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Junge Flüchtlinge in Kakenstorf sollen ins Gewerbegebiet umziehen

Diese Halle soll für die Flüchtlingsunterbringung genutzt werden
 
Ekkehard Voppel informierte über die Unterbringung der jungen Flüchtlinge
bim. Kakenstorf. Im Schullandheim in Kakenstorf geht der reguläre Betrieb Anfang März wieder los. Daher muss für die dort untergebrachten minderjährigen Flüchtlinge eine neue Bleibe gefunden werden. 30 von ihnen sind in die Jugendherberge in Handeloh-Inzmühlen umgezogen. Für die übrigen 30 gibt es nun auch eine Lösung im Gewerbegebiet in Kakenstorf. Darüber informierte Ekkehard Voppel von der Jugendhilfeeinrichtung Friedenshort in Tostedt in der jüngsten Ratssitzung in Kakenstorf.
Das Unternehmen Frittsche vergrößert sich und zieht in ein Gebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Eichenhöhe. Die Werkhalle könnte für die Flüchtlingsunterbringung umgebaut werden.
„Im Schullandheim besteht die Bereitschaft, die Flüchtlinge bis zum 20. März zu beherbergen, eventuell sogar bis Ende April“, so Ekkehard Voppel. Er hofft, dass die Immobilie dann so weit umgebaut ist, dass die jungen Ausländer in die Werkhalle umziehen können. Um das Verfahren, an dem u.a. Bauabteilung, Jugendamt, Gewerbeaufsichtsamt beteiligt werden müssen, zu beschleunigen, habe er sich selbst schon als „Postbote“ eingebracht, berichtete Voppel.
In der Einwohnerfragestunde wollte ein Bürger mehr über die Schicksale der jungen Flüchtlinge erfahren. Die meisten von ihnen seien über die Balkanroute geflüchtet, die schnellsten hätten es binnen 18 Tagen von Afghanistan bis Winsen geschafft, berichtete der Friedenshortleiter. Ein Jugendlicher sei aber z.B. seit seinem neunten Lebensjahr auf der Flucht, habe u.a. Sklaverei erfahren, und sei nun mit 16 Jahren nach Deutschland gekommen. „Manche wurden während ihrer Flucht überfallen, ausgeraubt, oder nach dem Kentern der Boote stundenlang im Wasser treiben gelassen und sind mit Handys gefilmt worden“, so Voppel.
Über die Herkunftsländer berichtete er: „Westafrika ist ein korrupter Staat. Man muss entweder Beziehungen haben oder betrügen, um zu überleben.“ In Eritrea versuchten viele junge Männer dem Wehrdienst zu entgehen, der auf unbestimmte Zeit eine Leibeigenschaft gegenüber dem Staat bedeute. Die Jugendlichen aus dem Irak, aus Syrien und Afghanistan hätten stets mit der Angst leben müssen, dass irgendwo eine Bombe explodiert.
Ekkehard Voppel betonte: „Unsere Jugendlichen sind ganz nette Leute, die versuchen, hier einen Start zu machen.“ Und zu möglichen Vorurteilen sagte er: „Es haben diejenigen am meisten Angst vor den Fremden, die noch nie Kontakt zu ihnen hatten.“

Ist eine Großküche doch keine Lösung?

Ekkehard Voppel berichtete, dass für die jugendlichen Flüchtlinge Möglichkeiten der Eigenständigkeit und des eigenständigen Wirtschaftens geschaffen werden sollen. „Wir haben über den Landkreis die Großküchenverpflegung mit buchen müssen“, sagte er. Doch dieses Essen sei für die jungen Leute fremd. Deshalb sei in Kakenstorf eine Kochgruppe gegründet worden, die jeden Abend afrikanisch oder afghanisch kocht.
Wie berichtet, hatte der Landkreis in der Jugendherberge in Inzmühlen erst eine Großküche aus- und kleinere Küchenzeilen einbauen lassen, um dann alles wieder rückgängig zu machen, als bekannt wurde, dass minderjährige Flüchtlinge dort einziehen. Das entpuppt sich jetzt als Fehler. Denn von einem Unterstützer aus Handeloh war zu hören, dass die jugendlichen Flüchtlinge dort gerne selbst kochen würden. Auch so kann Selbstständigkeit gefördert und Langeweile minimiert werden. Vielleicht sollte der Landkreis dort die Großküchen-Entscheidung überdenken.