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Rund 50 Flüchtlinge werden im Gasthof Gerlach in Otter Unterkunft finden

Standen Rede und Antwort (v. li.): Sozialdezernent Reiner Kaminski, Thorsten Völker, Koordinator für die Flüchtlingsunterbringung, Samtgemeinde-Bürgermeister Dr. Peter Dörsam, Bürgermeister Herbert Busch, Ordnungsamtsleiter Dieter Hellberg und Anja Kämpker vom Internationalen Café
bim. Otter. Ab wann gilt ein Objekt als Unterkunft für Flüchtlinge als geeignet?, Warum kommen fast ausschließlich junge männliche Asylbewerber in den Landkreis Harburg? oder: Wie will die Polizei Störungen und Konflikten begegnen? waren Fragen, denen sich Vertreter von Landkreis, Samtgemeinde, Gemeinde, Polizei und Internationalem Café am Donnerstagabend im früheren Gasthof Gerlach in Otter den über 200 Bürgern stellten. Wie berichtet, sollen in der ehemaligen Gaststätte rund 50 Asylbewerber untergebracht werden.
Kreissozialdezernent Reiner Kaminski, Thorsten Völker, Koordinator für die Flüchtlingsunterbringung beim Kreis, und Tostedts Samtgemeinde-Bürgermeister Dr. Peter Dörsam machten erneut die massiven Probleme deutlich, die der Landkreis bei der Unterbringung der 35 bis 40 wöchentlich vom Land zugewiesenen Flüchtlinge hat. 303 waren es im Januar und Februar.
Derzeit stehen im Landkreis 56 Unterkünfte mit 1.528 Plätzen zur Verfügung, 17 weitere sind in der Planung oder im Bau, mit denen 800 weitere Plätze geschaffen werden. Dennoch würden 800 Plätze fehlen.
Für die Bürger immer wieder unverständlich: Warum wird nicht frühzeitiger über mögliche Unterkünfte oder die Nationalitäten der Asylbewerber aufgeklärt? Laufend über mögliche Objekte oder Grundstücke zu informieren, mache keinen Sinn, wenn diese sich dann doch nicht als geeignet herausstellen. Und auf die Zuweisungspraxis der Landesaufnahmebehörde habe man keinen Einfluss. Der Landkreis erfahre jeweils erst kurz vorher, welche Flüchtlinge zu erwarten sind, so Dörsam und Kaminski.
Um auf diesen Missstand sowie auf die mangelnde finanzielle Unterstützung von Land und Bund bei der Flüchtlingsunterbringung aufmerksam zu machen, war Peter Dörsam am Freitag zu der Veranstaltung "Stadt - Land - Grün" nach Hannover gereist, an der auch Innenminister Boris Pistorius teilnahm.
In Otter ist geplant, den Saal des Gasthauses in fünf Zimmer für 18 Asylbewerber umzubauen. Dort soll es weiterhin einen Gemeinschaftsraum, einen kleinen Raum für Heimleitung und Sozialarbeiter geben. Gemäß dem Wunsch der Dorfgemeinschaft auf einen Platz für Zusammenkünfte sollen die Clubzimmer für entsprechende Veranstaltungen nutzbar sein. Die Wohnräume des Gasthofes im Obergeschoss können von 32 Flüchtlingen bewohnt werden.
Der Landkreis will den früheren Gasthof ab 1. Mai zunächst für sieben Jahre mieten. Die Miete, die der Kreis zahlt, unterliege dem Datenschutz, sei aber geringer als die Kosten bei einer Container-Unterbringung so Reiner Kaminski.
Die Ängste und Befürchtungen könne man den Bürgern nicht nehmen. Diese würden aber ernst genommen. Das Beste sei, aufeinander zuzugehen, sagte Kaminski mit Blick auf die Internationalen Cafés, die sich in vielen Gemeinden etabliert haben.
Bei ihrer Arbeit mit Flüchtlingen in Tostedt habe sie junge Menschen kennengelernt, die eine enorme Anpassungsfähigkeit an immer wieder neue Gesellschaften zeigten. Und die trotz der Ablehnung an verschiedenen Stationen während der Flucht aus Kriegs- und Krisengebieten der Tostedter Bevölkerung dennoch aufgeschlossen gegenüber stünden, berichtete Anja Kämpker vom Internationalen Café. Doch diese Menschen quäle im fremden Land auch die Ungewissheit, ob es sich gelohnt habe, viel Geld und das eigene Leben einzusetzen, um hier anzukommen.
Dass fast nur männliche Flüchtlinge ankommen, liege daran, dass sie es sind, die überwiegend der Verfolgung und Folter ausgesetzt seien. Auch würden viele Familien das jüngste, überlebensfähigste Familienmitglied, meist einen Sohn, auf die gefährliche Flucht schicken. Die Kinder und Frauen bleiben dann in den Massenflüchtlingslagern in der Türkei, im Libanon und im Irak zurück, erläuterten Anja Kämpker und Ordnungsamtsleiter Dieter Hellberg.
Was Straftaten von Asylbewerbern angeht, berichtete Tostedts Polizeichef Hans-Jürgen Scholz, dass es sich fast ausschließlich um Ladendiebstähle, Schwarzfahrten, Gebietsverstöße sowie vereinzelt um Sachbeschädigung und Körperverletzungen innerhalb der Unterkünfte handelt. Letzteres bezeichnete er als "gruppendynamische Verhaltensweisen", wie man sie auch von jungen Menschen etwa in Sportvereinen kenne.
"Mit 90 bis 95 Prozent der Flüchtlinge haben wir nie, mit zwei bis drei Prozent sehr viel zu tun", so Scholz, der zusicherte: "Es ist unsere Aufgabe, damit fertig zu werden. Sie können sich auf uns verlassen."

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