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Wer ist der bessere Rathaus-Chef für Tostedt?

Amtsinhaber Dirk Bostelmann (li.) und Herausforderer Dr. Peter Dörsam stellten sich im WOCHENBLATT-Haus in Buchholz dem Gespräch (Foto: mi)
 
Beim Gespräch im WOCHENBLATT-Haus: Dr. Peter Dörsam (re.) und Dirk Bostelmann mit WOCHENBLATT-Redakteurin Bianca Marquardt (Foto: bim)
  bim. Buchholz. Am Sonntag, 15. Juni, entscheiden die Wähler per Stichwahl, wer die Samtgemeinde Tostedt künftig als Bürgermeister führt und Verwaltungschef im Tostedter Rathaus wird. Der unabhängige Kandidat Dr. Peter Dörsam (47, Grüne/UWG Heidenau) hatte im ersten Wahlgang überraschend 44,7 Prozent der Stimmen geholt und damit Amtsinhaber Dirk Bostelmann (62, CDU) überholt, der 39,4 Prozent der Stimmen auf sich vereinigte. Vor dem entscheidenden Urnengang lud das WOCHENBLATT die beiden Kandidaten zum Streitgespräch ins WOCHENBLATT-Haus nach Buchholz ein. Die Diskussion umfasste fünf Themenkomplexe:
Thema Verkehrssituation
WOCHENBLATT:
Seit Jahrzehnten ist eine Ortsumgehung für Tostedt im Gespräch. Die Verkehrsbelastung hat durch verschiedene Neubaugebiete noch zugenommen. Welche Möglichkeiten sehen Sie, die Verkehrsprobleme zu lösen?
Bostelmann: Seit Ende 2013 ist die Ortsumgehung im Bundesverkehrswegeplan im vordringlichen Bedarf. Sollte das Land ein Planfeststellungsverfahren einleiten, müssten wir sofort über Art und Umfang der Umgehung sprechen und in vielen Versammlungen mit Bürgern und Anliegern eine Meinungsbildung herbeiführen. Mit der Landesstraßenbaubehörde müsste über eine Reduzierung überhöhter Standards verhandelt werden. Daneben muss auch eine innerörtliche Verkehrsplanung aufgenommen werden.
Dörsam: Ich würde mich für eine Lkw-Maut auf der B75 einsetzen, aber auch an der Planung für die Umgehung festhalten. Bei der Umgehung würde ich mit Rat und Bürgern offen diskutieren. Allerdings würde der Verkehr durch die Umgehung nur die B75 umfahren. Das Problem des starken Verkehrs auf der Bahnhofstraße (L 141) würde dadurch nicht allein gelöst.
Thema Gewerbegebiete
WOCHENBLATT:
Wo sollen die nächsten Gewerbegebiete ausgewiesen werden?
Bostelmann: Gegenüber des jetzigen Gewerbegebietes an der B75 sind seit den 1970er Jahren noch 25 Hektar Gewerbefläche im Flächennutzungsplan ausgewiesen. Aufgrund der Eigentumsverhältnisse hat sich dort nie etwas entwickelt. Bisher wurde noch nicht daran gedacht, neue Gebiete auszuweisen, weil die Flächen an der Vorwerkstraße noch nicht alle genutzt werden und vor dem Feuerwehrhaus noch 8 ha zur Verfügung stehen. Laut der Wirtschaftsförderungsgesellschaft, der Firma Vorwerk und Immobilienexperten der Sparkasse ist die Nachfrage nach Gewerbeflächen für Tostedt verhalten.
Dörsam: Es nützt nichts, wenn man sagt, wir haben noch 20 Hektar Gewerbefläche laut Flächennutzungsplan. Wenn sich nichts entwickelt, sollte man überlegen, diese Fläche aus der Planung wieder herauszunehmen.
Wenn das Gewerbegebiet Harburger Straße ausgebucht ist, muss man gucken, wo in einem vernünftigen Ausmaß Flächen ausgewiesen werden können, aber keine riesigen. Meine Aufgabe als Samtgemeinde-Bürgermeister wäre es, im Rahmen der Flächennutzungsplanung mit dem Rat und kompetenten Fachplanern zu schauen, wo es auch aus Verkehrssicht passt.
