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Bäume in Handeloh in der Brutzeit gefällt

Entlang der Wörmer Straße wurden mehrere Eichen gefällt (Foto: Wiesmaier)

NABU-Vorsitzender Werner Wiesmaier kritisiert Ausnahmegenehmigung der Naturschutzbehörde

bim. Handeloh. „Ich bin sprachlos, gelinde gesagt ist das eine Riesensauerei! Mitten in der Brutzeit werden gesunde Bäume für eine Straßeneinfahrt gefällt“, ärgert sich Werner Wiesmaier, Vorsitzender des NABU Buchholz, über eine jetzt durchgeführte Baumfällung entlang der Wörmer Straße in Handeloh. Denn das ist in der Zeit vom 1. März bis 30. September eigentlich verboten. Die untere Naturschutzbehörde des Landreises Harburg hatte nach einer artenschutzrechtlichen Prüfung allerdings eine Ausnahmegenehmigung erteilt.
Wie mehrfach berichtet, hat die Gemeinde Handeloh entlang der Wörmer Straße zwischen Schul-straße und Mergelweg knapp sieben Hektar Grünland erworben, das in mehreren Abschnitten in Bauland umgewandelt werden soll. Zunächst sollen westlich der Wörmer Straße auf 15.000 Quadratmetern zwölf Bauplätze - insbesondere für junge Familien - entstehen.
„Dieses Baugebiet war schon im Sommer letzten Jahres genehmigt, die Vermessungen inklusive Markierungen wurden auch im Spätsommer 2016 durchgeführt. Somit wäre genügend Zeit gewesen, diese Arbeiten, wenn denn überhaupt erforderlich, im Winter durchzuführen“, kritisiert Wiesmaier.
Er ist vor allem sauer auf die Naturschutzbehörde des Landkreises, die für die Baumfällung eine Ausnahmegenehmigung erteilt hat. Dabei sei eine alternative Straßenführung ca. 100 Meter weiter nördlich möglich gewesen.
Für eine Befreiung vom Baumfäll-Verbot habe die untere Naturschutzbehörde nach der artenschutzrechtlichen Prüfung durch Dr. Klaus Hamann, Leiter des Naturkundlichen Museums in Handeloh und stellvertetender Landesverbandsvorsitzender der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, keine fachlichen Bedenken gegeben, teilt Kreissprecher Johannes Freudewald auf WOCHENBLATT-Nachfrage mit. Unter anderem habe es demnach keine Vogelnester oder erkennbare Nistversuche gegeben. Die Ausnahmegenehmigung sei mit der Auflage verbunden, dass bis Ende November neun Stileichen gepflanzt werden.
Auch Handelohs Bürgermeister Heinrich Richter ist nicht glücklich, dass die Maßnahme erst jetzt durchgeführt wurde. Er habe eine frühere Fällung der Eiche und zwei darunter gewachsenen kleineren Bäumen veranlasst, allerdings habe ihn das beauftragte Unternehmen krankheitsbedingt versetzt, berichtet er. „Ansonsten haben wir dafür gesorgt, dass so wenige Bäume wie möglich herausgenommen werden und zum Schutz der bestehenden Bäume und des Alleecharakters auch einen zusätzlichen fünf Meter breiten Grünstreifen vorgeschrieben“, so Richter.