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Erneut keine Einigkeit in der Debatte um das Tostedter Freibad

  bim. Tostedt. Rat- und Fassungslosigkeit im Publikum bei der Debatte um die Zukunft des Tostedter Freibades: Eigentlich sollte sich der Bau- und Planungsausschuss für eine konventionelle, biologische oder kombinierte Wasseraufbereitung sowie für eines von drei Planungsbüros für den Neubau des Tostedter Freibades entscheiden. Doch stattdessen wurden alle Varianten und damit alle vorgestellten Konzepte komplett oder mehrheitlich abgelehnt.
Damit wird die Entscheidung nun auf den Samtgemeinderat "abgewälzt".

Endlich sollte ein Votum für ein zukunftsfähiges Konzept fürs Tostedter Freibad her. Stattdessen dümpelten die Mitglieder des Bauausschusses nun wieder um die Standortfrage herum, die eigentlich längst geklärt war. Ebenso wie der Kostenrahmen von drei Millionen Euro für die Erneuerung von Becken und Technik, für den Mittel in den Haushalten 2015 bis 2017 eingestellt sind und der nun plötzlich wieder infrage gestellt wurde. Eine fast dreistündige, emotionale Debatte blieb abermals ohne Ergebnis.
CDU-Ratsherr Andreas Dyck hatte beantragt, bauliche Maßnahmen zurückzustellen, da der Standort nicht für eine Attraktivierung des Bades geeignet sei, u.a. wegen der wenigen Parkmöglichkeiten, der Nähe zur Wohnbebauung und den Problemen mit dem Baugrund (Torflinse). Das stellte auch die CDU-/FDP-Gruppe in ihrem Antrag fest, die sich nur noch für die notwendigen Unterhaltungsmaßnahmen ohne Beckenerneuerung aussprach. Die Wählergemeinschaft (WG) beantragte, der Planungsgruppe Hildesheim mit ihrem Konzept für eine konventionelle Chloraufbereitung den Zuschlag zu geben - allerdings bei einer Kostenobergrenze von 1,5 Millionen Euro.
CDU, FDP und WG waren sich zumindest einig, dass die mit einem Kostenrahmen von drei Millionen Euro vorgestellten Konzepte „nicht überzeugen konnten“.
Klaus-Dieter Feindt (SPD) platzte der Kragen: „Was hier jahrelang gemacht wurde, ist Flickschusterei erster Güte. Eine grundlegende Sanierung hat die CDU im Samtgemeinderat im Zusammenwirken mit der FDP immer wieder verhindert.“
Die Samtgemeinde investiert jährlich rund 240.000 Euro in die Unterhaltung des Bades. Ein Bad-Neubau an einem anderen Standort käme die Samtgemeinde noch teurer als drei Millionen Euro.
Für die SPD komme laut Feindt daher nur eine Rundumsanierung nach einem der vorgelegten Konzepte infrage. Schließlich zahlten die Bürger Steuern, die zur Sicherung der Lebensqualität eingesetzt werden sollen. Dem schloss sich Gerhard Netzel (SPD) an. „Wenn wir - wie von Andreas Dyck vorgeschlagen - alles streichen, geht die Infrastruktur baden.“
„Ich bin heute hergekommen, um eine Entscheidung zu treffen“, ärgerte sich auch Burkhard Allwardt (fraktionslos) über das erneute Hin und Her und zitierte aus den Wahlprogrammen der letzten Kommunalwahl, in denen sich alle Fraktionen für den Freibaderhalt ausgesprochen hatten.
Herbert Busch (CDU) prophezeite: „Das Bad wird die Elbphilharmonie von Tostedt“. Ernst Müller (CDU) wies auf die steigende Verschuldung der Samtgemeinde hin. Und die Hauptzielgruppe des Freibades, die Kinder und Jugendlichen, hätten heute teilweise andere Interessen oder u.a. wegen Ganztagsschule gar keine Zeit, das Bad zu nutzen.
Letztlich wurden alle Anträge mehrheitlich abgelehnt. Aber der Ausschuss konnte sich auch nicht auf eine Art der Wasseraufbereitung und damit nicht auf eines der drei Konzepte einigen.
• In der Ratssitzung am 10. Dezember wird es abermals spannend: SPD und die Gruppe Grüne/Allwardt auf der einen, die CDU-/FDP-Gruppe auf der anderen Seite kommen jeweils auf 14 Stimmen. „Zünglein an der Wage“ dürften dann die Wählergemeinschaft (fünf Stimmen) und der fraktionslose Reinhard Riepshoff sein.

Kommentar: Jetzt muss endlich gehandelt werden!

„Was geschieht mit dem Land, wenn das Freibad geschlossen wird?“, wollte Ulrike von Thien, Tochter von Freibad-Initiator Fritz von Thien (†), zu Beginn der Ausschuss-Sitzung wissen. Schließlich hatte ihr Vater der Samtgemeinde einst das Grundstück für den Bad-Bau geschenkt. Ein Antrag, der die Schließung des Freibades beinhaltet, liege ihm nicht vor, sagte Ausschuss-Vorsitzender Alfred Timmermann (CDU). Dennoch wird das Freibad wohl über kurz oder lang geschlossen werden, wenn sich die Politik nicht bald auf ein Konzept für den Neubau einigt und dieses konsequent umsetzt.
Statt den Planungsbüros den „schwarzen Peter“ zuzuschieben wegen angeblich mangelhafter Konzepte und sich auf die angespannte Haushaltslage zurückzuziehen, sollte die Politik „Farbe bekennen“ und endlich das nötige Geld in die Hand nehmen. Denn davon wurde in den vergangenen Jahren schon reichlich durch immer wieder neue Gutachten, Planungen und letztlich die Bürgerbefragung verbrannt. Die fassungslosen Kommentare in und nach der Sitzung belegen, dass sich die Bürger nicht ernst genommen fühlen. Deshalb muss jetzt endlich gehandelt werden!
Bianca Marquardt