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"Wir brauchen Bienen zum Überleben!"

Pollen sind für Bienen wichtiger Eiweißlieferant (Foto: Constantincornell@fotolia)
 
Silke und Sven Behr vor dem Bienenvolk, das eine neue Königin erhält
 
Blühende Flächen sind wichtige Nektar- und Pollenlieferanten (Foto: Behr)
(bim). Mit einer spektakulären Aktion machten das niedersächsische Umweltministerium und der Discounter Penny in dieser Woche auf das Sterben von Bienen und Co. und dessen dramatische Folgen aufmerksam. 60 Prozent des gesamten Sortimentes würde aus den Regalen verschwinden - nicht nur Obst und Gemüse, sondern z.B. auch Gewürze, Gummibären und Wattestäbchen. Weil es immer weniger der fleißigen Bestäuber gibt, haben die Vereinten Nationen für den morgigen Sonntag, 20. Mai, den ersten Weltbienentag ausgerufen. Zwei, die wissen, wie es um die beflügelten Pollensammler bestellt ist, sind Bestäubungsimker Sven Behr und seine Frau Silke.
Bereits vor zehn Jahren warnte Sven Behr im WOCHENBLATT vor den Konsequenzen des Bienensterbens, gemäß des Albert Einstein zugeschriebenen Zitats: „Wenn die Biene von der Erde verschwindet, dann hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.“
Nun, da sogar blühende Rapsfelder buchstäblich stumm bleiben und Gartenbesitzer merken, dass bei ihnen nichts mehr summt, ist das drohende Bienen- und Insektensterben in aller Munde. „Wie wichtig die Bestäubungsarbeit der Bienen ist, wird vielen Menschen jetzt bewusst. Wir bekommen viele Anrufe von Gartenbesitzern, die sagen: ‚Bei uns krabbelt nichts mehr‘“, berichtet Sven Behr. Die Behrs verleihen ihre Bienen- und Hummelvölker an Obst- und Gemüsebauern, wo die Insekten die Pflanzen bestäuben. Damit es wieder summt und krabbelt, kann aber jeder Gartenbesitzer tätig werden und Pollen- und Nektarspender aussäen. Einige Unternehmen verteilen Wildblumenmischungen oder bieten diese an.
Auch Kommunen legen derzeit, zum Teil in Kooperation mit Landwirten, Blühstreifen an.

