass er nach 50 Jahren immer noch nicht genug von der "Pfeiferei" hat, wie er es nennt, liegt sicherlich an seinem liebenswert-fröhlichen Naturell.
Fast an jedem Wochenende steht Günter Knaack auf heimischem Rasen oder auf den Plätzen im Landkreis, um Kinder- und Jugendspiele zu pfeifen. Dass er nur rund 200 Meter vom Fußballplatz seines Stammvereins, dem TV Welle, entfernt wohnt, kommt seinen Vereinskollegen gelegen. "Ein Anruf genügt, und schon bin ich da", sagt Günter Knaack, der auch öfter mal spontan für jüngere Kollegen einspringt.
Von 1956 bis 1996 spielte Günter Knaack selbst Fußball im SC Hamm 02. Schiedsrichter wurde er im Jahre 1967 in Hamburg. "Die Hamburger Spiele waren fast ausschließlich Länderspiele", meint er augenzwinkernd zu den international besetzten Mannschaften. "Da ist eine etwas andere Stimmung auf den Plätzen als hier", sagt er. Seit ca. 15 Jahre ist er im TV Welle.
Der 1,63 Meter-Mann hat viel Humor und nimmt sich selbst nicht zu ernst. "Wer mich nicht kennt, sagt erstmal, 'der laufende Meter'. Ich muss mich eben zweimal durchsetzen - mit meiner Persönlichkeit und bei der Anwendung des Regelwerks", erläutert Günter Knaack und lächelt verschmitzt.
17 Regeln gelte es bei den Fußballspielen zu befolgen. Diese seien eigentlich leicht zu lesen, "aber alle wollen die Regeln nach ihrer Fasson durchsetzen. Meine Entscheidungen werden nicht angezweifelt, aber sie passen dem Verein nicht, der sich dadurch benachteiligt fühlt", so Günter Knaack. Gibt es Unstimmigkeiten, heißt es Ruhe bewahren und wütende Betreuer oder Eltern erstmal austoben lassen.
Viel Kritik einstecken zu müssen, sei sicherlich ein Grund, warum es schwierig ist, Schiedsrichter-Nachwuchs zu finden. "Der Schiedsrichterausschuss bildet im Jahr 60 bis 80 Schiedsrichter aus, aber nur wenige bleiben dabei", weiß Günter Knaack, der damals in Hamburg sechs Jahre lang als Lehrwart selbst Schiedsrichter mit ausbildete. Die große Fluktuation belegt auch die Statistik: Zwischen 1996 und 2016 sind gerade mal zehn neue Schiedsrichter dazu gekommen.
Außerdem müssen die Unparteiischen auch abseits des Platzes einiges an Zeit investieren. "Die Schiedsrichter im Kreis müssen jedes Jahr eine Leistungsprüfung ablegen und eine Arbeit über die aktuellen Regeln schreiben. Dafür müssen mindestens sechs von zehn Lehrabenden besucht werden", erläutert Günter Knaack.
Nicht nur mit seiner Laufleistung bei Spielen, bei denen schon mal sieben Kilometer zusammen kommen können, hält sich Günter Knaack fit. Zweimal pro Woche ist er auch im Fitnessstudio Tostedt anzutreffen.
Der gelernte Zimmermann, der von 1972 bis zu seiner Pensionierung bei der Gewerkschaft Bau, Steine, Erden als Rechtssekretär angestellt war, lebt mit seiner Frau Lina seit Mitte der 1990er Jahre in Welle in seinem "Knaack-Hausen". Sie war früher regelmäßig mit auf dem Platz, wenn ihr Günter pfiff. Mit dem Pfeifen und dem Fußballspiel hat sie sich arrangiert. Nachdem ihr Mann und einer der Söhne sonntags zu wechselnden Zeiten auf den Plätzen waren, kochte sie samstags und wärmte das Essen am Tag darauf nach Bedarf auf. Im vergangenen Februar feierte das Paar diamantene Hochzeit.
Und auch bei den Nachbarn ist Günter Knaack beliebt: Wegen seiner Hilfsbereitschaft nennen sie ihn liebevoll den "Bürgermeister vom Birkenweg".

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