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Zu viel Geld, wenig Nutzen: Tostedts Gemeinderat lehnt Beteiligung an Wohnungsbaugesellschaft ab

Ernst Müller
 
Dr. Alexander Gröngröft (Foto: Till von Rennenkampff)
bim. Tostedt. Zu wenig "Ertrag" für zu viel Geld - so lässt sich die mehrheitliche Einschätzung der Politik in Tostedt in Sachen kommunale Wohnungbaugesellschaft zusammenfassen. Denn einer Beteiligung der Gemeinde von 1,2 Millionen Euro stünden maximal 50 Wohneinheiten, davon 15 Sozialwohnungen, gegenüber. Außerdem sieht es bislang so aus, dass Interesse nur aus den Gemeinden Kakenstorf und Heidenau signalisiert wurde, während Königsmoor, Otter, Wistedt und Welle dem Vorhaben ablehnend gegenüber stehen. Der Tostedter Gemeinderat lehnte daher jüngst einen Beitritt zur Wohnungsbaugesellschaft gegen die Stimmen der SPD ab.
Ernst Müller (CDU) brachte eine Vielzahl von Argumenten gegen die Wohnungsbaugesellschaft vor, u.a.:
• Die CDU lehnt eine weitere Verschuldung der Gemeinde in Höhe von 1,2 Millionen Euro ab
• Geringer Zuspruch der Teilnahme aus den anderen Mitgliedsgemeinden
• In den nächsten Jahren entstehen in Tostedt annähernd 200 Wohneinheiten
• Es würden keine geeigneten Grundstücke zur Verfügung stehen, um diese in das Projekt einzubringen
• Baufachleute würden die Kalkulation für das Projekt für zu optimistisch halten, z.B. werde nur mit einem Leerstand von zwei Prozent kalkuliert
• Der Verwaltungsaufwand wäre zu hoch
• Die Prognoseplanung sehe für die nächsten 20 Jahre keine Rendite vor
• Der Aufsichtsrat einer Wohnungsbaugesellschaft wäre vorwiegend mit Nicht-Fachleuten besetzt
• Statt der über die Wohnungsbaugesellschaft geschaffenen 15 Sozialwohnungen finde sich leichter ein Investor, dem die Gemeinde einen Zuschuss für diese 15 Wohnungen gebe.
Müllers Fazit: "Der Aufwand und das Risiko stehen in keinem Verhältnis zu 15 Sozialwohnungen in Tostedt."
Auch Dr. Harry Kalinowsky (FDP) plädierte dafür, anstelle einer Investition in die Wohnungsbaugesellschaft lieber gezielt Objekte zu fördern. Marktwirtschaft sei nicht Aufgabe einer Kommune.
Dr. Alexander Gröngröft (Bündnis 90/Die Grünen) sprach sich dafür aus, anders steuernd einzugreifen, z.B., indem das Wohngeld angehoben oder aus Mitteln der Kommune ergänzt werde.
Nach Ansicht von Peter Johannsen (SPD) würde der Haushalt der Gemeinde eine Beteiligung hergeben. Mit Wohngeld sei nicht viel zu erreichen. Auch hätten private Investoren kein großes Interesse an sozialem Wohnungsbau. "Wir sehen uns in der Verpflichtung, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen", so Johannsen. Immerhin werbe die Gemeinde für sich als familienfreundliche Kommune. Dazu gehöre, dass genügend Wohnraum in einem Preissegment zur Verfügung stehe, den sich Familien mit normalem Einkommen leisten könnten. Ein höhere Wohnungsangebot führe dazu, dass die Preise stagnieren oder zumindest nicht exorbitant steigen würden.
Nach Ansicht von Gerhard Netzel (SPD) bestehe in Tostedt ein Missverhältnis zwischen Hausbau und Mietwohnungen. Zumal auch die durchschnittlichen Kosten für den knappen Mietraum in der Gemeinde seiner Kenntnis nach mit 10 Euro pro Quadratmeter plus Nebenkosten hoch seien.

Haus- und Wohnungsbau in der Samtgemeinde Tostedt

In der Samtgemeinde Tostedt wird in naher Zukunft viel gebaut, meist jedoch Eigentums- und teurere Wohnungen, oder es werden Flächen für Häuslebauer ausgewiesen, u.a.:
• in Handeloh zwölf Bauplätze an der Wörmer Straße,
• in Heidenau bis zu 28 Baugrundstücke am Ortsausgang in Richtung Friedhof,
• in Wistedt bis zu 43 Bauplätze zwischen den Straßen „Höhnkamp“ und „Im Ahler“,
• in Kakenstorf Plätze für 48 Einzel- und Doppelhäuser sowie vier Mehrfamilienhäuser auf der Fläche zwischen der Weidenstraße und der Ahornallee, die in zwei Abschnitten entwickelt werden soll
• in Tostedt 17 Wohnungen in der Bahnhofstraße 25 und elf Eigentumswohnungen in der Triftstraße („Entenhaus“).
Die Planungsgemeinschaft Nord (PGN) möchte das ehemalige Dörnbrack-Gelände in der Straße Am Bahnhof für die Bauherrengemeinschaft Tostedt GbR mit mehreren Mehrfamilienhäusern bebauen. Zumindest hier soll ein Teil der 98 Wohnungen im Rahmen der sozialen Wohnbauförderung zu günstigen Preisen vermietet werden.

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