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Niedersachsen schafft 900 zusätzliche Lehrerstellen für die Beschulung von Flüchtlingen

(bim). Die Ankunft minderjähriger Flüchtlinge stellt Behörden und Ehrenamtliche vor große Herausforderungen (das WOCHENBLATT berichtete). Das niedersächsische Kultusministerium hat nun auf eine WOCHENBLATT-Anfrage zu schulpflichtigen Flüchtlingen und zur Lehrerversorung geantwortet.
Mittels Abfragen an den öffentlichen Schulen hat das Kultusministerium erfasst, wie viele Kinder ohne Deutschkenntnisse oder mit geringen Deutschkenntnissen an den Schulen neu hinzugekommen sind. Zwischen dem 16. März und dem 16. November 2015 waren es 17.123, wobei es sich bei den Kindern nicht ausschließlich um Flüchtlingskinder handelt. Im März soll erneut eine Abfrage bei den Schulen erfolgen.

Grundsätzlich sei das Land Niedersachsen gut aufgestellt, um die Beschulung von Flüchtlingskindern auf einem guten Niveau zu gewährleisten. Eine stärkere Unterstützung des Bundes bei dieser Gemeinschaftsaufgabe sei aber dringend notwendig - finanziell und fachlich, z.B. wäre eine Prüfung der Unterrichts-, Förder- und Lernmaterialien für Deutsch als Zweitsprache durch eine Bundesstelle hilfreich.

Das Kultusministerium versichert, dass alle Kinder, die in Niedersachsen der Schulpflicht unterliegen, einen Platz an einer öffentlichen allgemeinbildenden Schule erhalten. Das gelte auch für Kinder und Jugendliche mit Fluchtgeschichte.

In Niedersachsen seien zur Unterstützung von Flüchtlingen in Schulen rund 900 zusätzliche Lehrerstellen geschaffen worden:
• Das Besetzungsverfahren zum zweiten Schulhalbjahr 2015/2016 laufe gegenwärtig noch. Das Land Niedersachsen habe in diesem Rahmen an den öffentlichen allgemein bildenden Schulen rund 1.800 Stellen zur Neueinstellung von Lehrkräften zur Verfügung gestellt, darunter auch rund 400 zusätzliche Lehrerstellen, die im Rahmen der Beschulung von Flüchtlingskindern eingesetzt werden sollen. Diese zusätzlichen Stellen seien - wie der Großteil der anderen Stellen - bereits besetzt worden.
• Zur Gewinnung von weiteren Lehrkräften für den Sprachförderunterricht habe das Kultusministerium darüber hinaus rund 140 Stellen für befristete Arbeitsverträge „Spracherwerb Flüchtlinge“ zur Verfügung gestellt und die Einstellungsmöglichkeiten flexibilisiert, z.B. für die Einstellung von pensionierten Lehrkräften. Flexibilisierungsmaßnahmen sind:
- Wegfall fester Einstellungstermine,
- Abschluss befristeter Arbeitsverträge mit ehemaligen (pensionierten oder verrenteten) Lehrkräften, Studierenden, Studienabsolventen der Lehrämter, die noch keine Zulassung zum Vorbereitungsdienst erhalten haben,
- flexiblere Handhabung von arbeitszeitlichen Regelungen.
Bis zum 15. Februar 2016 hätten Schulen rund 350 Anträge bei der Landesschulbehörde zum Abschluss solcher Verträge gestellt. Davon seien derzeit rund 230 Verträge abgeschlossen worden.

• Im Hinblick auf die Beschulung von Flüchtlingen habe die niedersächsische Landesregierung zusätzliche Sozialpädagogenstellen für Grundschulen geschaffen. Seit dem 9. Februar 2016 seien dafür 100 Stellen ausgeschrieben worden, mit denen sozialpädagogische Arbeit in 150 Grundschulen ermöglicht werde. Darüber hinaus habe der niedersächsische Landtag der Landesregierung die Möglichkeit eröffnet, 167 weitere Stellen für sozialpädagogische Arbeit an Schulen einzusetzen.

• Für das Sprint-Projekt (spezielle Klassen, die Sprachförderung mit beruflicher Qualifizierung in Praktika verbinden) habe die niedersächsische Landesregierung rund 100 weitere Vollzeitlehrer-Einheiten für Berufsbildende Schulen (BBS) zur Verfügung gestellt. Bislang seien von 69 Berufsbildenden Schulen 125 Anträge gestellt worden.

Um die Lehrer auf diese Herausforderung vorzubereiten, habe das Land seine Fortbildungs- und Qualifizierungsangebote im Bereich der Sprachförderung deutlich ausgeweitet. Zudem würden auch die über befristete Arbeitsverträge zusätzlich gewonnenen Lehrkräfte z. B. über die Fachberater für Interkulturelle Bildung und die Sprachbildungszentren zunehmend auf ihre Arbeit vorbereitet.

Infos über das umfangreiche Unterstützungsangebot für Schulen und Lehrkräfte gibt es hier