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Marode Sportanlagen am Tostedter Schulzentrum sind eine Gefahr

Die Tartanbahn hat Löcher und ist voller Moos, das bei Regen zur Rutschpartie wird. Aber der Rasen wird akkurat gepflegt
 
Der Boden der Hochsprunganlage gleicht einem Schweizer Käse
 
Die Feldumrandung ist an mehreren Stellen eingebrochen
bim. Tostedt. Die Tartanbahn ist zum Teil vermoost und weist diverse Löcher auf, die Hochsprung-Anlage gleicht einem Schweizer Käse, die Feldumrandung ist an mehreren Stellen eingebrochen, ebenso Steine und Ablaufgitter der Zuschauertribüne. So stellt sich die Situation an den Außensportanlagen des Schulzentrums im Düvelshöpen in Tostedt dar. Bereits im Jahr 2006 sollten die Sportanlagen, für die der Landkreis als Schulträger zuständig ist, saniert werden. Doch das wurde immer wieder verschoben. Wenn die Anlage erst - wie nun im Schulinvesitionsprogramm von Kreisschulabteilung und Gebäudewirtschaft vorgeschlagen - 2020 für 950.000 Euro erneuert wird, kann man sie gleich neu bauen, sind Experten überzeugt. Dabei ist diese Sportanlage neben der der Berufsbildenden Schulen in Winsen die einzige, die für Leichtathletik-Wettkämpfe ausgelegt ist.
In Tostedt üben sich Verwaltung und Leichtathleten seit über einem Jahrzehnt in Geduld: „Erst haben wir akzeptiert, dass Neubauten vorgehen. Dann hatten wir Verständnis dafür, dass die Maßnahme wegen des Flüchtlingszustroms 2015 aus Kostengründen erneut verschoben wurde. Aber dass die Sanierung nun erst 2020 kommt, ist nicht mehr hinzunehmen“, sagt Tostedts Samtgemeinde-Bürgermeister Dr. Peter Dörsam als nunmehr dritter Bürgermeister im Amt, der vertröstet wird. Im April war er noch davon ausgegangen, dass die Außensportanlagen oberste Priorität haben. Nach der jüngsten Vorstellung der anstehenden Investitionen im Schulbereich im Kreisschulausschuss weiß er, dass auch die erhoffte Erneuerung im kommenden Jahr womöglich vom Tisch ist. Denn wie berichtet, haben nun die Schul-Erweiterungen wegen der Rückkehr zu G9 Vorrang. „Das darf aber nicht dazu führen, dass längst überfällige Maßnahmen weiter zurückgestellt werden, zumal der Kreis in den nächsten Jahren große Überschüsse erwirtschaftet“, so Dörsam.

