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"Silberhochzeit" der Partnerschaft zwischen Tostedt und Lubaczow

Lubaczows Bürgermeister Krzysztof Szpyt (li.) überreichze Tostedts Bürgermeiystr Gerhard Netzel ein Bild vom Marktplatz in Lubaczow
 
Gerhard Netzel (li.) überreichte Lubaczows Bürgermeister Krzysztof Szpyt eine kleine Version des Gemäldes von Künstler Ingo Thalmann, dessen Original im Rathaus hängt
bim. Tostedt. „Silberhochzeit“ feierte jetzt die Partnerschaft zwischen Tostedt und Lubaczow - so zumindest bezeichnete Tostedts Bürgermeister Gerhard Netzel das 25-jährige Bestehen dieser Deutsch-Polnischen Freundschaft während der Jubiläumsfeier im Hotel Wiechern. Vielfach wurde dabei auch an die „Mutter der Städtepartnerschaft“, an die vor zwei Jahren verstorbene Ruth Zuther erinnert, die sich stets mit viel Engagement und Herzblut für diese Deutsch-Polnische Völkerverständigung eingesetzt hatte.
Der Erfolg dieser Städtepartnerschaft habe aber viele Mütter und Väter, so Netzel. Denn solche Partnerschaften lebten von den Begegnungen und den freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Bürgern beider Länder. 
Dennoch stelle sich die Frage, wie dauerhaft der Zustand der friedlichen Offenheit in Europa sei, wo der Wille, nationale und europäische Identität miteinander zu verbinden, in weiten Teilen der europäischen Bevölkerung einem neuen Misstrauen weiche. Die Finanzkrise in der Eurozone, Kriege und Krisen in den östlichen Nachbarstaaten durch die imperiale Politik Wladimir Putins, isolationistische Tendenzen in den USA, der Austritt Großbritanniens aus der EU sowie die Kriegssituation im Nahen Osten und Nordafrika mit der damit verbundenen Flüchtlingsproblematik seien Angelegenheiten, „die uns alle betreffen und die wir nur gemeinsam lösen können.“
Netzel bedankte sich bei allen, die die Partnerschaft zwischen Tostedt und Lubaczow in den vergangenen 25 Jahren mit Leben erfüllten, den Teilnehmern der Begegnungen, der Deutsch-Polnischen und der Polnisch-Deutschen Gesellschaft sowie Tostedts Gymnasium und Realschule, die mit ihren Schüleraustauschen dazu beitragen, dass der „Bau eines gemeinsamen Hauses Europa für Frieden in Freiheit erfolgreich weitergeführt werden kann.“
Lubaczows Bürgermeister Krzysztof Szpyt erinnerte an die Anfänge der Städtepartnerschaft, die in die entscheidende Zeit fielen, als Polen sich aufmachte, nach langjährigem Sozialismus ein Teil Europas zu werden, getragen vom Enthusiasmus für den Wandel. „In dem Moment haben wir mit Tostedt einen Freund gefunden, der uns mit Rat und Tat zur Seite stand“, sagte Szpyt. Dem schloss Szpyt eine Aufzählung von Errungenschaften an wie u.a. Schul-
modernisierungen, Krankenhaus- und Straßenbau sowie die großen wirtschaftlichen Projekte, u.a. ein Industriepark, der in Lubaczow gegründet werden soll. Diese Ausführungen verband Lubaczows Bürgermeister mit dem Vorschlag einer neuen Ebene der partnerschaftlichen Zusammenarbeit: dem wirtschaftsbezogenen Austausch.
Gelobt wurde die „vorbildliche Partnerschaft“ auch von Adam Borkowski, Vizekonsul der Republik Polen. Er sprach auch die - insbesondere von deutschen Politikern und Journalisten - geäußerten „Sorgen über das, was derzeit in Polen vorgeht“, an und meinte damit die Justizreform, die der Regierung mehr Macht über die Gerichte gibt und laut Kritikern die Unabhängigkeit der Justiz und damit die Gewaltenteilung in Polen gefährdet. „Die Pressefreiheit und die Rechtsstaatlichkeit werden in Polen gepflegt. Es gibt keine Bedrohung der demokratischen Werte“, erklärte Borkowski.
„Wir als Deutsch-Polnische Gesellschaft (DPG) sehen die gegenwärtige Entwicklung nicht so positiv“, meinte dazu Gerd Hoffmann, stv. Vorsitzender des Bundesverbandes der DPG. Er würdigte ebenso das „starke, beispielhafte, parteiübergreifende, bürgerschaftliche Engagement“ der Beteiligten der Städtepartnerschaft. Die fast 700 Deutsch-Polnischen Partnerschaften seien die Stabilisatoren, um die engen Beziehungen zu erhalten, zu festigen und weiter zu entwickeln.
Anette Randt, stv. Landrätin des Landkreises Harburg, griff Netzels ursprünglichen Vergleich der Silberhochzeit wieder auf: „Eine Partnerschaft funktioniert in guten wie in schlechten Zeiten. Ich wünsche mir, dass dieser Austausch noch eine lange Tradition hat.“
Musikalisch umrahmt wurde die Jubiläumsfeier vom Ensemble Cellissimore, das u.a. beiden Nationalhymnen als auch die Europa-Hymne „Freude schöner Götterfunken“ intonierte, bevor sich die Gäste in Gesprächen austauschten.