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Wasserentnahme in der Nordheide kritisch hinterfragt

Stellten sich den Fragen der Schüler: Dr. Hermann Kukowski von Hamburg Wasser (li.) und Holger Mayer, Sprecher der Naturschutzverbände im Landkreis Harburg
 
Die kritischen Schüler des Gymnasiums Altona vor dem Naturkundlichen Museum in Handeloh mit (hinten v. re.): Holger Mayer, Dr. Hermann Kukowski und Museumsleiter Dr. Klaus Hamann
bim. Handeloh. Wie wirkt sich die Heidewasserentnahme auf Flora und Fauna aus? Dem gingen jüngst Hamburger Gymnasiasten im Büsenbachtal in Handeloh nach. Sie sind täglich mit dem Produkt aus der Nordheide konfrontiert und wollten nun mehr über Preise und Nachhaltigkeit erfahren. Ihren kritischen Fragen stellten sich der Diplom-Agraringenieur Dr. Hermann Kukowski, bei Hamburg Wasser (HW) zuständig für Wasserwirtschaft und Ressourcenmanagement, und Holger Mayer, Sprecher der Naturschutzverbände im Landkreis Harburg.
Der Verkaufspreis von Wasser betrage derzeit 1,61 Euro pro Kubikmeter, 80 Prozent davon seien fixe Kosten, u.a. für die Unterhaltung der Rohrnetze und Anlagen und fürs Personal, so Kukowski. Die Wasserversorgung sei eine soziale Aufgabe. Auch wenn säumigen Kunden der Hahn zugedreht würde, müsse HW ihnen die Wasserentnahme aus einer öffentlichen Zapfstelle ermöglichen.
Den oft gehörten Vorwurf, Hamburg Wasser verkaufe Heidewasser nach Lübeck, wies Kukowski zurück. "Das funktioniert technisch und rechtlich nicht", sagte er. "Lübeck wird vom Wasserwerk Großhansdorf versorgt, bis zu fünf Millionen Kubikmeter Wasser müssen wir den dortigen Stadtwerken liefern", erklärte Kukowski.
"Wird das Wasser auch für künftige Generationen reichen?", wollte eine Schülerin wissen. In Hamburg, so ist Kukowski sicher, werde das Angebot an für Trinkwasser verwendbarem Wasser ausreichen. Diese Aussage relativierte Holger Mayer: "Es gibt viele Umweltfaktoren, die wir noch gar nicht einschätzen können, wie den Klimawandel mit mehr Starkregen sowie mehr Niederschlägen im Winter und weniger im Sommer. Wasser, das auf einen Schlag runterkommt, landet in der Nordsee und nicht im Grundwasser", sagte er und forderte eine verantwortliche Wasserförderung.
Die Grundwasserneubildung sei dennoch ein ständiger Prozess, so Hermann Kukowski. In der Nordheide gebe es zwischen 200 und 230 Millionen Kubikmeter Grundwasser, von dem nur ein kleiner Teil - knapp 30 Millionen Kubikmeter - genutzt werden, u.a. in der Land- und Forstwirtschaft. Und von dem "kleinen Teil" möchte Hamburg Wasser immerhin noch - wie beantragt - 16 Millionen Kubikmeter jährlich haben. "Aus unserer Sicht ist das überhaupt kein Problem", so Kukowski. Wieviel Grundwasser genutzt werden dürfe, gebe das Landesamt für Bergbau vor, und diese Mengen würden von den Behörden kontrolliert.
Seit 1982 entnimmt Hamburg Wasser Grundwasser aus der Nordheide. Im oberflächennahen Bereich habe seither eine Grundwasser-Absenkung von zehn bis 30 Zentimetern stattgefunden, so Kukowski. Davon betroffen sind etwa die Obere Este, die Toppenstedter Aue und die Schmale Aue. "Auswirkungen auf Flora und Fauna sind bisher nicht nachgewiesen. Wir sind sicher, dass wir auch künftig keine Schäden verursachen", meinte Kukowski.
Holger Mayer betonte, dass man diese Absenkung in der Fläche sehen müsse. "Das sind sechs Millionen Kubikmeter Wasser, die pro Jahr in der Este fehlen."
Im Hinblick auf die untersuchten Auswirkungen verwies Hermann Kukowski u.a. auf Umweltverträglichkeitsprüfung, Grundwasser-Messstellen und Grundwasserströmungsmodelle. "Wir sehen die Untersuchungsflächen kritisch", so Holger Mayer. Denn diese müssten den sich ändernden Bedingungen angepasst und nicht nur historisch begründet sein.
Wenn die Gymnasiasten auch nicht von den Auswirkungen der Wasserentnahme in der Nordheide betroffen sind, hat sie diese Fragerunde doch sicherlich nachdenklich gestimmt, bewusster mit der Ressource Wasser umzugehen.