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Tragischer Tod auf dem Weg zur großen Liebe: Das Schicksal des Alfons Hügle

Alfons Hügle war besorgt um seine Verlobte, beging Fahnenflucht in einem deutschen Militärflugzeug und wurde kurz vor Kriegsende von einem Britischen Abfangjäger abgeschossen (Foto: privat)
 
Hans-Joachim Bethge fand Teile der abgestürzten Siebel 204 und recherchierte dessen Geschichte
bim. Königsmoor. Es ist der 28. April 1945. Ein junger Pilot, der in Dänemark stationiert ist, macht sich Sorgen um seine Verlobte in der Heimat. Der 22-Jährige nimmt all seinen Mut zusammen, packt Lebensmittelvorräte ein und macht ein Flugzeug - eine „Siebel 204“ - startklar, um mit seinem Kameraden nach Kaufbeuren (Bayern) zu fliegen und ihr beizustehen. Nicht ahnend, dass die Tage des Krieges gezählt sind. Doch ihr Ziel erreichen die beiden nicht. Sie werden von vier britischen Abfangjägern abgeschossen, die Maschine stürzt in Königsmoor (Samtgemeinde Tostedt) ab. Eines von zahllosen tragisch-traurigen Schicksalen, das umso betroffener macht, weil das Grauen des Krieges ein Gesicht und einen Namen bekommt: Es handelt sich um Alfons Hügle und Julius Schäffler. Auf deren Spuren begab sich jetzt der Tostedter Hans-Joachim Bethge (57), nachdem er Überreste des Flugzeugs auf einer Wiese fand.
In Gesprächen mit Zeitzeugen und dem Heimatforscher Karl Ruschmeyer erfuhr er vom Absturz des deutschen Flugzeugs. Bethges Neugier war geweckt. Er suchte Wiesen in Königsmoor ab und fand vergangenen November nach und nach mehrere Metallteile sowie eine Tachoscheibe. Mit der konnte der 57-Jährige sogar einen jahrzehntelangen Irrtum widerlegen, nämlich, dass es sich bei dem abgeschossenen Flugzeug nicht - wie stets berichtet - um eine JU 88 gehandelt habe. „Der Tacho der JU 88 zeigt bis 700 km/h an. Diese Tachoscheibe geht nur bis 550 km/h“, so der Hobby-Archäologe, der im Internet weiter forschte und u.a. über ein Luftwaffenforum mehr über das deutsche Flugzeug erfuhr.
„Als ich wusste, was es für eine Maschine ist, fand ich schnell heraus, wer drinnen saß“, erzählt Bethge. Über die Namen der Insassen erhielt er auch Kontakt zu der Autorin Agnes Moosmann, die mit Alfons Hügle zur Schule gegangen sei und sein Schicksal für ihr Werk „Chronik der im Zweiten Weltkrieg gefallenen und vermissten Soldaten der Gemeinde Bodnegg 1939-1945“ bereits dokumentiert hatte.
Dass ausgerechnet über Königsmoor, dem jüngsten Dorf des Landkreises Harburg und mit rund 650 Einwohnern einem der kleinsten, ein heftiger Luftkrieg tobte, erklärt sich durch den damaligen Bahnhof und die gut ausgebaute Bahnstrecke Hamburg-Bremen, die für den Transport von (Rüstungs-)Gütern von Bedeutung war.
„Das Flugzeug brannte bereits, als es noch in der Luft war, und flog eine scharfe Kurve, um nicht auf ein Haus zu stürzen“, berichtet Carl Marquardt (82). Er war damals zehn Jahre alt und mit seinem zwölfjährigen Bruder Heinrich (†) einer der ersten an der Absturzstelle. „Der Anblick war schrecklich“, erinnert er sich an den Anblick der leblosen Körper. Alfons Hügle lag noch halb unter der Maschine, Feldwebel Schäffler war rund fünf Meter aus dem Flugzeug geschleudert worden.
Alfons Hügles Verlobte Maria erfuhr erst ein Jahr später von dessen Schicksal. „Durch seine Angst, mir würde etwas passieren, seine Ungeduld und Tatendrang hat Alfons sein Leben aufs Spiel gesetzt“, schrieb Maria später in einem Brief, der Hans-Joachim Bethge vorliegt. Sie ist heute 95 Jahre alt, hat einen lieben Mann gefunden und geheiratet und zwei Kinder bekommen. Aber ihre erste große Liebe Alfons hat sie nie vergessen. „Sie hat alle seine Briefe aufbewahrt. Am Telefon sagte sie: 'Warum musste er diese Dummheit machen?'“, berichtet Hans-Joachim Bethge von einem Telefonat mit ihr. Alfons Hügle fand seine letzte Ruhestätte neben seinem Kameraden Julius Schäffler in der Kriegsgräberstätte in Tostedt.