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Bei der Autobahnraststätte Hollenstedt endet eine Ära

Reinhold Pfaff (re.) mit seinem Betriebsleiter Rainer Brockmann
 
Reinhold Pfaff führte die Autobahnraststätten Hollenstedt und Aarbachkate 43 Jahre lang
bim. Hollenstedt. Viele seiner Gäste kennt er mit Namen, nimmt sich gerne Zeit für einen kurzen Plausch. Auch die, die er (noch) nicht persönlich kennt, begrüßt er freundlich oder wünscht einen "Guten Appetit". Reinhold Pfaff ist ein charmanter Gastgeber - und empfängt mit seinem Team rund eine Million Kunden jährlich. Denn der 69-Jährige betreibt seit mehr als vier Jahrzehnten Autobahnraststätten, darunter die Raststätten Hollenstedt und Aarbachkate an der A1. Zum 1. November übergibt er die beiden Betriebe an den neuen Pächter Christian Vogelsang.
Reinhold Pfaff, der nach einer Kfz-Mechaniker-Lehre sowie einem Crashkurs als Koch und Schlachter in die Gastronomie einstieg, betrieb zunächst gemeinsam mit seiner Frau, seiner Familie und vier Angestellten eine kleine Raststätte in Bad Camberg (Hessen).
1962 kam er in die Nordheide, eröffnete die Raststätten Hollenstedt und Aarbachkate. Auch weitere Tank- und Rastanlagen standen unter seiner Regie: 15 Jahre die Raststätte Trave bei Lübeck, fünf Jahre lang Ostetal Süd und sechs Jahre lang Hamburg-Stillhorn Ost und West.
In all den Jahren wurden in Reinhold Pfaffs Raststätten jährlich zwei bis drei junge Menschen zu Köchen, Hotelfachkräften und Systemgastronomen ausgebildet. "Aber es wird wegen der Abend- und Wochenendarbeit immer schwieriger, Nachwuchs zu finden, der sich mit dem Betrieb identifiziert", sagt Reinhold Pfaff, der in seinen Unternehmen derzeit 45 Angestellte beschäftigt.
Großen Wert legte er immer auf Frische und heimische Produkte. Die Kunden bekommen bei ihrem Stop in den Hollenstedter Raststätten neben einem Frühstücksbuffet, Tagesangebote, speziell für Fernfahrer, Snacks und Hausmannskost. "Der Burger King ist mein Baby, den habe ich aufgebaut", erklärt Reinhold Pfaff stolz zu dem Schnellrestaurant in Hollenstedt.
Den Gästen stehen heute neben den Gastronomiebetrieben im Hotel 24 Doppelzimmer, mehrere Drei-Bett-Zimmer und Fernfahrerduschen zur Verfügung. Auch gibt es an beiden Standorten 120 Lkw-Stellplätze.
Und welche Qualifikationen braucht man, um solch große Unternehmen zu führen? "Menschlichkeit und Führungsqualitäten. Außerdem muss man allzeit bereit sein - 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Man wird eigentlich immer gebraucht", so Pfaff.
In den 43 Jahren hat er viel erlebt. Als in der Ölkrise in den 1970er Jahren ein Sonntagsfahrverbot ausgesprochen wurde, fuhren er und seine Angestellten mit dem Fahrrad auf der Autobahn. Bei den Schneekatastrophen - ebenfalls in den 1970er Jahren - versorgten sie die Autofahrer mit Suppe, Tee und Decken.
Reinhold Pfaffs kuriosestes Erlebnis: "Mitte der 1970er Jahre saß eine Frau auf dem Dach der Raststätte. Als die Feuerwehr kam und sie herunterholen wollte, erklärte sie: 'Ich warte auf den Hubschrauber. Ich werde gleich abgeholt'", erzählt Reinhold Pfaff. "Sie wurde dann auch tatsächlich abgeholt", berichtet Rainer Brockmann, der seit 22 Jahren der Betriebsleiter an Pfaffs Seite ist, "aber in die Psychiatrie gebracht." Und mindestens zwei- bis dreimal im Jahr komme es vor, dass Busfahrer einen Fahrgast vergessen oder Fahrgäste nicht mehr wissen, mit welchem Busunternehmen sie reisen. Mithilfe der Polizei Sittensen erfolgt jeweils die Zusammenführung.
"Ich hoffe, dass der Betrieb mit dem Personal so weitergeführt wird wie bisher. Meinem Nachfolger Christian Vogelsang wünsche ich alles Gute", so Pfaff, der künftig mehr Zeit für seine Familie hat.
• Für Donnerstag, 29. Oktober, ab 12 Uhr sind alle Kunden, Geschäftspartner und Weggefährten zu Reinhold Pfaffs Verabschiedung in die Raststätte Hollenstedt eingeladen.