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Gänsezüchter fürchtet Konfrontation mit Wölfen

Manfred Schwerk mit seinen Herdenschutzhunden "Votan" (li.) und "Odin"
(bim). „Die Pressesprecherin des Wolfsbüros lügt, wenn sie sagt, dass betroffene Weidetierhalter bei Tierrissen durch Wölfe einen Anspruch auf Entschädigung beim Ministerium hätten. Denn für Geflügelhalter gilt das nicht“, sagt Gänsehalter Manfred Schwerk nach der Berichterstattung im WOCHENBLATT. Von den Entschädigungszahlungen und von den Zuschüssen für Schutzmaßnahmen würden bislang vor allem Schafhalter profitieren. „Ich kriege für meine Zäune und für meine Herdenschutzhunde nichts und auch kein Geld, wenn ein Wolf meine Tiere tötet“, so Schwerk.
Der Geflügelhof Schwerk in Wistedt (Landkreis Harburg), einer der größten Gänsezüchter Deutschlands, hat in der Region insofern ein Alleinstellungsmerkmal, dass rund 10.000 seiner Gänse nicht gemästet und zu Weihnachten geschlachtet, sondern als Zuchtgänse zum Großteil ganzjährig auf zehn Weiden im Landkreis Harburg gehalten werden.
Auch wenn bisher der Fuchs der größte Gänseräuber ist und pro Jahr rund 100 der hofeigenen Gänse holt, hat Manfred Schwerk Bedenken bei der wachsenden Wolfspopulation. Denn die Tiere nähern sich zunehmend seinen Weiden, u.a. gibt es inzwischen ein bestätigtes Wolfsrudel in Visselhövede im Nachbarlandkreis Rotenburg. „Ich habe die Befürchtung, dass es zur Konfrontation kommt, wenn der Wolf hier ankommt“, so Schwerk. Zumal im Bereich Königsmoor und Fintel seit Wochen eine große Zahl an Wölfen gesehen und auch von Wildkameras aufgenommen worden sei. Er hat vor zwei Jahren damit begonnen, sich Herdenschutzhunde zuzulegen. Kosten: 1.200 Euro pro Hund. Die Pyrenäenberghunde sind mit den Gänsen aufgewachsen und betrachten sie als ihre Familie, die es zu schützen gilt. Jeweils zwei Hunde bewachen eine Gänseherde - und damit etwa die Hälfte der Schwerk-Gänse.
Nach und nach errichten die Schwerks an ihren Weiden zudem eineinhalb bis zwei Meter hohe Knotengeflechtzäune, die im Wesentlichen die Hunde am Weglaufen hindern, doch natürlich auch Wölfe abhalten sollen. Manfred Schwerk ist aber überzeugt, dass weder Zäune noch andere Maßnahmen Wölfe letztlich davon abhalten können, Weidetiere zu reißen. Als Beispiel nennt er einen Artikel aus einer Jagdzeitschrift, laut dem im Landkreis Vechta Wölfe einen zwei Meter hohen Zaun übersprungen und Muffelwild gerissen hätten.
„Wölfe fressen erst Wild und dann Nutztiere. Manche Wölfe machen auch vor 200 Kilogramm schweren Rindern nicht halt“, sagt Schwerk. „Bei Gänsen wären es gleich zig Tiere, die sie töten. Wenn Wölfe erstmal in der Herde sind, kommen die immer wieder“, so seine Sorge.

Bestätigte Wolfsattacken

Im Landkreis Harburg gab es in diesem Jahr zwei bestätigte Wolfsrisse im Büsenbachtal in Handeloh-Wörme (zwei Schafe), im Radenbachtal in Undeloh (zwei Schafe). Bei einem dritten Fall mit einem getöteten ein Schaf und zwei verletzten Lämmer in Wehlen ist noch nicht abschließend geprüft, ob ein Wolf verantwortlich ist.

Im Landkreis Stade wurden 2016 zwei Schafe in Oederquart und in diesem Jahr 13 Schafe in Oederquart von Wölfen gerissen. Ein Fall mit einem in Balje gerissenen Kalb befindet sich in Bearbeitung.

Laut dem niedersächsischen Umweltministerium werden sogenannte Billigkeitsleistungen - also anteilige Entschädigungszahlungen für durch Wolfsübergriffe getötete Tiere - für Schafe, Ziegen, Gatterwild, Rinder, Pferde, Hütehunde und Herdenschutztiere gewährt. Berücksichtigt werden dabei der durch Tierverluste (Tötungen und Fehlgeburten) entstehende, amtlich ermittelte Schaden bis zu 100 Prozent (maximal 30.000 Euro pro Jahr) und erforderliche Tierarztkosten bis zu 80 Prozent (maximal 5.000 Euro pro Tier).
Voraussetzung für eine Gewährung: Die durch einen Wolfsübergriff getöteten oder verletzten Tiere müssen durch die Wolfsbeauftragten der Landesjägerschaft protokolliert und der Wolf als Verursacher durch den Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) nachgewiesen werden.
Anträge können gestellt werden an den NLWKN (www.nlwkn.niedersachsen.de).