Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

"Tatort Labor" in der Zukunftswerkstatt Buchholz: Erwachsene erforschen die eigene Identität

Bei manchen Unzersuchungen muss man einen Ganzkörperschutzanzug tragen - so wie hier Klaus Hettwer
 
Dr. Constanze Holz (2. v. li.) erläutert den Teilnehmerinnen, wo das DNA-Wölkchen im Glas zu sehen ist
bim. Buchholz. Krimiserien wie CSI über amerikanische Tatort-Ermittler haben in deutschen Wohnzimmern Hochkonjunktur, Fachvorträge wie die des Kriminalbiologen Dr. Mark Benecke erfreuen sich bei Menschen jeden Alters großer Beliebtheit. Unter dem Titel "Tatort Labor" tauchten nun einige Erwachsene in die Geheimnisse der Forensik ein - und zwar in der Zukunftswerkstatt in Buchholz, in der normalerweise Kinder und Jugendliche in spannenden Experimenten an Naturwissenschaften herangeführt werden. Unter den Hobby-Kriminalisten auch die WOCHENBLATT-Mitarbeiterinnen Anke Settekorn und Bianca Marquardt.
Nach einem kurzen Film und einer Einleitung von Jenny Winkler, hauptamtliche Kraft der Zukunftswerkstatt, gehen die Teilnehmer in drei Gruppen ans Werk. Sie produzieren und analysieren Fingerabdrücke, isolieren die Erbgut tragende DNA (deoxyribonucleic acid) und üben das Pipettieren bei der Elektrophorese, bei der geladene Teilchen oder gelöste Moleküle durch ein elektrisches Feld wandern und eine Art Strichcode für die DNA-Analyse hinterlassen.
Schnell wird klar: Ohne Haarband und Mundschutz - wie in den TV-Serien die Darsteller ans Werk gehen - funktioniert es in der realen Kriminalistik nicht. Im Labor sind Kittel, Schutzbrillen und Mundschutz oder beim Abpudern von Fingerabdrücken sogar Ganzkörperanzüge angesagt.
Wir erfahren: Fingerabdrücke bestehen zu 98,5 Prozent aus Wasser und nur zu einem geringen Anteil aus Fett, das für den Abdruck verantwortlich ist. Anhand der einzigartigen Papillarleisten - den Rillen in Form von Schleifen, Bögen und Wirbeln auf der Fingerhaut - und den "Minutien" (Merkmalen wie u.a. endende, auseinander und wieder zusammen laufende oder gespaltene Linien) lassen sich Personen eindeutig ermitteln.
Gerade die Minutien sind es, die die Fingerabdruck-Gruppe lange beschäftigen. Und auch wenn echte Ermittler Abdrücke durch eine Datenbank, das Automatisierte Fingerabdruck-Identifizierungs-System (AFIS), laufen lassen können, ist es letztlich ein erfahrener Sachbearbeiter, der entscheidet, ob die Abdrücke tatsächlich einer bestimmten Person zuzuordnen sind, erläutert Jenny Winkler.
Auch interessant: Die DNA in einer einzigen Zelle ist auseinander gewickelt zwei Meter lang.
Um die DNA zu gewinnen, müssen die Teilnehmer einen Milliliter Spülmittel und ebenso viel Wasser in ein Zentrifugenröhrchen geben. Danach spülen sie zunächst mit Leitungswasser, dann mit einer Salzwasserlösung den Mund aus, um Zellen aus der Mundschleimhaut zu gewinnen, und spucken drei Milliliter dieser "Mischung" ins Röhrchen. Im Fernsehen und in der Kriminalistik funktioniert das auch mit einem dicken Wattestäbchen, aber dort sind auch teurere Analyse-Gerätschaften im Einsatz, erklärt Dr. Constanze Holz. Die so gewonnene Speichelprobe kommt zum "Vortexen" - zum Durchmischen durch Vibration - , danach in eine Zentrifuge und dann bei 60 Grad für zehn Minuten in den Ofen. So wird die Zelle aufgebrochen und die DNA freigesetzt. Die nach Zugabe von Ethanol aufsteigenden "Fäden" sind die DNA.
"Jetzt schauen wir, wer mit wem verwandt ist", scherzt Dr. Contanze Holz zum Amüsement der Teilnehmer.
Die waren ohnehin alle gut drauf, wurden sie von den Haupt- und Ehrenamtlichen der Zukunftswerkstatt doch bestens betreut. Das Resümee der WOCHENBLATT-Mitarbeiterinnen: "Wir viel gelernt, werden den ein oder anderen CSI-Einsatz nun kritischer hinterfragen und haben noch größeren Respekt vor den echten Forensikern."
Übrigens: Wenn sie auch nicht kriminell sind: den schönsten "Fingerabdruck" haben Koalabären, der ist nämlich herrlich symmetrisch.

Weitere Termine:

• 24. Mai, um 19 Uhr: "Mathe, Physik und IT bei der Ermittlung" (Phantombilder, Größenbestimmung, UV & Luminiszenz, Ballistik, Sounds, Lacke)
• 31. Mai um 19 Uhr: Vortrag "Nicht crackbare Kryptographie" mit Wulf Harder, Gründer der führenden Unternehmen im Bereich der Verschlüsselungstechnik wie QuBalt;
• 14. Juni um 19 Uhr: Vortrag "Täterjagd mit Faserspuren" Oliver Appel (Landeskriminalamt Hamburg).
Infos unter www.zukunftswerkstatt.buchholz.de.