(bim/tk/ab). Sven Behr (45) aus Kampen (Samtgemeinde Tostedt) befasst sich seit seinem 14. Lebensjahr mit der Imkerei. Damals bekam er zur Konfirmation einen Gutschein für ein Bienenvolk geschenkt von einem Nachbarn, der ihm die Imkerei näherbrachte. Er und seine Frau Silke (44) haben die Liebe zu Bienen, Hummeln und Co. zum Beruf gemacht und sind Bestäubungsimker. Sie züchten und halten jeweils zwischen 30 und 50 Bienenvölker, die sie als Bestäuber an Obst- und Gemüsebauern verleihen. Inzwischen ist auch Sohn Thorbjörn (13) von der Imkerei fasziniert und wird in diesem Jahr erstmals versuchen, selbst eine Königin zu züchten.
Die Hummeln, die Familie Behr von einem niederländischen Partner bezieht, sind als Bestäuber ebenfalls von großer Bedeutung. Sie sind robuster und können auch an kühleren und windigeren "Arbeitsplätzen" - u.a. zur Bestäubung früh blühender Kulturen wie Kirsche, Apfel und Birne - eingesetzt werden sowie unter Folie, was für Bienen, die sich am Stand der Sonne orientieren, nicht infrage komme. Hummeln seien also auch bei kaltem Wetter eine zuverlässige "Bestäubungsversicherung", so Sven Behr.
Auch wenn die Behr-Bienen Eigenzuchten sind, braucht es von Zeit zu Zeit "frisches Blut". So ist soeben per Post eine neue Zucht-Königin eingetroffen, die in den vergangenen Monaten auf ihre Leistung hin überprüft worden sei, wie Sven Behr erläutert. Die neue "Majestät" sei besonders sanftmütig und schwarmträge und habe eine hohe Honigleistung.
Während bei Hummeln, Wespen und Hornissen nur die Königin überwintert und im Folgejahr eine neue Kolonie aufbaut, überleben die Bienenvölker die kalten Temperaturen. Daher ist es für Bienen wichtig, bis zum Spätsommer oder Herbst ausreichend Vorräte für den Winter und das folgende Frühjahr anzulegen, wenn die Königin wieder Eier legt. "Wenn sie im Spätsommer keine Nahrung finden, können sie sich keine Reserven anfuttern", erklärt Sven Behr. Das von den Imkern gereichte Zuckerwasser diene als Nektarersatz. Pollen seien als Eiweißspender für die Aufzucht der Larven unerlässlich. "Wenn das fehlt, sind die Tiere mangelernährt und nicht so langlebig", so Behr. Daher sei jede Fläche, die Pollen und Nektar bietet, wichtig.
Damit ihre Bienen das ganze Jahr über in unmittelbarer Nähe genügend Nahrung finden, haben die Behrs jetzt erstmals auf rund 15 Hektar familieneigenen Flächen Blühmischungen ausgesät. "Durch die Wärme der vergangenen Wochen haben sich zum Beispiel Apfel- und Kirschblüte rasant entwickelt. Auch die Linde, die sonst Mitte Juni blüht, trägt bereits Knospen. Das ist Nahrung, die später im Jahr fehlt", erläutert Sven Behr.
Als Pollen- und Nektarspender bieten sich Wildblumenmischungen an, die in Gartencentern angeboten und auch als "bienenfreundliche Pflanzen" verkauft werden. Darin sind zum Beispiel Samen für verschiedene Klee-Sorten, Ringel-, Mohn- und Kornblumen, die man früher noch häufiger an Feldrändern sah.
Das blühende Nahrungsangebot nütze nicht nur Insekten, sondern auch Nieder- und Flugwild, das als Nutznießer der Flächen Abwechslung im Speiseplan erhalte, sagt Behr.
• "Jeder kann etwas für Bienen tun", sagt Nico Martens, Vorsitzender im Kreisimkerverein Stade. "Einfach mal einen Blick vor die eigene Haustür werfen", rät er. Wer nur Rasen und eine Thujahecke habe, sollte umdenken. Martens Tipps: Auf heimische Pflanzen setzen, darauf achten, dass sie ungefüllte Staubgefäße haben und dafür sorgen, dass es ganzjährig blüht. Das große Problem der Bienen sei schließlich, dass sie kaum noch Nahrung finden. "Auf den Äckern wachsen einfach keine Blühpflanzen mehr", kritisiert Martens.
• Generell sei es gerechtfertigt, auf das Problem hinzuweisen, sagt Kernobstberater und Bienenexperte Dr. Wolfram Klein vom Esteburg Obstbauzentrum Jork. Aber ein Honigbienensterben kann der Fachmann nicht bestätigen. "Die Honigbienen sind nicht bedroht. Dieser Bestand ist rückläufig, weil es weniger Imker gibt." Erfreulicherweise vollziehe sich dort seit einiger Zeit ein Wandel, da sich wieder mehr junge Menschen für das Imkern interessierten. "Beim Bienensterben geht es vielmehr um die Wildbienen." Im Alten Land sei aber auch da kein Rückgang zu beobachten. Dr. Klein: "Wir bieten den Wildbienen hier unterschiedliche Flächen und Vegetation an, vom Baumstreifen über Fahrgassen bis hin zu Entwässerungsgräben. An Orten, wo die Landwirtschaft gezwungen ist, großflächig zu arbeiten, zum Beispiel auf einem Gerstenfeld, fehlt den Wildbienen der Lebensraum." Auch in Privatgärten werde ihr Lebensraum eingeschränkt, nämlich dann, wenn "Pflanzengärten durch Steingärten ersetzt werden."

Allianz für Bienen

Der erste Weltbienentag wird am 20. Mai begangenen. Dieser wurde von den Vereinten Nationen ausgerufen, die damit eine langjährige Initiative slowenischer Imker unterstützen. Mit dem Tag soll die Bedeutung der Bienen und anderer Bestäuber für den Anbau von Lebensmitteln hervorgehoben werden.
Slowenien hat den 20. Mai als Weltbienentag gewählt, weil auf der nördlichen Hemisphäre die Bienen in Mai am aktivsten sind, sie fangen an sich zu vermehren, auch ist in dieser Zeit ihre Rolle als Bestäuber besonders wichtig. Der 20. Mai ist auch der Geburtstag von an Antona Janša (1734–1773), einem Pionier der modernen Imkerei. Er wurde von Maria Theresia damals als Lehrer auf die neu gegründete Schule für Imkerei berufen.
Für eine "deutsch-slowenische Bienen-Allianz" wurde nun vereinbart, die wissenschaftliche Zusammenarbeit im Imkerbereich zu intensivieren, zumal die Gefahren für die Bienen Grenzen überschreiten und die Herausforderungen vergleichbar sind. Bei Verhandlungen für eine gemeinsame Agrarpolitik nach 2020 will man gemeinsam erreichen, dass bienenfreundliche Maßnahmen noch effizienter gefördert werden.