„Im ganzen Landkreis gibt es keine vernünftige wettkampffähige Anlage für Leichtathleten mehr“, sagt MTV Tostedt-Vorsitzender Uwe Rosenow. Neben der maroden Außensportanlage am Tostedter Schulzentrum gibt es nur noch an den Berufsbildenden Schulen in Winsen eine sogenannte B-Anlage mit sechs Laufbahnen, die aber inzwischen auch sanierungsbedürftig sei. „Der Trainingsbetrieb in Tostedt wird mit Mühe und Not aufrecht erhalten. Es muss etwas passieren. Die fertigen Sanierungspläne liegen seit 2014 auf dem Tisch“, so Rosenow.
„Loch an Loch und hält doch“, bringt Angela Schirner, Leichtathletik-Abteilungsleiterin des MTV Tostedt, die Lage auf den Punkt. In einem Schreiben an die zuständige Gebäudewirtschaft des Landkreises hatte der MTV Mitte April nochmals auf die prekäre Situation und die notwendigen Maßnahmen hingewiesen. „Vom Landkreis kam keine Reaktion“, sagt Schirner. Allmählich würden die Trainingsbedingungen im Düvelshöpen dramatisch. „Der Diskusring ist eine Hügellandschaft, das Schutzgitter fehlt.“ Ein Jugendlicher des MTV Tostedt habe sich für die Deutsche Meisterschaft im Diskuswerfen qualifizieren wollen, musste aber mangels Trainingsmöglichkeiten verzichten. Auch bei den Hochspringern mussten junge Hoffnungen schon ihre Pläne aufgeben. „Wir hatten ein paar junge Mädchen, die gerne am Siebenkampf teilnehmen wollten. Sie konnten den Hochsprung aber nur in der Halle üben“, berichtet Angela Schirner. Und da seinen die Trainingsmöglichkeiten für (Stab-)Hochsprung begrenzt.
Die Laufbahn hat Risse und Löcher, darauf wachsen Löwenzahn und Moos. „Sobald es feucht ist, kann man die Bahn nicht nutzen, weil man selbst mit Spikes wegrutscht“, erklärt Angela Schirner. Gerade den Kindern sei das nicht zuzumuten, da sie motorisch noch nicht so geschult seien, mögliches Rutschen aufzufangen. Für die jüngsten noch verspielten Sportler könne auch die an mehreren Stellen weggebrochene Feldumrandung gefährlich werden. „Da passt ein Kinderfuß rein“, so Angela Schirner. Zu reinigen sei die Bahn auch nicht mehr, da sich dann der Belag aufrolle.
Vor einigen Jahren war eine zusätzliche Laufbahn auf den alten Belag aufgebracht worden. Doch auch die weist bereits Risse auf. „Es zieht Feuchtigkeit rein. Wenn es im Winter friert, drückt der Belag nach oben“, erläutert Angela Schirner.
Insgesamt gehören der MTV-Leichtathletikabteilung 80 aktive Athleten, überwiegend im Alter zwischen fünf und 25 Jahren an. Rund 35 der Sportler ab zwölf Jahren sind der Leichtathletik-Gemeinschaft (LG) Nordheide angeschlossen und nehmen auch an überregionalen Wettbewerben teil. Wenn der MTV Tostedt als Veranstalter auftritt, muss er nach Winsen ausweichen. „Das ist umständlich. Drucker, PC und alles fürs Wettkampfbüro müssen wir mitschleppen. In To-
stedt haben wir viele helfende Hände, aber nach Winsen fahren nicht so viele mit, Das sind hin und zurück 100 Kilometer“, berichtet Angela Schirner.
Auf der Sportanlage im Düvelshöpen herrsche reger Betrieb, sagt die Abteilungsleiterin. Außer von den Schulen und den Leichtathleten werde die Sportanlage auch von weiteren MTV-Gruppen genutzt sowie u.a. von der Laufgruppe des Todtglüsinger Sportvereins und der Feuerwehr für Übungen.
Angela Schirner hofft, dass der Sportplatz möglichst bald und wieder mit den bisherigen sechs Rundbahnen saniert wird. „Dann könnten hier Landesmeisterschaften in Mittel- und Langstrecke sowie Staffellauf stattfinden.“
Es sei nicht so, dass auf der Sportanlage nichts geschehe, widerspricht Margit Müller, stellvertretende Schulleiterin der Erich-Kästner-Realschule und Sportlehrerin, die sich auch um die Sporthallen kümmert. So seien gerade die Sprunggruben verfüllt, die Absprungbretter erneuert und der Rasen gemäht worden. Die Schule habe eine Mängelliste für den Sportplatz und die Gebäude zusammengestellt und dem Landkreis zukommen lassen.
Zur Befürchtung der Verwaltung und der MTV-Leichtathlethen, die Sportplatzsanierung könnte erneut hinten angestellt werden, beruhigt Kreissprecher Johannes Freudewald: Das vorgeschlagene Schul-Investitionsprogramm sei ja nicht in Stein gemeißelt. Darüber werde schließlich noch die Kreispolitik beraten und dann entscheiden, welche Maßnahmen Priorität erhalten.