Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Tostedter gehen beim Lärmschutz leer aus

Gerhard Warnke
bim. Tostedt. Große Enttäuschung für viele Tostedter: Die Bahn-Anlieger hatten gehofft, in den kommenden Jahren endlich durch eine Schallschutzwand vom Lärm der Züge befreit zu werden. Doch daraus wird nichts. Wie Gerhard Warnke, Projektleiter von DB Netze, jetzt in der Planungsausschusssitzung der Samtgemeinde mitteilte, wird nur die Gemeinde Königsmoor von einer 355 Meter langen und drei Meter hohen Lärmschutzwand profitieren.
Das sah Mitte 2011 noch anders aus: Damals waren Samtgemeinde-Bürgermeister Dirk Bostelmann, dem CDU-Landtagsabgeordneten Heiner Schönecke und dem stellvertretenden Samtgemeinde-Bürgermeister Alfred Timmermann von der DB in Aussicht gestellt worden, dass Tostedt 3.600 Meter Lärmschutz an den Straßen "Auf der Timmhorst", "Im Fall" und "Am Bahnhof". In Kakenstorf sollten an der Straße "Auf der Horst" 800 Meter errichtet werden.
Nach der Kosten-/Nutzen-Analyse gehen Tostedt und Kakenstorf jedoch leer aus.
Begründung: Entlang der Bahnstrecke in Tostedt gibt es viele Häuser, die erst nach 1974 gebaut wurden und daher für die Beurteilung laut Bundes-Immissionsschutzgesetz keine Rolle spielen. In anderen Bereichen sei die Bebauung nicht dicht genug, oder es handele sich um Gewerbegebiete, für die höhere Grenzwerte gelten. Und dabei sei in die Prognose für das Schallschutzgutachten bereits die Y-Trasse mit 450 Zügen statt die derzeit tatsächlich fahrenden 280 Züge am Tag eingerechnet worden, so Warnke.
Einer weiteren, von Warnke zitierten Richtlinie, fällt der Lärmschutz für Kakenstorf zum Opfer, nach der u.a. Ferienhausgebiete nicht geschützt werden. Der Einwand von Tostedts Bürgermeister Gerhard Netzel, dass für einige wenige Häuser Dauerwohnen genehmigt sei, war Warnke nicht bekannt.
Für die Tostedter Bahn-Anlieger bleibt nun nur noch die Aussicht auf passiven Lärmschutz, also u.a. den Austausch von Fenstern und Türen, Isolierung des Daches und Einbau von Lüftungen. Das wird mit 75 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten gefördert, 25 Prozent trägt der Eigentümer.
Die Lärmsanierungsmaßnahmen werden seit 1999 als freiwillige Leistung vom Bund finanziert. Seit 2007 stehen jährlich 100 Millionen Euro bundesweit zur Verfügung, informierte Gerhard Warnke. Bei der DB Netz AG besteht bei 3.690 Kilometern Bedarf für Lärmsanierung bei einem Streckennetz von rund 33.600 Kilometern Gesamtlänge.
Die Vorarbeiten für den aktiven Lärmschutz in Königsmoor könnten im Sommer 2015 erfolgen, der Baubeginn im Oktober 2015.
Die Samtgemeinde stimmt der Lärmschutzwand für Königsmoor zu, fordert die DB Projektbau GmbH aber gleichzeitig auf, auch in den weiteren geprüften Bereichen aktive Schallschutzmaßnahmen zu planen.
Der CDU-Landtagsabgeordnete Heiner Schönecke reagiert mit Unverständnis auf die Ankündigung, dass es für Tostedt keinen Lärmschutz geben soll. "Ich finde es ausgesprochen unglücklich, wenn die Deutsche Bahn auf der Strecke, die die Hälfte des gesamten Güterverkehrs von Hamburg in den Süden und den Westen aufnimmt, am Lärmschutz spart. Ich werde alles daran setzen, dass da nachgebessert wird", verspricht er.