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Sie vermittelt zwischen den Kulturen

Diese Speisetafeln, die Johanna Grünhagen selbst entwickelt hat, funktionieren auch bei Sprachbarrieren
bim. Handeloh. Kulturelle Unterschiede können eine Bereicherung sein, aber auch zu Verunsicherung und Missverständnissen führen - so wie es jetzt häufig zu spüren ist, da Tausende Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Johanna Grünhagen (39) aus Handeloh ist Trainerin für interkulturelle Kompetenz und hilft, kulturelle Unterschiede besser zu verstehen. Derzeit schult sie ehrenamtlich die Flüchtlingshelfer in ihrem Wohnort.
Regulär ist die studierte Diplom-Pädagogin, die sich 2009 mit einer Firma selbstständig gemacht hat, in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern tätig und hilft beim Verständnis von Menschen mit Migrationshintergrund. Für ihre Arbeit dort hat sie Speisetafeln entwickelt, mit denen nicht-deutschsprachige Patienten im Krankenhaus ihre Speisenwünsche per Fingerzeig deutlich machen können.
Derzeit ist Johanna Grünhagen vermehrt gefragt bei allen Institutionen, die mit Flüchtlingen zu tun haben: u.a. Jobcenter, Finanzamt und Polizei.
"Es gibt nicht den Islam oder die muslimische Kultur", betont die Handeloherin. Dennoch gibt es "klassische" Missverständnisse. Beispiel Haustiere: Eine Dame brachte zu einem Treffen mit Flüchtlingen einen Hund mit. "In unserer Kultur kann mit einem Tier Vertrauen aufgebaut werden", so die 39-Jährige. Bei einigen muslimischen Teilnehmern stieß das Mitbringen des Vierbeiners allerdings auf völliges Unverständnis, wird ein Hund doch eher als unreines Tier betrachtet. Tiere im Haus zu halten, gelte als unhygienisch.
"Man kann nicht nur durch Handlungen, sondern auch durch Gesten in Fettnäpfchen treten", weiß Johanna Grünhagen. So bedeutet "Daumen hoch" für viele Menschen: "super, gut gemacht". Nicht so für Menschen aus Afghanistan, Iran und Irak, wo diese Geste als Beleidigung aufgefasst werden könnte. Allerdings seien die meisten hier ankommenden Flüchtlinge bereits mit der westlichen Kultur in Kontakt gekommen und wüssten um die "Daumen hoch"-Bedeutung.
Auch Blickkontakt bei der Kommunikation wird in Deutschland anders als in manchen anderen Kulturen bewertet. "Bei uns bedeutet direkter Blickkontakt: Ich bin ehrlich, habe ein reines Gewissen. In den meisten asiatischen und vielen afrikanischen Ländern zeigt man hingegen Respekt, wenn man wegschaut. So sollten Jüngere den Älteren und Bedienstete nicht ihrem Chef direkt in die Augen schauen", erläutert Johanna Grünhagen.
Sie hat die Erfahrung gemacht, dass viele Ängste gegenüber den Fremden verschwinden, wenn man das Gespräch mit ihnen sucht. "Wir neigen dazu, Menschen in Religionen und Nationalitäten aufzuteilen, aber jeder hat seine eigene Lebenswelt. Kultur ist nicht statisch. Man kann durch Begegnungen voneinander lernen und Werte neu aushandeln", so Johanna Grünwald.