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Windkraftanlagen Königsmoor: Den Windpark vor der Tür

Der Windpark nahe der Schulstraße in Königsmoor bekommt drei neue Windenergieanlagen (in Weiß-Rot) (Foto: Foto: bim / Repro: MSR)
 
Der Kranichflug bei Königsmoor wird durch die Windkraftanlagen beeinträchtigt (Foto: Uwe Quante)
bim. Königsmoor. In unmittelbarer Nähe der Gemeinde Königsmoor „sprießen“ Windenergieanlagen (WEA) seit einigen Jahren buchstäblich wie Pilze aus dem Boden. Allerdings: Keine der Anlagen steht auf Königsmoorer Boden, sondern auf Gebiet der angrenzenden Kreise Rotenburg und Heidekreis. Bislang regte sich dagegen kein Protest. Doch nun sollen es noch mehr Anlagen werden: Neben den sechs Anlagen im Heidekreis sollen am Standort der fünf bisherigen WEA an der Schulstraße im Windpark Stell bis Ende des Jahres drei weitere WEA errichtet werden - nur wenige hundert Meter entfernt von Königsmoor. Mehrere Bürger, die Samtgemeinde Tostedt und die Gemeinde Königsmoor haben ihre Einwände geäußert - genehmigt wurden die Anlagen trotzdem, ohne Rücksicht auf die „Nachbarn“ und die Natur.
Dabei gab es durchaus stichhaltige Argumente. So hatte Königsmoors Gemeindedirektor Stefan Walnsch, der gleichzeitig erster Samtgemeinderat ist, bei einem Erörterungstermin im vergangenen November in Rotenburg u.a. folgende Bedenken vorgebracht:
• Das Landschaftsbild wird stark beeinträchtigt, was auch dem stark gestiegenen Fahrradtourismus abträglich ist.
• Die Natur insgesamt wird gestört, u.a. mit Blick auf den Zug der Kraniche. Der Windpark steht in der Einflugschneise der Vögel auf ihrem Weg zum sechs Kilometer entfernten Tister Bauernmoor auf Rotenburger Gebiet, das eigentlich eine Tourismus-Attraktion ist.
• Königsmoor wird in seiner Planungshoheit bei der Ausweisung neuer Baugebiete eingeschränkt.
• Die Häuser der Anlieger verlieren an Wert.
• Die Anlieger leiden unter Rotoren-Lärm, Schattenwurf und Infraschall.
„Ein weiterer, sichtbarer Ausbau an den bestehenden oder gar an neuen Standorten von Anlagen irgendwo dicht an den Grenzen zu Königsmoor ist für uns aufgrund dieser Nachteile nicht mehr akzeptabel“, so Walnsch.
Die Chancen, rechtlich gegen die Windparks vorzugehen, stehen aber schlecht. „Leider halten sich alle Antragsteller an die Vorschriften und Normen, sodass wir rechtlich keine Möglichkeit haben“, sagt Königsmoors Bürgermeister Matthias Schuback, der bei dem Thema schon einen gewissen Zynismus entwickelt hat. „Grundsätzlich positioniert sich die Gemeinde Königsmoor positiv zu regenerativen Energiequellen wie z.B. WEA, Photovoltaik- oder Biogasanlagen. Es wäre nur schön, wenn nicht alles vor unserer Tür geschieht und wir von dem ‚Kuchen‘ (Gewerbesteuer) auch etwas abbekommen würden. So gehen wir leer aus und müssen mit dem unschönen Anblick leben“, so Schuback.
Auch beim Arbeitskreis Naturschutz (AKN) Tostedt sieht man den überbordenden WEA-Ausbau kritisch. Kranich-Experte und stellvertretender AKN-Vorsitzender Uwe Quante: „Es wird zu viel und ohne Augenmaß gebaut und vergessen, dass man damit dem Natur-, Landschafts- und Artenschutz schlechte Dienste erweist.“ Bezüglich der „Scheuchwirkung“ der Windkraftanlagen auf Brut- und Rastvögel bzw. der „Meide-Reaktionen“ von Vögeln hätten Studien unterschiedliche Ergebnisse erbracht. Als Fazit lasse sich jedoch feststellen, dass einige Arten den engeren Bereich der Windparks als Brutraum ebenso meiden wie eine Reihe von Zugvögeln ihn als Rastraum nicht nutzen. Insbesondere würden Greifvögel, einige Watvögel und größere Zugvögel empfindlich reagieren. „Im Bereich der WEA bei Königsmoor und Heidenau ist es so, dass die Tagesrouten der Kraniche von den Übernachtungs- zu den Futtergebieten beeinträchtigt werden“, so Uwe Quante.
Der Landkreis Harburg hatte Königsmoor im Rahmen seines Regionalen Raumordnungsprogramms (RROP) 2025, in dem u.a. die Vorrangflächen für Windenergie festgelegt wurden, aus Natur- und Landschaftsschutzgründen ausdrücklich von Windkraftnutzung ausgeschlossen. Und laut Raumordnungsgesetz müssen die Raumordnungspläne benachbarter Kommunen aufeinander abgestimmt werden.
Das sei auch geschehen. Allerdings stehe das „Vorranggebiet Lauenbrück/Stell“ bereits seit 1998 im RROP des Kreises Rotenburg. Und: „Der Landkreis Rotenburg hat im vorliegenden Fall der Nutzung der Windenergie den Vorzug gegeben vor der Freihaltung der Moorbereiche und des Landschaftsbildes“, teilt Rotenburgs Kreissprecherin Christine Huchzermeier auf WOCHENBLATT-Nachfrage mit. Im derzeit gültigen RROP 2005 hat der Nachbarkreis sogar 16 Vorrangflächen für Windenergie festgelegt. Und es ist vorgesehen, bei der derzeit laufenden Fortschreibung auch eine Fläche im Bereich Fintel auszuweisen. Und das liegt auch an der Grenze zu Königsmoor.