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Wolf reißt Schafe in Kindergarten-Nähe

Dieser Wolf wurde wenige Tage nach dem Schafsriss von der Wildkamera an der Schafweide aufgenommen (Foto: privat)
 
Der oder die Wölfe gruben sich unter dem Zaun durch (Foto: privat)
bim. Otter. Eltern, Nutz- und Haustierhalter in Otter (Samtgemeinde Tostedt) sind alarmiert: In der Nacht vom 30. November auf den 1. Dezember wurden auf einer Weide am Todtshorner Weg - wenige hundert Meter vom örtlichen Kindergarten entfernt - drei Schafe getötet. „Zwei Schafe wurden bis auf die Wolle und die Beine komplett aufgefressen, ein Schaf getötet“, berichtet der Schafhalter. Er und weitere Tierhalter haben einen oder mehrere Wölfe in Verdacht.
Sie hatten sich an mehreren Stellen unter dem Weidezaun hindurch gebuddelt, um an ihre Beute zu kommen. Mindestens ein Wolf ist in dieser Woche in die „Foto-Falle“ getappt. „Offiziell spricht noch keiner vom Wolf. Es wird aber davon ausgegangen. Und es war auch nicht nur ein Tier!“, ist der Schafhalter überzeugt.
Er schaltete nach den Schafsrissen Wolfsberater Marc Sander, zuständig für das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide, ein, der vor Ort DNA-Proben und Haare sicherstellte.
Marc Sander erklärt auf WOCHENBLATT-Nachfrage: „Derzeit wissen wir von mindestens zehn bis elf Wölfen, die sich innerhalb des Naturschutzgebietes Lüneburger Heide (Größe ca. 23.440 Hektar) und in den angrenzenden Bereichen aufhalten. Zusätzlich können jederzeit Einzelwölfe, sogenannte Jährlinge, auf ihrer Reise durch das Schutzgebiet auftreten.“ Tägliche Meldungen über gerissene Tiere lägen nicht vor. „Jedoch beobachten wir seit nunmehr zwei bis drei Wochen eine Zunahme von Rissen im Schutzgebiet“, so Sander. Ursächlich dafür sei nicht nur die zunehmende Wolfsdichte allgemein, sondern vielmehr das Selbstständigwerden diesjähriger Jungtiere, die erste „Ausflüge“ alleine oder in Kleingruppen unternehmen und anscheinend leider vermehrt auf Nutztiere als Beute zugreifen würden. Seine Aufgabe als ehrenamtlicher Wolfsberater sei dann zum Beispiel die Aufnahme dieser Schadensfälle inklusive der „Spurensicherung“ vor Ort. „Die Beurteilung, ob ein tatsächlicher Wolfsangriff vorliegt, unterliegt bei Nutztierrissen dem niedersächsischen Wolfsbüro in Hannover“, erläutert Sander.
Tierhaltern in Wolfsgebieten empfiehlt die „Richtlinie Wolf“ aktive Maßnahmen zum Thema Herdenschutz. Gegen grabende Wölfe, wie zum Beispiel in Otter, wäre demnach das tiefe Eingraben des Zaunes oder die Komplettierung mit stromführenden Litzen sicherlich sinnvoll. Auf Antrag können Tierhalter bis zu 80 Prozent der Materialkosten durch das Land Niedersachsen gefördert bekommen, jedoch blieben die hohen Restkosten wie Aufbau und Unterhaltung der Zäune in der Verantwortung des Tierhalters.
„Nach jetzigen Erkenntnissen ist die Sicherheit des Menschen durch den Wolf nicht grundsätzlich gefährdet, jedoch kann auch niemand einen Wolfsangriff kategorisch ausschließen. Aktuell sind für die Sicherheit der Kinder keine weiteren Maßnahmen zu empfehlen. Sollte es zu Nahbegegnungen mit Wölfen kommen, sollten diese aber unverzüglich gemeldet werden“, rät Marc Sander.
Dass es in Kindergartennähe zumindest einen Wolf gibt, ist im Kindergarten Otter seit dem Frühjahr bekannt. „Wir müssen lernen, mit dem Wolf zu leben“, sagt Kindergartenleiterin Gabriele Schwenke. Statt Panik zu schüren, setze man dort auf Aufklärung. Ein Wolfsbeauftragter habe die großen Kinder geschult, wie ein Wolf aussieht und wie man sich im Falle einer Begegnung zu verhalten habe. Diese Unterrichtung werde nun von einer Mitarbeiterin bei den älteren Kindern fortgeführt.
• Im Landkreis Harburg gab es in diesem Jahr zwei bestätigte Wolfsrisse im Büsenbachtal in Handeloh-Wörme (zwei Schafe) und im Radenbachtal in Undeloh (zwei Schafe). Bei einem dritten Fall mit einem getöteten Schaf und zwei verletzten Lämmer in Wehlen ist noch nicht abschließend geprüft, ob ein Wolf verantwortlich ist.
• Informationen über Wolfsnachweise und Tierrisse sind nachzulesen unter www.wolfsmonitoring.com.


Sind Wölfe für Menschen gefährlich?

Auf die Frage „Sind Wölfe für Menschen gefährlich?“ ist in der Broschüre „Wölfen auf der Spur“, die ebenfalls auf der Homepage des Wolfsmonitiorings heruntergeladen werden kann, zu lesen: „Jungwölfe lernen von ihren Eltern, welche Nahrung (Wild, Aas, Früchte) gefressen werden kann. Viele alte Geschichten von Wolfsangriffen stellen sich im Nachherein als unwahr heraus. Häufig waren Hunde oder handaufgezogene Hybriden die Täter. Von gesunden wilden Wölfen geht i. d. R. keine Gefahr für den Menschen aus.
Für Europa sind in den letzten 60 Jahren zwar neun tödliche Übergriffe von Wölfen auf Menschen glaubhaft dokumentiert (Linnell et. al. 2002), diese gehen aber auf tollwutkranke Tiere oder auf vom Menschen angefütterte Wölfe zurück.
Heute gilt Deutschland als tollwutfrei und solange Anlocken oder das Füttern von Wölfen unterlassen wird, ist die Gefahr für den Menschen sehr gering.“