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Tostedter Kommissar "hat fertig"

Karl-Heinz Langner vor der jetzigen Polizeidienststelle...
 
...und vor dem Polizei-Anbau, der derzeit am Rathaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite entsteht
bim. Tostedt. "Ich habe fertig" - mit diesen Worten verabschiedete sich jetzt der Erste Kriminalhauptkommissar Karl-Heinz Langner (63) nach 16.850 Tagen - nach über 45 Jahren - aus dem Polizeidienst. Seinen Dienstausweis und seine Dienstmarke hat er abgegeben. Sieben Jahre lang leitete Langner die Dienststelle in Tostedt und hat in Zusammenarbeit mit Verwaltung und Ordnungsamt maßgeblich dazu beigetragen, dass die rechtsextremistische Szene dort weniger präsent ist.
"Wir haben einfach mal einen anderen Ansatz versucht. Ich glaube, dass wir damit erfolgreich waren. Das Phänomen, dass es Leute mit rechtem Gedankengut gibt, lässt sich nicht beseitigen. Aber man muss darauf achten, ihnen keinen Raum zu geben und frühzeitig Präventionsarbeit leisten", so Langner, der auch dem Tostedter Präventionsrat angehörte.
Seine Polizeilaufbahn begann der gebürtige Braunschweiger 1967 an der Polizeischule in Hannoversch-Münden. Als er 1970 gegen seinen Willen nach Buchholz versetzt wurde, wollte er nach Australien auswandern. "Aber in der Außenstelle der australischen Botschaft sagte man mir, ich solle doch erstmal einen richtigen Beruf erlernen", erinnert sich Karl-Heinz Langner, der daraufhin seine Versetzung akzeptierte.
Nach drei Jahren als Schutzpolizist in der Nordheidestadt wechselte er ins Kriminalkommissariat. Eine weitere Veränderung ergab sich, als es in Hamburg eine große Bankraubserie gab und Langner in die dortige Ermittlungsgruppe aufgenommen wurde. "Das eine Jahr war sehr spannend und prägend. Ich hatte mit unterschiedlichsten Dienststellen in ganz Deutschland zu tun." Danach wieder "normalen" Dienst zu schieben und etwa einen Gartenlaubenaufbruch in Buchholz aufzuklären, fand Karl-Heinz Langner frustrierend. Doch 1986 eröffnete sich ein neues aufegendes Betätigungsfeld: "Wir hatten im Landkreis viele Einbruchsdelikte, aber keine Hehlereistraftaten. Man fragte sich: Wo bleibt das Diebesgut eigentlich?", erzählt Langner, der in der entsprechenden Ermittlungsgruppe bei der Aufklärung half. Ab Ende 1989 half er u.a. bei der Aufklärung spektakulärer internationaler Kunst- und Antiquitätendiebstähle und war anschließend bis 2004 intensiv mit internationalem Rauschgiftschmuggel befasst. "Da war ich in vielen europäischen Ländern unterwegs und habe tolle Erfahrungen mit ausländischen Kollegen gemacht", sagt Langner.
2006 entschied er sich, zurück zu seinen Wurzeln zu gehen, und bewarb sich als Dienststellenleiter in Tostedt. Viele Tostedter bezeichnen das als Glücksfall.
Neben der Prävention von Rechtsextremismus und dem Schul-Gewaltpräventionsprojekt "Wir sind stark" engagierte sich Karl-Heinz Langner auch in Zusammenarbeit mit der Samtgemeinde bei der Vorbeugung von Fahrraddiebstählen und Einbrüchen. "Prävention ist nicht messbar", sagt der Kriminalhauptkommissar. Allerdings: Ist die Präventionsarbeit erfolgreich und werden weniger Straftaten registriert, wird seitens des Landes schnell wieder die Personalsituation in Frage gestellt nach dem Motto: "Es passiert ja nichts, dann brauchen Sie auch nicht so viel Personal". Eine Auffassung, die bei der jetzigen Verabschiedung Lagners im Beisein von Vertretern der Samtgemeinde, der Feuerwehr, des Ordnungsamtes und der Resofabrik für allgemeines Kopfschütteln sorgte.
Privat ist Karl-Heinz Langner seit 36 Jahren mit seiner Frau Karin verheiratet. Die beiden haben zwei erwachsene Söhne, Sven (36) und Tim (26). Der 63-Jährige liebt Fitness, Radfahren und seit neuestem auch "Holzmachen". Denn um der Feuerwehr die Arbeit zu erleichtern und unnötige Einsätze bei Ästen auf der Straße zu verhindern, ließ sich Karl-Heinz Langner kürzlich zum Motorkettensägen-Führer ausbilden. Dafür verlieh ihm Tostedts Gemeindebrandmeister eine entsprechende Urkunde.
Langweilig wird es Langner auch nach "Dienstschluss" nicht. "Ich habe erstmal den Reparaturstau abzuarbeiten, den meine Frau für mich vorgesehen hat", sagt er. Außerdem hat er sich Reisen, Segel- und Radtouren vorgenommen. Engagieren will er sich zudem weiterhin in der Opferhilfsorganisation "Weisser Ring".
Und bei der Einweihung des Polizei-Anbaus am Tostedter Rathaus, dessen Realisierung Karl-Heinz Langner von Anfang an begleitet hat, wird er in jedem Fall dabei sein.