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Menschenwürdige Unterbringung scheitert am Geld / Landkreis Harburg hält wegen zu geringer Landespauschale an Dreierbelegung fest

bim. Tostedt. Auf wenigen Quadratmetern mit drei Personen schlafen und viele Stunden des Tages verbringen. Das hält niemand lange aus. Vielen Menschen allerdings, die vor Krieg und Verfolgung aus ihrem Land geflüchtet sind, wird das in einigen Orten im Landkreis Harburg seit fast einem Jahr zugemutet - obwohl mehrere Unterkünfte wie etwa in Fleestedt (90 Plätze) und Moisburg (90) leerstehen und die Flüchtlingszahlen rückläufig sind. Die Asylsuchenden zumindest halbwegs menschenwürdig mit nur zwei Personen je Zimmer unterzubringen, scheitert allerdings am lieben Geld.
Die Dreifachbelegung der Zimmer, die wegen des vormals großen Flüchtlingszustroms zunächst nur als Notlösung gedacht war, erschwert auch die Arbeit der Ehrenamtlichen, die sich um die ohnehin oft seelisch belasteten Flüchtlinge kümmern. Die Johannes-Kirchengemeinde, die katholisch Herz-Jesu- und die Freie Evangelische Gemeinde Tostedt sowie der Todtglüsinger Sportverein fordern jetzt in einem offenen Brief den Landkreis Harburg auf, die Dreifachbelegung in den Containern zurück zu nehmen. Als Probleme der Dreifachbelegung nennen sie u.a.:
• eine unzumutbare Einschränkung des Lebensraums und der Privatsphäre
• keine ausreichenden oder gar keine Gemeinschaftsräume
• an die zusätzliche Belegung nicht angepasste hygienische Einrichtungen und Kochgelegenheiten und damit eine nicht akzeptable Absenkung der ursprünglichen Unterbringungsstandards der Betroffenen
• Wo sich neun statt der zunächst sechs Personen eine Küche oder ein Bad teilen, wird durch die Enge das Konfliktpotential zwischen den Bewohnern erhöht, auch gerade bei Bewohnern verschiedener Ethnien
• Lernwillige, Arbeitende oder Flüchtlinge in Praktika haben keine Möglichkeit, konzentriert zu lernen oder sich zu regenerieren
• In Ausnahmesituationen wie bei Erkrankungen oder bei Prüfungsvorbereitungen fehlt es an erforderlichen Rückzugsmöglichkeiten.
"Vor diesem Hintergrund kann die Vermeidung höherer Kosten auf Seiten des Landkreises kein entscheidendes Argument sein. Stattdessen muss die Notwendigkeit einer humanen Unterbringung in den Vordergrund gerückt werden – auch und gerade, damit wir die überwältigende Solidarität mit den Flüchtlingen und deren Integration in unser Gemeinwesen erfolgreich fortsetzen können", heißt es weiter in dem offenen Brief.
Doch es sind eben die Kosten, die der Landkreis anführt. "Wir würden die Dreierbelegung gerne zurücknehmen, wenn der Erstattungsbeitrag des Landes auskömmlich wäre", sagt Kreissprecher Bernhard Frosdorfer. Die Debatte, die u.a. auch in der Samtgemeinde Elbmarsch geführt werde, sei nachvollziehbar. Pro Flüchtling und Jahr würden 10.000 Euro gezahlt, tatsächlich seien aber 13.000 Euro nötig. Solange sich an der Pauschalzuweisung nichts ändere, halte der Landkreis an der Dreierbelegung fest.