Thema Bauland:
WOCHENBLATT:
Wo sehen Sie Möglichkeiten, neues Bauland auszuweisen?
Dörsam: Es sollten auch Bebauungspläne für Flächen aufgestellt werden, die der Gemeinde gehören. Allerdings finde ich die geplante Baulandausweisung in Handeloh, wo die Gemeinde Flächen entlang der Wörmer Straße erworben hat, sehr bedenklich. Handeloh und Wörme würden durch eine Bebauung dort zusammenwachsen. Es ist aber wichtig, örtliche Strukturen zu erhalten. Den Schwerpunkt für Wohnbebauung sehe ich in Tostedt.
Bostelmann: Wir wollen weiterhin Neubauten ermöglichen, um die günstige Situation als Wohnort im Hamburger Umfeld zu nutzen und unsere Infrastruktur zu erhalten. Wenn möglich, sollte der Landschaftsverbrauch durch die Ausweisung kleinerer Grundstücke niedrig gehalten werden. Zurzeit macht die Gemeinde das nur für Flächen, die ihr gehören.
Thema Finanzen:
WOCHENBLATT:
Wie wollen Sie die Samtgemeinde für die Zukunft handlungsfähig machen?
Dörsam: Der Schuldenstand ist zum Teil eine Folge von verfehlten Investitionen. Allein bei dem zu großen Grundschulneubau in der Poststraße und dem Kindergarten in der Dieckhofstraße hätten 5 Millionen Euro gespart werden können, ohne dass es irgendwelche Abstriche für die Kinder gegeben hätte. Die notwendigen Krippenplätze wären viel sinnvoller bei den Kindergärten, die noch keine Krippenplätze haben, gebaut worden. Eine Kommune, die Leerstände baut und eine Sache wie die Sanierung des Freibades nicht angeht, steht nicht gesund da. Ich würde trotz der derzeitig hohen Schulden Geld fürs Freibad in die Hand nehmen, aber zukünftig auf überflüssige Investitionen verzichten.
Bostelmann: Die Samtgemeinde verfügt über 58 Millionen Euro an Werten und acht Millionen Euro Verbindlichkeiten, die allerdings etwas über 18 Millionen Euro steigen würden, wenn alle jetzt diskutierten Maßnahmen auch beschlossen und realisiert werden. Das wäre ein ganz neues Freibad, die Straße von Vaerloh nach Heidenau, eine neue Schule in Todtglüsingen. Selbst dadurch wäre die Handlungsfähigkeit der Samtgemeinde nicht eingeschränkt.
Thema Wahl-“Schlammschlacht“ in Tostedt:
WOCHENBLATT:
Herr Dörsam, manch politischer Gegner behauptet, Sie würden nur für das Amt des Samtgemeinde-Bürgermeisters kandidieren, weil Sie kein geregeltes Einkommen haben. Was sagen Sie dazu?
Dörsam: Der von mir vor 20 Jahren gegründete PD-Verlag läuft sehr erfolgreich, wir haben bereits über eine Viertelmillion Bücher und über 80.000 Brettspiele verkauft und in den 20 Jahren immer Gewinne gemacht. Ich habe lange gerungen, ob ich überhaupt kandidieren soll. Hätte die CDU Handeloh einen überzeugenden Verwaltungsfachmann als Kandidaten gefunden, hätte ich diesen wahrscheinlich unterstützt.
WOCHENBLATT: Herr Bostelmann, Herr Dörsam wirft Ihnen ganz offen Hinterzimmerpolitik vor. Was sagen Sie dazu?
Bostelmann: Das weise ich weit von mir. Ich bin der Öffentlichkeit verpflichtet. Die 34 Samtgemeinde-Ratsmitglieder achten auch darauf, informiert und beteiligt zu werden. Ein Samtgemeinde-Bürgermeister ist nicht in der Lage, 34 Personen so unter Druck zu setzen, dass sie seine Vorschläge akzeptieren. Das ist ein unangemessener Vorwurf, von dem sich auch die Ratsmitglieder getroffen fühlen. Rat und Verwaltung haben für alle Bürger stets ein offenes Ohr.