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Keine Angst vor Asylbewerbern

Reiner Kaminski (li.) und Kreissprecher Johannes Freudewald informierten die Anwohner

In Tostedt sieht man die Unterbringung in Wohncontainern skeptisch / Anwohner befürchten Unruhen

bim. Tostedt. Für mehr als 400 Asylbewerber, die vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zugewiesen werden, muss der Landkreis Harburg in diesem Jahr geeignete Unterkünfte oder Flächen zur Aufstellung von Wohncontainern finden. Zwei Containeranlagen für je 58 Asylbewerber sollen in Tostedt im Elsterbogen und Am Helferichheim aufgestellt werden. In einem ersten Schritt wurden jetzt die direkten Anlieger informiert. Rund zehn Neonazis, die sich unter die Zuhörer gemischt hatten, wurden zu Beginn von der Polizei des Saales verwiesen.
Mancherorts stoßen die Pläne zur Unterbringung der Asylbewerber auf massiven Widerstand - wie vor einem Jahr in Undeloh oder kürzlich in der Gemeinde Appel. Skeptisch sieht man das Vorhaben auch in Tostedt, aber nicht - wie Bürgermeister Gerhard Netzel resümierte - weil man Angst vor den Asylbewerbern hat, sondern vielmehr vor denen, die diesen Menschen „ans Leder wollen“.
Bei den aufzunehmenden Asylsuchenden handele es sich erfahrungsgemäß überwiegend um alleinstehende Männer aus Syrien, dem Sudan, Somalia und Afghanistan, erläuterte Reiner Kaminski, beim Landkreis Bereichsleiter für Soziales. Die Containeranlagen sollen von einem Betreiber mit Heimleiter und auf einer halben Stelle von einem Sozialarbeiter betreut werden. Die soziale Betreuung bezieht sich u.a. auf Infos zum Verlauf des Asylverfahrens, zu Rückkehrhilfen und Übersetzung von Schriftstücken. Der Betreiber müsse die Freizeitgestaltung gewährleisten. Der Landkreis biete zusätzliche Sprachkurse und prüfe, ob die Asylsuchenden gemeinnützige Arbeit erledigen können.
Kriterien für die Samtgemeinde, die beiden Standorte vorzuschlagen, waren die fußläufige Erreichbarkeit des Bahnhofs und die Möglichkeit, in der Nähe einkaufen zu können, so Samtgemeinde-Bürgermeister Dirk Bostelmann.
Der Landkreis habe mit mehreren Eigentümern gesprochen. Aber entweder seien Gebäude oder Flächen ungeeignet gewesen oder man habe sich nicht auf einen Pachtzins einigen können, so Kaminski.
Dennoch sah die Mehrheit der Anlieger die Standorte als nicht optimal an. Drei Unternehmer kündigten gar an, ihre Betriebe in Nähe der für mindestens fünf Jahre gepachteten Wohncontainer aufgeben zu müssen.
„Wer sorgt für die Sicherheit?“, wollten mehrere Zuhörer wissen. Sie fürchten, dass wegen der Asylbewerberunterkunft Rechtsextremisten auf den Plan treten und es womöglich zu Ausschreitungen oder Anschlägen kommt.
Der Standort - auf dem „Präsentierteller“ an einer Einfallsstraße - sei absolut ungeeignet, meinte ein Anlieger. Er plädierte stattdessen dafür, die Container in zweiter Reihe aufzustellen oder die Asylbewerber in leerstehenden Gebäuden unterzubringen. Dem widersprach Reiner Kaminski. Für die Polizei und auch sonst sei es besser, wenn die Unterkünfte nicht so verstreut seien.
Weiterhin bemängelt wurde, dass die Information über die Standorte der Asylbewerberunterkunft zu kurzfristig und die Aufnahme von 116 Asylbewerbern zu massiv sei.
• Landkreis und Samtgemeinde wollen nun mit Unterstützergruppen, Kirchenvertretern und dem Tostedter Forum für Zivilcourage darüber sprechen, wie die Ankunft der neuen Nachbarn vorbereitet werden kann. Ein erstes Treffen fand am Dienstag statt. In Rücksprache mit dem Rat sollen alle Tostedter demnächst noch zu einer großen Informationsveranstaltung in die Schützenhalle eingeladen werden.

Am Rande

Zehn Neonazis versuchten Montagabend, die Versammlung zur Information der Anlieger über die geplante Unterbringung von Asylbewerbern in Tostedt zu unterwandern. Dem schob die Polizei einen Riegel vor: Sechs Beamte komplementierten die vorwiegend jungen Rechtsextremisten aus dem Saal.
Weitere Neonazis warteten vor dem Rathaus. Die Polizei, die mit insgesamt 30 Beamten vor Ort war, geht von 35 Teilnehmern aus, die ohne weitere Störungen den Rathausbereich verließen.
Zuvor hatten Neonazis auf ihrer einschlägigen Hetz-Website die Unterbringung von 116 Asylbewerbern als „Ausländerflut in Tostedt“ bezeichnet und angekündigt: „Diese Frechheit von den Demokraten und Gutmenschen werden wir nicht so einfach hinnehmen!“
Außerdem wird im Internet zum Abstimmen bei einer Bürgerpetition aufgerufen. Wichtig sei diese, da Tostedt nicht über die notwendige Infrastruktur verfüge, um Asylbewerbern gerecht zu werden.

Lesen Sie auch www.kreiszeitung-wochenblatt.de/tostedt/panorama/in-tostedt-sollen-unterkuenfte-fuer-116-asylbewerber-entstehen-d31543.html