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Wer hat Angst vor der "schwarzen Frau"? - Tostedterin wurde auf übelste Weise beleidigt

Rocio Picard wurde beleidigt (Foto: archiv)
bim. Tostedt. Rocio Picard (64) aus Tostedt ist fassungslos: „Ich lebe seit fast 50 Jahren friedlich und unbehelligt in Deutschland. Und nun das!“ Die dunkelhäutige Frau aus Ecuador ist vielen Bewohnern im Ort bekannt und sehr beliebt. Sie engagiert sich u.a. im Forum für Zivilcourage und als unabhängige Ratsfrau im Gemeinderat. Als sie Freitagabend von einem Besuch in einem Seniorenheim nach Hause geht, wird sie aus heiterem Himmel von einem ihr unbekannten, ca. 25-jährigen Mann im Vorbeigehen angepöbelt mit den Worten: „Scheiß Neger-Schlampe“.
Das ließ die couragierte Frau nicht auf sich sitzen: Sie ging auf den jungen Mann zu und fragte: „Warum beleidigen Sie mich? Was habe ich Ihnen getan?“ Daraufhin sei der Mann erschrocken aufgesprungen und davon gerannt. „Er hat wohl nicht damit gerechnet, dass ich Deutsch spreche“, vermutet Rocio Picard.
Sie rief ihren Sohn zuhilfe. Gemeinsam wollten sie den Mann in einer Parallelstraße zur Rede stellen. Der drehte „den Spieß“ plötzlich um und behauptete gegenüber einem vorbeikommenden Autofahrer, Rocio Picard sei wie eine Furie auf ihn losgegangen und habe ihn beraubt. Unterstützung bekam der junge Mann von seiner inzwischen eingetroffenen Freundin, die extrem aggressiv gewesen sei und sie und ihren Sohn angeschrien habe, berichtet die 64-Jährige weiter. Während sie die Polizei rief, habe ihr Sohn dem Mann das Handy weggenommen, damit der nicht flüchtet, bis die Beamten eintreffen.
„Es ist traurig, dass es Menschen mit einer solchen Einstellung gibt. Wie sollen darauf Ausländer reagieren, die kein Deutsch sprechen?“, fragt sie sich. Rocio Picard hat Anzeige wegen Beleidigung erstattet.

Bei der rassistischen Beleidigung von Rocio Picard scheint es sich glücklicherweise um einen Einzelfall zu handeln. Weder die Polizei noch Ewald Wehkamp, der bei der Samtgemeinde Ansprechpartner für Flüchtlingsfragen ist, haben bisher von derartigen offenen Beleidungen dunkelhäutiger Menschen erfahren.
Rocio Picard hat gegen den jungen Mann jedenfalls Anzeige wegen Beleidigung gestellt. Die Ermittlungen laufen.
Eine Beleidigung gilt als Straftat, die in der Regel mit einer Geldstrafe geahndet wird. Wie hoch diese ausfällt, richtet sich nach den sozialen Verhältnissen des Beschuldigten, erklärt ein Sprecher der Polizeiinspektion Harburg.
Laut Paragraf 127, Absatz 1, der Strafprozessordnung sei es zwar jedermann erlaubt, einen Beschuldigten, dessen Personalien nicht bekannt sind, bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten. Das Handy wegzunehmen - wie in diesem Fall - um ihn an der Flucht zu hindern, sei aber nicht ratsam. Über allem stehe die Maßgabe der Verhältnismäßigkeit und der Deeskalation. Besser sei, die Polizei zu rufen und den Standort des Beschuldigten anzugeben.